Lernmanagement-Systeme

Veröffentlicht von Lennart Osterhus am

Lernplattformen

Einführung

Eine Lernplattform oder ein Lernmanagementsystem (LMS) ist eine serverseitig installierte Software, die beliebige Lerninhalte über das Internet vermittelt und die Organisation der dabei notwendigen Lernprozesse unterstützt (vgl. Baumgartner et al., 2002).

Die Verwendung einer solchen Plattform fördert insbesondere das selbstgesteuerte Lernen, welches als wichtiges Ziel in der Hochschullehre gilt (vgl. Häcker, 2011).

Häufig werden die didaktischen Möglichkeiten von Lernplattformen leider nicht ausgeschöpft und sie werden lediglich zur Kursverwaltung und Dateiablage genutzt.

Einsatzszenario

Eine Lernplattform erlaubt den Studierenden mehr, als nur Zeit und Ort des Lernens selbst zu bestimmen. So können sie dort Inhalte nicht nur rezipieren, sondern auch eigenständig und aktiv selbst erschaffen.

Damit kann die Plattform dazu beitragen, die Eigenmotivation zum Lernen zu stärken und das Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit zu befriedigen (vgl. Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan, 1993).

Die Universität Freiburg hat folgende Einsatzszenarien für die Verwendung von Lernplattformen zusammengestellt:

1. Präsenzlehre
Anreicherung der Präsenzlehre durch multimediale Lernmodule. Die Veranstaltung ist orts- und zeitabhängig. Plattform als Ergänzung möglich, aber nicht zwingend notwendig.
2. Mediengestütztes Selbstlernen
Lernmodule zum selbstgesteuerten Lernen sind über das Netz abrufbar. Es findet keine Betreuung statt. Das Lernen ist zeit- und ortsunabhängig. Plattform sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig.
3. Distanzkurse

Alle Phasen des Lehrens und Lernens sind netzgestützt. Betreuung und Übungen werden über das Netz abgewickelt. Der Kurs ist orts- und zeitunabhängig. Plattform zwingend notwendig.

"Für unsere Veranstaltungen Internes und Externes Rechnungswesen haben wir umfangreiche Online-Lernmodule aufgebaut. Entlang eines Unternehmensbeispiels bereiten sich die Studierenden mit einführenden Texten, Videos und Selbsttests auf die Präsenz-Übungen vor. Die Module sind bei unseren Studierenden sehr beliebt, weil sie dort durch die Berechnungen und Fragen selbst aktiv werden müssen. Wir als Lehrende bemerken, dass die Studierenden die Module intensiv nutzen und dank dieser regelmäßigen Vorbereitung deutlich engagierter in den Übungen mitarbeiten. Das macht sich auch in den Klausuren positiv bemerkbar."
Prof. Dr. Matthias Meyer
TUHH

Tipps zur Umsetzung

Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten nutzen

Um entsprechende Anreize und Möglichkeiten für die Aktivierung von Lernenden anzubieten, können Lehrende die vielfältigen Werkzeuge der Lernplattform für Einzel- oder Gruppenarbeiten nutzen (z.B. Wiki, Forum oder Blog).

Weitere Möglichkeiten sind die Erstellung interaktiver Lernmodule oder Wissensstands-Tests, die mehr als Multiple-Choice-Fragen beinhalten.

An der TUHH sind im Studiengang Bau- und Umweltingenieurwesen beispielsweise Ilias-Tests konzipiert worden, die sowohl in den Präsenzphasen als auch im Selbststudium genutzt wurden. Weitere Hinweise zu diesem Projekt finden Sie hier.

Einsatz des LMS sorgfältig planen

Wichtig zu beachten: Ein LMS ist kein Selbstläufer! Um soziale Prozesse anzustoßen und Studierende zu aktivieren und zu motivieren, bedarf es einer sorgfältigen Vorbereitung und Planung. Welche Ziele verfolge ich mit dem LMS? Wer ist meine Zielgruppe? Welche Prozesse möchte ich anstoßen? Fragen wie diese sind zu beantworten, um zum Gelingen und zur Akzeptanz des LMS beizutragen.

Damit die Lernplattform zu einem lebendigen Lernort wird, lohnt es sich, als Lehrender in Lehrveranstaltungen öfter auf sie zu verweisen bzw. selbst dort aktiv zu sein.

Eine gute Möglichkeit dafür ist es, im Forum gestellte Fragen zu beantworten und durch eigene Beiträge in Forumsdiskussionen zum Weiterdenken anzuregen.

Das LMS nicht zur Datenschleuder werden lassen

Häufig wird angeführt, dass LMS aufgrund der Tatsache, dass Lehrende sie gestalten, eine zu geringe Flexibilität und zu wenige Freiräume bieten und so lediglich die klassische Wissensvermittlung unterstützen. Um beim Einsatz eines LMS dem sozialen Lernen und der gemeinsamen Wissenskonstruktion Beachtung zu schenken, ist es wichtig, das LMS nicht zur reinen „Datenschleuder“ verkommen zu lassen, sondern Lehrende und Lernende kleinschrittig an die Nutzung des LMS heranzuführen.

Lernplattform in Flipped-Classroom-Szenario einbinden

Online-Lernmodule und Vorlesungsaufzeichnungen, die auf Lernplattformen bereitgestellt werden, lassen sich gut in Flipped-Classroom-Szenarien einbinden.

Tools an der TUHH

An der TUHH stehen Stud.IP und Ilias zur Verfügung. Ausführliche Ideen und Tipps zur Nutzung von ILIAS finden Sie hier

Tools an der HCU

An der HCU steht die Lernplattform moodle zur Verfügung. Ausführliche Ideen und Tipps zur Nutzung von moodle finden Sie hier

Literatur

Baumgartner, P., Häfele, H. & Maier-Häfele, K. (2002). e-Learning Praxishandbuch – Auswahl von Lernplattformen: Marktübersicht –Funktionen –Fachbegriffe. Innsbruck-Wien.

Bett, Katja & Wedekind, Joachim (Hrsg.) (2003): Lernplattformen in der Praxis. Medien der Wissenschaft, Band 20.

Deci, Edward L. & Ryan, Richard M. (1993): Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. In: Zeitschrift für Pädagogik 39, S. 223-238.

Digital Learning Map (2019): Praxisbeispiel “Ilias-Lerneinheiten für kontinuierliches Lernen im Bau- und Umweltingenieurwesen”. URL: https://www.e-teaching.org/community/digital-learning-map/ilias-lerneinheiten-fuer-kontinuierliches-lernen-im-bau-und-umweltingenieurwesen (letzter Zugriff: 27.08.2019)

Häcker, Thomas (2011): Portfolio: ein Entwicklungsinstrument für selbstbestimmtes Lernen. Eine explorative Studie zur Arbeit mit Portfolios in der Sekundarstufe I. 3. Aufl. Baltmannsweiler.