Gute Prüfungen gestalten

Prüfungen spielen im Hochschulstudium eine zentrale Rolle. Sie geben den Lernenden ein Feedback darüber, wo sie in Bezug auf die Lernziele stehen, entscheiden über ihr Weiterkommen und prägen dadurch das Lernverhalten maßgeblich. Wann und was gelernt wird, richtet sich hauptsächlich nach den Prüfungen.
Die Gestaltung guter Prüfungen ist demnach von besonderer Bedeutung für ein nachhaltiges, motivierendes und den Lernzielen angemessenes Lernen der Studierenden. Zugleich stellt die Konzeption und Bewertung guter Prüfungen für Lehrende eine große Herausforderung dar – nicht zuletzt aufgrund der häufig hohen Anzahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Veranstaltungen.
Am Zentrum für Lehre und Lernen unterstützen wir Sie bei der Konzeption und Bewertung von Prüfungen. Kommen Sie bei Fragen oder Beratungsbedarf gern auf uns zu.

Ihre Ansprechpartnerin

zll_team_katrinKatrin Billerbeck
Tel: 040 42878-4621
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Hier finden Sie übrigens die aktuelle Studien- und Prüfungsordnung  (ASPO) der TUHH .


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Was ist eigentlich…?

…Kompetenzorientiertes Prüfen

richtet sich auf die Bewertung der Handlungsfähigkeit von Studierenden. Geprüft wird nicht vorrangig ein bestimmter Stoff von Veranstaltungen, sondern der Transfer von gelernten Inhalten oder Methoden auf einen bestimmten Fall oder eine realistische Problemsituation. Damit sollen die späteren Tätigkeiten in Beruf und Wissenschaft noch stärker ins Blickfeld rücken.
Prüfungen zielen also dann auf den Aufbau von Kompetenzen, wenn Studierende darin nicht nur Wissen wiedergeben, sondern selbst etwas anwenden, auf neue Kontexte transferieren, Entscheidungen treffen oder beurteilen können, wie beispielsweise im Schreiben eines fiktiven Gutachtens, im schriftlichen oder mündlichen Abschließen eines eigenständigen Projekts, in einer Poster-Präsentation oder auch in der Bearbeitung offener Problemstellungen in Klausuren.


Schriftliche Prüfungsarten

Klausuren sind an der TUHH das häufigste Prüfungsformat. Bei der Gestaltung einer Klausur ist es wichtig, passende Aufgaben zu konstruieren. Je nach Lernzielen der Veranstaltung eignen sich dafür geschlossene, halboffene oder offene Aufgabenstellungen. Letztere eignen sich besonders gut, um individuelle Lösungswege für komplexe Problemstellungen zuzulassen. Dadurch sind sie zugleich schwerer zu bewerten. Eine spezielle Variante der offenen Aufgabe ist die Arbeit mit einem Fallbeispiel, zu dem in der Prüfung Fragen gestellt werden. Damit kann erlerntes Wissen auf berufsnahe Problemstellungen übertragen werden.
Bei geschlossenen oder halboffenen Aufgaben gibt es hingegen nur eine richtige Lösung, dadurch ist die Bewertung objektiver. Z. T. ist allerdings hier die Konstruktion der Aufgaben schwieriger.
Wir beraten Sie gerne zur Konstruktion von Aufgaben oder geben Ihnen Feedback auf bisher gestellte Klausuren.

Nach einer Umfrage unter Studierenden von 2014 wünschten diese sich mehr Verständnisaufgaben und weniger Zeitdruck in Klausuren.


Schriftliche Ausarbeitungen

Von Studierenden der Ingenieurwissenschaften wird erwartet, dass sie wesentliche Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens beherrschen und diese am Ende in einer eigenen Forschungsarbeit anwenden können. Häufig wird allerdings beklagt, dass Schreibkompetenzen in den meisten ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen noch zu wenig systematisch entwickelt werden. Auch für die Studierenden, die später nicht in der Wissenschaft bleiben, sondern in die Industrie gehen wollen, ist Schreiben jedoch eine zentrale Kompetenz, schließlich sind Dokumentationen, Produktbeschreibungen, Korrespondenz mit Geschäftspartnerinnen und -partnern nur einige der Schreibtätigkeiten, auf die Ingenieurinnen und Ingenieure in ihren Berufen stoßen werden.
Eine schriftliche Bearbeitung von Aufgaben hilft zudem, Fachinhalte zu strukturieren und zu vertiefen. Insofern ist es sinnvoll, schriftliche Ausarbeitungen als Prüfungsleistungen in das Studium zu integrieren. Diese kann als finales Produkt am Ende des Semesters oder aber in Teilstücken über das Semester verteilt abgegeben werden. Das ZLL bietet Ihnen hierfür die Unterstützung durch geschulte Writing Fellows an. Diese geben Studierenden Ihrer Veranstaltung in Absprache mit Ihnen Feedback zu schriftlichen Ausarbeitungen im Hinblick auf Schreibkompetenz und den Regeln des wissenschaftlichen Schreibens.


