E-Klausuren

Veröffentlicht von Lennart Osterhus am

E-Klausuren

Einführung

Bei einer E-Klausur handelt es sich um eine digitale Prüfung, bei der sowohl Vorbereitung, Durchführung als auch Korrektur in derselben Software-Anwendung (E-Prüfungssoftware wie z.B. moodle, Möbius, YAPS) erfolgen.

E-Klausuren finden in der Regel in Präsenz statt. Dafür haben verschiedene deutsche Universitäten eigene Testcenter eingerichtet.

Eher selten wird die E-Klausur als Fernprüfung durchgeführt. Hierfür sind jedoch die prüfungs-/datenschutzrechtlichen und technischen Voraussetzungen der jeweiligen Hochschule und des Bundeslandes zu berücksichtigen.

Einsatzszenario

E-Klausuren können auf verschiedene Arten gestaltet werden. Eine Variante ist, dass Prüfungen im Antwort-Wahl-Verfahren (z.B. Multiple Choice) konzipiert sind, um weitestgehend automatisch ausgewertet zu werden. Das Antwort-Wahl-Verfahren kann mit offenen Fragen kombiniert werden. Auch bei offenen Fragetypen profitieren Lehrende hinsichtlich des Zeitaufwands bei der Korrektur aufgrund der verbesserten Lesbarkeit.

Durch das Hamburger MINTFIT-Projekt zur Verfügung gestelltes mobiles Testcenter für elektronische Prüfungen (TUHH, 2019)
Eine andere Variante ist, die Prüfung am Computer durchzuführen, um eine authentische Aufgabenstellung gewährleisten zu können. Hier können Studierende eine bestimmte Software anwenden, die zum Erreichen der Lernziele notwendig ist, z.B. Simulationen zur Einschätzung und Analyse von Sachverhalten, CAD-Programme zum Auslegen von Bauteilen oder Programmiersoftware. Die Auswertung der Prüfung erfolgt nicht unbedingt automatisch.
„Das Modul Software Engineering hat den Schwerpunkt "Test Driven Development". Hier entwickeln die Programmierer zuerst die Tests für Software-Programme, bevor die eigentliche Anwendung entwickelt wird. Die Studierenden arbeiten in Teams in einer Entwicklungsumgebung an Projektaufgaben. Sie laden ihr geschriebenes Programm in Stud.IP hoch und bekommen ein automatisiertes und erläuterndes Feedback, welches ihnen bei der Weiterentwicklung hilft. Eine E-Klausur, bei der die Studierenden Aufgaben direkt in der Entwicklungsumgebung bearbeiten können, wäre die konsequente Variante einer kompetenzorientierten Prüfung in unserem Modul.“
Prof. Dr. Sibylle Schupp
TUHH
"In der Mathematik in Geodäsie wird seit "Geburt" der HCU systematisch auf E-Assessment mit der Plattform "möbius courseware" gesetzt. In dieser weltweit führenden Umgebung für mathematisches E-Assessment ist es möglich, auch komplexe Fragestellungen abzubilden und automatisch auswerten zu lassen. Das geht über bloßes Abfragen numerischer Ergebnisse weit hinaus. Formeleingaben und interaktive Plots sind ebenfalls möglich und die Nutzung ist nicht auf die Mathematik beschränkt. Wir setzen die Software sowohl für begleitendes (formatives) Assessment, also wöchentliche Übungen, als auch für die eigentlichen (summativen) Klausuren ein. Durch randomisierte Elemente können alle Testteilnehmenden verschiedene, aber gleich schwere Aufgaben erhalten und von einer unverzüglichen Auswertung profitieren.

