Medienerstellung durch Studierende

Veröffentlicht von Lennart Osterhus am

Medienerstellung durch Studierende

Einführung

Um eine aktive Haltung zum Teilen und Tauschen in Lehre und Forschung zu befördern, gilt es, Studierende frühzeitig an gemeinsames Arbeiten heranzuführen. Dies geschieht, indem Lernende und Lehrende mit webbasierten Werkzeugen Texte und Medien gemeinsam erarbeiten, die anschließend im Internet als freie Bildungsmedien zur Verfügung gestellt werden.

Dabei steht nicht allein der Erwerb von fachlichen Qualifikationen im Vordergrund, sondern auch das Erlernen der Zusammenarbeit in einer Wissenschaftsgemeinschaft sowie eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Potenzialen der Digitalisierung in Forschung und Lehre.

Einsatzszenario

Die Erstellung von Medien durch Studierende kann in ganz unterschiedlichen Kontexten stattfinden: Denkbar ist es beispielsweise, dass Versuche bzw. Experimente filmisch dokumentiert und die Inhalte später per Peer Instruction dem Plenum vermittelt werden. Ebenso können Medienprodukte auch als innovatives Prüfungsformat eingeführt werden. 


Bildschirmfoto des Desktop Essays des Studenten Marc Sommer
In der Veranstaltung “Expanding Design” im Masterprogramm Architektur der HCU ist das Videoformat ein allgegenwärtiges Medium. Der Fokus der Veranstaltung liegt auf dem Erlernen künstlerischer Praktiken und medienübergreifender Arbeitsweisen. Hierzu interpretieren die Studierenden ein Interior-Objekt ihrer Wahl und erstellen zur Verarbeitung ihrer Recherche ein Video (ein sog. Desktop Essay). Bei diesem Format setzen Studierende ihre eigene Reflexion des Objekts in Bezug zu ausgewählten Texten aus der Architektur, Kunst, Theorie und Popkultur, die ihnen in einem Reader zur Verfügung gestellt werden.
„Das Ziel ist, den Studierenden alternative Modelle der Wissensvermittlung und -produktion aufzuzeigen. Unsere Erwartung ist dabei, dass Studierende ihr vorhandenes Wissen neu interpretieren und sich nicht scheuen, die eigenen Grenzen aufzubrechen. Es ist ein sehr neues Format für die Teilnehmenden, aber die bisherigen Produktionen sind vielversprechend und vereinbaren Kreativität, Witz und detailliertes Fachwissen.“
Daniel Springer
Wissenschaftlicher Mitarbeiter - Architektur (HCU)

Ein weiteres Beispiel für ein Medienerstellungsprojekt ist das am Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz (TUHH) entstandende Projekt RUVIVAL. Die Internetpräsenz von RUVIVAL zeigt eine Vielfalt von Open Educational Resources (Interactive Lectures, Quiz etc.), die u.a. im Rahmen von studentischen Projektarbeiten entstanden sind.

„In unserem Online-Projekt RUVIVAL bieten wir ein Planspiel und eine Vernetzungsplattform an. Fachlich geht es darum, Materialien zu erstellen, mit denen ländlicher Raum neu gestaltet werden kann. Das heißt, dass die Materialien praktische Lösungshilfen an die Hand geben sollen, um beispielsweise einen Check Dam (Geröllsperre) selbst bauen zu können oder passende Pflanzen für ein Agroforestry System auszuwählen. Diese Materialien zu erarbeiten ist Teil der Lehre, da Studierende in Form von Abschluss- und Projektarbeiten gemeinsam mit uns und ihren Betreuern veröffentlichungsreife Inhalte erstellen. Diese Art der Zusammenarbeit hat zur interdisziplinären, jahrgangs- aber auch länderübergreifenden Vernetzung beigetragen. Als Austausch- und Kommunikationsplattform nutzen wir HumHub, welches ähnlich wie ein soziales Netzwerk funktioniert. Die interaktiven Materialien werden in WordPress erstellt.“
Ruth Schaldach, Tina Carmesin
TUHH

Am Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik der TU Berlin wird für Studierende der Medieninformatik im zweiten Semester beispielsweise das nachfolgend beschriebene Medienprojekt angeboten: Das Projekt beinhaltet die  Erstellung eines digitalen Mediums von der Konzeption, Gestaltung, Aufnahme und Post-Produktion bis zur Evaluation. Die jeweilige Projektaufgabe wird jedes Semester neu definiert und in einem Team mit interdisziplinären Kompetenzen gelöst.

Das Team organisiert sich selbstständig; außerdem werden die Teams von Dozenten betreut. Abschließend erfolgt eine Präsentation des Projektergebnisses und eine schriftliche Ausarbeitung.” (vgl.: Projektdarstellung des Instituts für Softwaretechnik und Theoretische Informatik)

Tipps zur Umsetzung

Ziele von Medienerstellungsprojekten

Die gemeinsame Erstellung von digitalen Skripten und Dokumentationen (z.B. in Form von Interactive Lectures, Blogs oder GitBooks) bietet Lehrenden und Lernenden die Möglichkeit, den Lernprozess und die Medienkompetenzentwicklung miteinander zu verknüpfen.

Die Studierenden können im Rahmen gemeinsamer Medienerstellung ihr Wissen vertiefen und präzisieren. Zudem lernen sie, Fachinhalte für eine Zielgruppe angemessen zu präsentieren und bereiten sich so auf die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt vor.

Tools an der TUHH

An der TUHH werden Lehrende und Lernende bei der gemeinsamen Medienerstellung in technischer Hinsicht durch das Rechenzentrum unterstützt. Es existieren eine öffentliche GitLab-Umgebung, Foren (z.B. in Stud.IP/Ilias), soziale Netzwerke wie HumHub, Wikis in Stud.IP/Ilias, Etherpads (siehe https://pads.rz.tuhh.de/) sowie die Möglichkeit, individuelle WordPress-Seiten einzurichten. 

Tools an der HCU

An der HCU können Lehrende und Studierende für die Zusammenarbeit zum Beispiel Foren und Wikis in moodle nutzen. Für das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten in Echtzeit in MarkDown bietet sich CodiMD an. Für die Ablage und Verteilung von Videos steht die HCU-Cloud zur Verfügung.

Literatur

Niemczik, C. & Eilks, I.: Lernen und Zusammenarbeiten durch kollaborative Videoerstellung. (Präsentation)

Good Practice: Studierende erstellen Kurzfilme. Videointeraktion über Multi-Angle Classroom-Videos (Hochschule für Musik und Theater Leipzig)