E-Assessment – mehr als Multiple Choice Prüfungen

In vielen Veranstaltungen an der TUHH werden Rechner zu Übungszwecken eingesetzt, etwa um realitätsnahe Probleme mit fachspezifischer Software zu lösen. Gerade für Ingenieure und Ingenieurinnen gehört dies zum späteren Forschungs- und Berufsalltag dazu und ist insofern Bestandteil des Studiums. Im Sinne einer guten und stimmigen Lehre ist es dann nur folgerichtig, computergestützte Aufgaben auch in die Prüfung einzubinden. An der TUHH finden bereits erste Prüfungen an Rechnern statt, noch haben diese aber Pilotcharakter. Die Infrastruktur für rechnergestützte Prüfungen soll von nun an nach und nach weiter ausgebaut werden. Zur Zeit stehen an der TUHH (nach Absprache) die Poolräume, der Raum K1520 sowie seit neuestem der Raum D2022 mit anforderbaren Laptops und Ipads für e-Prüfungen zur Verfügung.

Hinweis: Wenn Sie diese Laptops oder Ipads nutzen wollen, wenden Sie sich gerne an uns oder karsten.kruse@tuhh.de (E-10; Projekt mintfit ).

Der D 2022 als mobiles Testcenter.

Eine automatische Auswertung von Prüfungen im Antwort-Wahl-Verfahren wird an der TUHH bereits seit längerem mit der Software EvaExam umgesetzt. Hierbei werden Prüfungsbögen direkt in der Software angelegt, ausgedruckt und in der Prüfung auf Papier ausgefüllt. Nach der Prüfung werden die fertigen Klausuren gescannt und die Fragen automatisch ausgewertet.

Das Entwickeln geeigneter Aufgaben im Single/Multiple-Choice-Format nimmt allerdings einige Zeit in Anspruch. Eine Überprüfung von einer zweiten Person ist dabei unerlässlich. Gerne beraten auch wir Sie zur Konzeption passender Aufgabenstellungen. Wenden Sie sich dafür gerne an N/A und Katrin Billerbeck. Bei Fragen zur Umsetzung von Aufgaben in der Software oder zum Scanverfahren wenden Sie sich gern an Timo Kamph.

Hinweis: Das Einscannen der ausgefüllten Prüfungsbögen erfolgt an einem zentralen Arbeitsplatz, der Scanstation. Die Scanstation befindet sich beim Rechenzentrum in Raum E 2.049. Der Zugang erfolgt über das USC (Raum E 2.048), bitte die Öffnungszeiten beachten.


Mündliche Prüfungsarten

Mündliche Prüfung

In mündlichen Prüfungen können Studierende Denkprozesse offen legen und Transferfähigkeiten unter Beweis stellen – hier lässt sich für einen Prüfer/eine Prüferin i. d. R. schnell erkennen, ob die Veranstaltungsinhalte wirklich verstanden wurden. Allerdings ist diese Prüfungsart weniger objektiv. Deshalb sollte eine mündliche Prüfung systematisch geplant werden und ein Ablaufschema sowie ein Bewertungsraster zu Grunde liegen.
Eine mündliche Prüfung beinhaltet in der Regel eine Befragung bzw. Aufgabenstellung durch den Prüfer/die Prüferin; zum Einstieg in die Prüfung kann aber auch eine Präsentation oder Demonstration des Studierenden dienen. Eine mündliche Prüfung wird einzeln oder in Gruppen abgenommen.

Tipps und Hinweise:

  • Mündliche Gruppenprüfung in problemorientierten Lernformaten (Billerbeck, K. & Hammer, M. (2017) In: Gerick et al.: Kompetent Prüfungen gestalten. 50 Prüfungsmethoden für die Hochschullehre. Stuttgart/Münster: UTB-Verlag/WAXMANN.)
  • Grundlegender Überblick über Facetten des mündlichen Prüfens (Roloff, S. [2012] Mündliche Prüfung)
  • Sommer, A. (2017) Mündliche Einzelprüfung. In: Gerick et al.: Kompetent Prüfungen gestalten. 50 Prüfungsmethoden für die Hochschullehre. Stuttgart/Münster: UTB-Verlag/WAXMANN.
  • Anforderungen und Umsetzungsvorschläge des mündlichen Prüfens (Stary, J. (2001): „Doch nicht durch Worte allein …“: Die mündliche Prüfung. In: Neues Handbuch Hochschullehre (Bd. H2.1, S. 1-30). Berlin: RAABE.)

Präsentation

An der TUHH gibt es verschiedene Formen studentischer Präsentationen, die als Studienleistung oder Prüfungsleistung eingesetzt werden. Zu lernen, sich einen komplexen Sachverhalt zu erarbeiten, ihn anschaulich mit passendem Medieneinsatz darzustellen und mit angemessener Fachsprache pointiert mündlich zu präsentieren ist für viele eine große Herausforderung. Umso wichtiger ist es, dass auch diese fachlichen und kommunikativen Kompetenzen durch entsprechende Prüfungsformate gefördert werden.

