Miteinander lernen in großen und kleinen Gruppen

Fragen

Warum kommt Unruhe in meine Vorlesung?

Wie kann ich dem Wegbleiben meiner Studierenden entgegenwirken?

Wie schaffe ich es, dass Studierenden sich in der der Vorlesung nicht verloren fühlen?

Unruhe entsteht im Laufe von großen Veranstaltungen scheinbar automatisch. Kein Wunder: Namentlich in Vorlesungen ist es nicht vorgesehen, dass die Studierenden selbst aktiv werden und so ein Ventil für ihre Energie finden. Langes Zuhören und Stillsitzen aber ist schwer, und je mehr Leute im Raum sind, desto weniger scheint eine kleine Nebenaktivität aufzufallen. Doch wenn Studierende die Präsenz in Vorlesungen nicht ernst nehmen, unaufmerksam, laut oder ohne produktiven Kontakt zu ihren Sitznachbarn sind, geht Potential für ihr Lernen verloren: Sie verpassen Inhalte oder reflektieren sie nicht; sie profitieren nicht voneinander bzw. von der Anwesenheit der Professorin oder des Professors.

Zum Umgang mit diesen Problemen gibt es unterschiedliche Ansätze. Alle zielen darauf ab, die Studierenden mehr in den Verlauf der Veranstaltung einzubeziehen und somit den Fokus der Lehrenden mehr auf die „Anstiftung zum Lernen“ zu legen. Dies lässt sich aus der Perspektive der Aktivierung (Lernen als aktiver Prozess) denken, aber auch aus der Perspektive sozialer Integration –denn so wie die Inaktivität begünstigt auch die Anonymität Unruhe im Plenum. So gesehen muss das Ziel eine gemeinschaftliche Arbeitsatmosphäre sein, da durch kommunikative, integrative Elemente der Lehrinhalt messbar besser vermittelt wird. Die Studierenden lernen miteinander und voneinander und auch in einer Vorlesung kann eine lebendige Struktur entstehen, in der sich Phasen des Vortrags mit Phasen der Kommunikation abwechseln. So kommen alle Studierenden mit ihren Ansichten und Ideen zu Wort, während zugleich soziale Verbindlichkeit entsteht. Wenn die Anonymität aufgehoben wird, nehmen die Bereitschaft zu Rücksichtnahme und Verantwortungsübernahme ebenso zu wie das Gefühl, dass die eigene Anwesenheit wichtig ist.

Die Einbindung der Studierenden findet auf zwei Ebenen statt: Durch die Kommunikation des Lehrenden mit den Studierenden sowie durch die Kommunikation der Studierenden untereinander. Bei der Kommunikation der Lehrenden mit den Studierenden sind schon niedrigschwellige „Grenzüberschreitungen“ ein Gewinn, z. B. wenn der Vortrag für kurze Fragen in das Plenum unterbrochen oder Raum zur Diskussion einer These bzw. von Fragen gegeben wird. Kommunikation mit den Studierenden kann aber auch darin bestehen, vorab – z. B. in einem Forum oder in einem JiTT-Format (Just-in-Time-Teaching (JiTT)) – gestellte Verständnisfragen der Studierenden in den Vortrag einzubinden. In all diesen Fällen bekommen die Studierenden das Gefühl, dass ihr Mitdenken wichtig ist. Die Kommunikation der Studierenden untereinander lässt sich damit oft kombinieren: Fragen des Lehrenden können die Studierenden zunächst kurz mit ihren Nachbarn diskutieren, in einem großen Plenum kann die Rückmeldung dann via Clicker (Clicker & Peer-Instruction) erfolgen. Eine Variante dieses Vorgehens ist das nachstehend beschriebene „Think – Pair – Share“ (Think-Pair-Share).

Eine auch in Großveranstaltungen besonders nachhaltige Arbeitsweise für die Integration der StudiFrühstudium an der TUHH mit Prof. Mackenserenden ist das Arbeiten mit sogenannten Basisgruppen, die sowohl in der Veranstaltung als auch außerhalb gemeinsam arbeiten – dies wird nachstehend genauer beschrieben (Basisgruppen). Das Prinzip der Basisgruppen lenkt den Blick auf einen Aspekt, der zunächst für Großveranstaltungen abwegig erscheint, aber großes Potential hat: die Sitzordnung. Ungünstig ist es, wenn in einem halbleeren Auditorium die Studierenden weit verstreut sitzen – hier können Aufforderungen an die Studierenden, etwas zusammenzurücken und so den Dialog zu erleichtern, gut investiert sein und werden – gut begründet – bei den Studierenden auch auf Verständnis stoßen. In Stud.IP oder auf dem Skript können diese Aspekte zudem als „Grundregeln“ dokumentiert sein. Selbst für Großveranstaltungen sind aber auch noch weitergehende Lösungen denkbar, z. B. die Festlegung der Plätze für die Basisgruppen im Plenum. Geschätzt wird es von manchen Lehrenden zudem, wenn in regelmäßigen Abständen Reihen frei bleiben, damit sie auch in großen Räumen mit jedem einzelnen Studierenden in Kontakt treten können.

Siska Simon & Marisa Hammer

 

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