Wir kombinieren dies mit schriftlich auszuführenden "komplexen Aufgaben", in denen die Studierenden zeigen können, dass sie die mathematische Notation anwenden und mathematische Gedankengänge darstellen können. Die Korrekturzeiten sinken in diesem hybriden Verfahren ganz wesentlich. Mit Hilfe der automatisch generierten, statistischen Übersichten der Software kann man sich über das Niveau des Verständnisses informieren und in den begleitenden Übungen dann ggf. gegensteuern."
Prof. Dr. Thomas Schramm
HafenCity Universität

Tipps zur Umsetzung

Aufgaben entwickeln

Kritiker von E-Klausuren argumentieren, dass die erleichterte Auswertung den Einsatz von Antwort-Wahl-Aufgaben (sogenannten Single- und Multiple-Choice-Aufgaben) fördert und das Lernzielniveau so nicht über die Abfrage und Überprüfung von Faktenwissen hinausgeht. Jedoch können auch hierbei tieferes Verständnis oder Transferfähigkeiten geprüft werden, z. B. durch eine Auswahl von Begründungen für einen Sachverhalt (vgl. Billerbeck et al. 2014, S. 42) oder durch Bezugnahme auf einen Fall. Die Konstruktion solcher Aufgaben und die Formulierung geeigneter Distraktoren (unrichtiger Antwortalternativen) sind jedoch nicht trivial. Planen Sie daher genügend Zeit für die Entwicklung von Aufgaben ein. Weitere Infos zur Konstruktion digitaler Aufgben finden Sie hier.

Fachspezifische Software nutzen

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil von E-Klausuren gegenüber Papierklausuren ist die Nutzung von Softwareanwendungen (z.B. Entwicklungsumgebungen für Programmieraufgaben) (vgl. Vogt & Schneider 2009, S. 11). Auf diese Weise können Aufgaben entwickelt werden, die qualitativ hochwertig, praxisnah und spannend sind. Insbesondere die Verwendung fachspezifischer Software ermöglicht ein hohes Maß an Interaktivität (vgl. Gallaun, Kruse & Seifert, 2019).

Passendes Scoring-Verfahren wählen

Bei der Bewertung von Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren lässt sich zwischen verschiedenen Scoring-Verfahren unterscheiden. Welches Verfahren für welches Aufgabenformat (SC bzw. MC) sinnvoll ist, ist detailliert beschrieben in: „Auswertung von Klausuren im Antwort-Wahl-Verfahren” (Lukas, Melzer, Much).

Tools an der TUHH

Die TUHH setzt derzeit die Software EvaExam ein, welches Prüfungen automatisch auswertet. Außerdem gibt es bereits Pilotprojekte, die fachspezifische Software in den Prüfungen einsetzen und die Erfahrungen dokumentiert haben (vgl. Kruse & Seifert, 2018Kastner, 2019).

Darüber hinaus steht ein mobiles Testcenter für (alle Hamburger Hochschulen und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) zur Verfügung. Über dieses Testcenter können 100 Laptops und 200 Tablets an verschiedenen Standorten bereitgestellt werden können. Außerdem wird die Netzwerkinfrastruktur, eine gesicherte Prüfungsumgebung und Verfahrensweisen bereitgestellt (vgl. Gallaun, Kruse & Seifert, 2019). Wenden Sie sich für Unterstützung gerne an das Team der Arbeitsstelle MINTFIT Hamburg (AMH) der TUHH.

Tools an der HCU

Die HCU setzt für Prüfungen im Antwort-Wahl-Verfahren die Software EvaExam (als Scanner-Klausur) ein, welche Prüfungen automatisch auswertet. Parallel dazu wird in Pilotprojekten die digitale Klausur von EvaExam sowie die Tablet-Variante von tExam getestet.

Darüber hinaus steht ein mobiles Testcenter für (alle Hamburger Hochschulen und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) zur Verfügung. Über dieses Testcenter können100 Laptops und 200 Tablets an verschiedenen Standorten bereitgestellt werden können. Außerdem wird die Netzwerkinfrastruktur, eine gesicherte Prüfungsumgebung und Verfahrensweisen bereitgestellt (vgl. Gallaun, Kruse & Seifert, 2019). Wenden Sie sich für Unterstützung gerne an das Team der Arbeitsstelle MINTFIT Hamburg (AMH) der TUHH.