Neben dem klassischen Einzel- oder Gruppenvortrag bietet sich gerade bei größeren Studierendengruppen eine Posterpräsentation als Studien- oder Prüfungsleistung an. Studierende gehen dabei in kleineren Gruppen von Poster zu Poster – je nach Lehrkonzept zu allen oder einer Auswahl von Postern und diskutieren die dort dargestellten Ergebnisse. Das Format fördert aufgrund der Nähe zwischen Vortragendem und Publikum sowie den kleineren Gruppen einen angeregten fachlichen Austausch. In die Bewertung einbezogen werden können das Poster selbst, die Präsentation, die Reaktionen auf Nachfragen und ggf. auch die Einbeziehung des Publikums durch die Vortragenden.


Studienbegleitendes und kombiniertes Prüfen

Anstatt (nur) eine große Prüfung zum Ende des Semesters zu stellen, kann es sinnvoll sein, veranstaltungsbegleitende Prüfungselemente zu integrieren. Zwei Varianten sind dafür denkbar:
1) Studienbegleitendes prüfen: Eine Erhebung des Lernstandes während des Semesters mit Aufgabenarten, die denen in der abschließenden Prüfung ähnlich sind. Die Studierenden können sich dadurch besser einschätzen und sich gezielter auf die Prüfung vorbereiten. An der TUHH verbreitet ist hierfür etwa der Midterm vor einer Klausur oder auch regelmäßige Aufgaben, die in der Selbstlernzeit von Studierenden alleine oder in Gruppen bearbeitet und in der Präsenzzeit besprochen werden. Aber auch eine mündliche Befragung als Übung vor einer mündlichen Prüfung oder ein Feedback zu einer schriftlichen Ausarbeitung sind sinnvoll bei den entsprechenden Prüfungsarten. Solche formativen Prüfungselemente können als „Studienleistungen“ definiert und mit einem Bonus im Umfang von bis zu 20% auf die abschließende Note versehen werden (vgl. § 17 in der ASPO).

2) Kombination von Prüfungselementen: In vielen Veranstaltungen sollen die Studierenden sich ein breiteres Grundlagenwissen aneignen, aber auch bestimmte Lerninhalte exemplarisch vertiefen, um Gesamtzusammenhänge zu verstehen oder auch einen Transfer von theoretischen Inhalten auf realitätsnahe Fälle zu leisten. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, passend zur Veranstaltungsstruktur über das Semester verteilt verschiedene Prüfungsleistungen einzufordern. Dies ist an der TUHH mit der Prüfungsart “fachtheoretisch-fachpraktische Arbeit” (FFA) in der Prüfungsordnung abbildbar. Hiermit können Lehrende verschiedene Prüfungselemente und ihre Gewichtung in der Gesamtnote frei bestimmen. Beispielsweise kann es sinnvoll sein, ein breites Überblickswissen mit einem kleinen Test abzuprüfen und die selbstständige Themenvertiefung der Studierenden – etwa in einer Projekt-oder einer kleinen Forschungsarbeit – durch Präsentationen oder einen schriftlichen Bericht zu prüfen. Auch Protokolle von Laborversuchen z. B. ließen sich als Prüfungselement integrieren. Entscheidend ist, dass es auch hier einen stimmigen Gesamtzusammenhang zwischen Prüfungskonzept, Lernzielen und Veranstaltungsgeschehen gibt.


Links und Literatur

    • Sammlung von Prüfungsmethoden und Tipps für ihre Anwendung: J. Gerick, A. Sommer und G. Zimmermann (Hg.) (2018): Kompetent Prüfungen gestalten. 53 Prüfungsformate für die Hochschullehre. Münster: Waxmann (UTB, 4840). (Mit Beiträgen von Katrin Billerbeck, Marisa Hammer, Nadine Stahlberg, Dorothea Ellinger, Christian Kautz uvm.)
    • Kurze Einführung ins kompetenzorientieret Prüfen und Beispiele: Walzik, S. (2015): Kompetenzorientiert prüfen. Leistungsbewertung an der Hochschule in Theorie und Praxis. UTB. In unserer Bibliothek erhältlich.
    • Überblicksartikel und Darstellung von Prüfungskonzepten aus der Reihe Blickunkt Hochschuldidaktik: Dany, S., Szcyrba, B., Wildt, J. (Hg.) (2008): Prüfungen auf die Agenda! Hochschuldidaktische Persektiven auf Reformen im Prüfungswesen. Bielefeld, Bertelsmann.
    • Kurzer Überblick über verschiedene Prüfungsmethoden ohne Anwendungsbeispiele „Leistungsnachweise in modularisierten Studiengängen“ (Universität Zürich)
    • Hochschuldidaktische Methoden für Veranstaltungen und Prüfungen – kurzer Überblick (Kopf, Martina / Leipold, Jana / Seidl, Tobias [2010]: Kompetenzen in Lehrveranstaltungen und Prüfungen. Handreichung für Lehrende
    • Übersichtliche Seite zu Prüfungen an der Technischen Universität München (TUM)
    • Allgemeines zu kompetenzorientiertem Prüfen von der Hochschulrektorenkonferenz