Lernstände und Lernhindernisse vor der Prüfung kennen

Fragen

Wie bekomme ich noch vor der Prüfung mit, dass die Studierenden etwas nicht verstanden haben?

Wie stelle ich früh fest, ob das Veranstaltungskonzept stimmig ist?

Jede_r Lehrende denkt darüber nach, wie er den Lernenden seinen Stoff möglichst gut näher bringen kann. Umso frustrierender kann es sein, wenn die Studierenden am Ende scheinbar wenig bis nichts von den aufwändig aufbereiteten Inhalten verstanden haben. Ob ein Inhalt gut aufbereitet ist, lässt sich nie pauschal beantworten: Was für den diensterfahrenen Wissenschaftler_innen verständlich ist, muss es für die Einsteigerin oder den Einsteiger noch lange nicht sein. Neurobiologie und Pädagogik sind sich hier in zwei Punkten einig: Zum einen ist die Fähigkeit eines Lernenden zur aktiven Verarbeitung der ihm dargebotenen Inhalte in höchstem Maße von seinem Vorwissen abhängig. Zum anderen lernt jeder auf seine eigene Art und setzt Wissensbausteine zu einem persönlichen Wissens- und Verständniskonstrukt zusammen (in der Pädagogik spricht man von „Konstruktivismus“). Man muss sich demnach von der Vorstellung verabschieden, dass der Stoff so, wie er vermittelt wird, in die Köpfe der Studierenden gelangt. Zwar lässt sich vermuten, dass es ganz bestimmte Inhalte in einer ganz bestimmten Darbietung sind, die die gewünschten Lernprozesse auslösen – sicher sein kann man sich dessen für den Einzelfall aber nicht. Erst die Prüfung gibt dann Aufschluss darüber, ob die Studierenden die Lernziele erreichen konnten. Haben die Lernprozesse nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt, ist es für die betroffenen Studierenden zu spät. Zur Lösung dieses Problems ist es wichtig, schon während des Semesters Feedbackschleifen einzuführen („formatives Feedback“). Durch sie kann nachvollzogen werden, wo die Studierenden in ihrem Lernprozess stehen. Dann wird es auch möglich, noch in einer laufenden Lehrveranstaltung nachzusteuern und bereits durch kleinere Anpassungen – wie etwa kurze Wiederholungen oder Erläuterungen anhand von Beispielen – die Lernprozesse der Studierenden besser zu unterstützen.
Der wichtigste Aspekt ist dabei der Gegenstand des Feedbacks: Worüber will man die Studierenden befragen? Denn das Feedback kann sich auf verschiedene Aspekte der Lehre beziehen:

  • Die Voraussetzungen: Welches Vorwissen haben die Studierenden in dem Fachgebiet?
  • Den Lehr-/Lernprozess: Was stört oder befördert den Lernprozess der Studierenden in der konkreten Veranstaltung?
  • Die Lernergebnisse: Was wurde verstanden und welche Inhalte wurden für wichtig befunden?

Zusätzlich kann man sich vorab selbst fragen, an welchen Punkten man am ehesten Schwierigkeiten der Studierenden erwartet – z. B. auf Grundlage von fachdidaktischer Forschung oder eigenen Erfahrungen – und diese dann gezielt abfragen. Schließlich sind an den Stellen, an denen diese Schwierigkeiten auftreten, Feedbackprozesse besonders wichtig. Noch ein Tipp: Auch mit Hilfe von Clickern, Smartphones oder über Stud.IP können sinnvoll Rückmeldungen eingeholt werden (OnlineplattformClicker & Peer-Instruction). Für die meisten der hier genannten Methoden sind auch Online-Varianten denkbar. Allerdings ist dort evtl. der Rücklauf geringer, als wenn die Aufgaben direkt in der Veranstaltung bearbeitet werden. Dennoch ist es gerade in einer Vorlesung oder einem Seminar mit gut angenommener Lernplattform sinnvoll, auch z. B. über das Online-Forum Rückmeldungen einzuholen (in Stud.IP möglich).

  1. Die folgenden Methodenbeschreibungen geben Auskunft darüber, wie man Feedback zu den unterschiedlichen Aspekten erheben kann. Wichtig für den Umgang mit den Erhebungsdaten sind zwei Punkte: Es muss transparent gemacht werden, dass es sich um ein Feedbackverfahren handelt und nicht z. B. um einen Teil der Prüfung. Das hilft den Studierenden, denProzess einzuschätzen und verbessert die Qualität der Rückmeldung.
  2. Auf die Ergebnisse muss in irgendeiner Form zeitnah reagiert werden. Das zeigt den Studierenden, dass ihr Feedback ernst genommen wird und regt sie dazu an, auch weiterhin Verantwortung für die Gestaltung des Lehr-/Lernprozesses zu übernehmen.

Für den Einsatz von Feedbackmethoden gilt insgesamt, dass sie die Lernenden zur Reflexion darüber anregen, was ihr persönliches Lernen befördert bzw. was ihm im Wege steht. Dies hilft dabei, dass Studierende sich selbst besser einschätzen können und stärker in die Rolle gebracht werden, Mitverantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen.

 

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