Des Weiteren setzt die HCU in der Prüfung disziplinspezifische Software ein, mit der die Studierenden authentische Aufgabenstellungen bearbeiten (z.B. CAD-Programme, Statistikprogramme, Programmierumgebungen, Jupyter Notebook). Eine weitere Prüfungssoftware, mit welcher Studierende komplexe Aufgaben rechnen können, stellt möbius courseware (ehemals Maple T.A.) dar (HCU-möbius).

e-Prüfungen: Chancen, Probleme, Lösungen (Prof. Dr. Michael Kipp)

e-Assessment: Das Testcenter der Uni Bremen

Literatur

Billerbeck, Katrin; Tscheulin, Alexander, Salden, Peter (Hg.) (2014): Auf dem Prüfstand. Lernen bewerten in technischen Fächern. Hamburg.

e-teaching.org: Beitrag “E-Klausur”

Gallaun, Dennis; Kruse, Karsten & Seifert, Christian (2019). Mobiles Testcenter für E-Prüfungen. Poster für das E-Prüfungs-Symposium (EPS). Universität Siegen, 26.-27.09.2019. DOI: 10.15480/882.2441

Gallaun, Dennis; Kruse, Karsten & Seifert, Christian (2019). Aufgabenkonzepte für eine bessere Qualität von E-Prüfungen. Poster für das E-Prüfungs-Symposium (EPS). Universität Siegen, 26.-27.09.2019. DOI: 10.15480/882.2442

Kastner, Marvin (2019): Prüfungen mit JupyterHub. https://insights.tuhh.de/de/blog/tools/2019/07/12/pruefungen-mit-jupyter-hub/

Kruse, Karsten; Seifert, Christian (2018). Leitfaden für computergestützte Prüfungen an der TUHH. https://www.mat.tuhh.de/forschung/rep/rep210.pdf

Leibniz Universität Hannover. Praktische Handreichung Erstellen und Bewerten von Multiple-Choice-Aufgaben.

Lukas, J., Melzer, A. & Much, S.. Auswertung von Klausuren im Antwort-Wahl-Format.

Schramm. Thomas (2012). Mathematical eAssessment at its Best: News from Maple T.A. R8, Proc. 16. SEFI MWG Seminar Mathematical Education of Engineers, Salamanca,  http://sefi.htwaalen.de/Seminars/Salamanca2012/16thSEFIMWGSeminar/ficheros/lecturas/Documents_pdf/SoftwareDemonstrations/SEFIMWG12_Schramm.pdf

Schramm, Thomas (2010). MAP@HCU: “Mathematical Assessment and Practice” an der HafenCity Universität Hamburg. https://www.e-teaching.org/etresources/pdf/erfahrungsbericht_2010_schramm-buhrke_map.pdf

Seifert, Christian; Podleschny, Nicole & Billerbeck, Katrin (2018). Einsatz von Simulationssoftware für authentischere Prüfungen – ein Beispiel. Vortrag auf dem E-Prüfungssymposium (EPS). RWTH Aachen, 29.-30.11.2018. Video online abrufbar

Vogt, Michael; Schneider, Stefan (2009): E-Klausuren an Hochschulen. Koordinationsstelle Multimedia, JLU Gießen.

Vogt, Michael & Schneider, Michael (2009). E-Klausuren an Hochschulen. Kommunikationsstelle Multimedia, JLU Gießen. http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/6890/pdf/VogtMichael-2009-02-20.pdf

Arbeitsstelle MINTFIT Hamburg (zentrale E-Assessment-Servicestelle für die Hamburger Hochschulen und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf). Infos rund um das mobile Testcenter, Beratung & Workshops.

Weiterführende Infos zur Erstellung von Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren finden Sie in unserem Beitrag “Digitale Aufgaben konstruieren” in den Internetquellen.