Forschungsbezogene Lehre und Forschendes Lernen

[wpcol_3quarter id=”” class=”” style=””] Verbindung von Forschung und Lehre an der TUHH

Die Praxis fordert es, für die eigene Karriere ist es nützlich und bildungs- sowie lerntheoretisch macht es Sinn: forschend zu lernen und auch forschen zu lernen. Schließlich sollen Studierende und Absolventinnen und Absolventen dazu beitragen, dringende gesellschaftliche Fragen aus der Perspektive der Ingenieurswissenschaften zu lösen. Dazu nehmen sie an aktueller Forschung und Entwicklung bewusst, aktiv und möglichst frühzeitig in seinem gesamten Prozess teil. So erlangen sie forschungs- und berufsrelevante Fach- sowie personale Kompetenzen. An der TUHH werden Studierende in vielfältiger Weise aktiv in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben eingebunden und Forschungsbezüge in das Studium integriert.

Gerne beraten und unterstützen wir als Fachreferentinnen Sie mit Ihren Ideen, Forschungsbezug nachhaltig in die Lehre zu integrieren.

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Ihre Ansprechpartnerinnen

Dr. Ulrike Bulmann
Tel: 040 42878-4624
E-Mail senden

Dr. Dorothea Ellinger
Tel: 040 42878-4819
E-Mail senden

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Was ist eigentlich…

…forschungsbezogene Lehre?

Die Verbindung von Forschung, Lehre und Lernen beginnt im Kleinen. Zum Beispiel dort, wo:

  • Fachinhalte, egal ob Grundlagen oder Spezialfakten aus Vertiefungsveranstaltungen, in einen aktuellen oder authentischen Kontext gesetzt werden. Das kann z.B. in einer Vorlesung über ein Kurzreferat durch die Studierenden geschehen, genauso wie durch die Lehrperson. Im Seminar kann es über Mindmaps oder Conceptmaps umgesetzt werden, welche die Studierenden selbstständig oder in Kleingruppen über das Semester entstehen lassen; oder wo
  • ingenieurstechnische Methoden, Materialien und Verfahren passend und planvoll in Laboren und Praktika eingesetzt werden; oder wo
  • das Für und Wider von (nicht-)technischen Lösungen in Vorlesungen und Seminaren argumentiert und Alternativkonzepte präsentiert werden. In Hörsaal und Seminar kann das u.a. durch Think-Pair-Share oder Buzz-Groups umgesetzt werden.

Forschen zu lernen beginnt im Kleinen damit, Inhalte in einen aktuellen Kontext zu setzen, ingenieurstechnische Methoden, Materialien und Verfahren passend und planvoll einzusetzen, das Für und Wider von (nicht-)technischen Lösungen zu argumentieren und Alternativkonzepte vorzuschlagen. Schließlich sollen Studierende aber auch einen gesamten Forschungsprozess erleben: von der Fragenformulierung bis zur Kommunikation von interessanten Erkenntnissen für Dritte (Forschendes Lernen nach Huber 2009) (Video).

An der TUHH vertreten wir ein breites Verständnis von forschungsbezogener Lehre (vgl. Rueß et al. 2016, siehe auch Video), um den Bedingungen der Ingenieurswissenschaften Rechnung zu tragen. Dazu zählt  eine starke Prägung der Studieneingangsphase von den Grundlagen, bspw. in Mathematik und Mechanik. In forschungsbezogener Lehre werden Ergebnisse, Methoden und Prozesse von Forschung und Entwicklung nicht nur rezipiert, sondern ebenso geübt, so dass Studierende dann in geeigneten Modulen selber forschen können.

Die Vielfalt Forschungsbezogene Lehre (angepasst nach Ruess et al., 2016)

…forschendes Lernen?

Umsetzungsmethoden und Gestaltungsformen Forschendes Lernen am Forschungszyklus. Ein Arbeitsergebnis von der vierten Lehrgangsgruppe im Qualifizierungsprogramm „Forschendes lernen“ an der TUHH.

Forschendes Lernen als didaktisches Format wird dort umgesetzt, wo Studierende einen gesamten Forschungsprozess erleben: von der Fragenformulierung bis zur Kommunikation von interessanten Erkenntnissen für Dritte (vgl. Definition Forschendes Lernen nach Huber 2009 und im Video).

Die Umsetzung kann sowohl in einer einzelnen Lehrveranstaltung aber auch modul- und semesterübergreifend geschehen. Dabei können viele verschiedene methodische und technische Umsetzungsformen von Lehre und Studium zum Einsatz kommen.

Die Verbindung von Lehre und Lernen mit Forschung und Entwicklung ist stark vom individuellen Verständnis von Forschung durch die Disziplin geprägt, an der TUHH durch die Ingenieurswissenschaften. Ebenso relevant ist die Frage, ob alle oder wenige Studierende forschen lernen wollen oder sollen, wie es in diesem Video deutlich wird. Kurz: das eine, für alle und jede Lehrveranstaltung passende Umsetzung nicht gibt. Aber es gibt viele Methoden und Formate, die in entlang eines Forschungs- oder auch Entwicklungszyklus ihren Einsatz finden uns zu Forschendem lernen verbunden werden können.


Ziele, Herausforderungen und Evaluation

Forschungsbezogene Lehre und Forschendes Lernen kann eingesetzt werden, um Fachkompetenzen zu fördern, eine forschende Haltung zu unterstützen (kritische Distanz, Neugier, Überzeugungen) und Forschungskompetenzen weiterzuentwickeln (z. B. Recherche-, Methoden-, Reflexions- und Kommunikationskompetenz und Selbstwirksamkeitserwartung, Forschungsinteresse sowie Ungewissheitstoleranz). So wird beim Einbezug von Forschung in die Lehre an der TUHH auf eine Stärkung ingenieurswissenschaftlichen Wissens und Fertigkeiten, der Selbständigkeit, Aktivität mit anderen Studierenden oder des Forschungsinteresses abgezielt.

Forschungsbezüge herzustellen oder auch forschen zu lernen, kann in der Praxis herausfordernd sein. So können sich auf der einen Seite inhaltliche Dichte in wenig Zeit, die Heterogenität der Studierenden sowie limitierte Ressourcen für Lehrende als schwierig herausstellen. Auf der anderen Seite stellt die selbständige Auseinandersetzung mit authentischen, komplexen, lösungsoffenen Problemen für Studierende eine hohe Anforderung dar.

Gewisse Effekte auf das studentische Lernen in der forschungsbezogenen Lehre und im Forschenden Lernen lassen sich je nach Zielstellung evaluieren oder pragmatisch beforschen. Dazu kann mit den Standardevaluationen und der eigenen Nachlese begonnen werden, eigene Fragebögen erstellt oder spezifische standardisierte Fragebögen verwendet werden. Ergänzend können kollegiale Hospitationen oder auch Interviews durchgeführt werden. Schließlich können Effekte auch systematisch nach dem Ansatz des classroom action research oder scholarship of teaching and learning analysiert werden. Obwohl undergraduate research als „high-impact educational practice“ beworben wird, ist die Wirkungsforschung in vollem Gange (Video).

Evaluation in eigener Sache:

Auf der SEFI 2018 stellten Dr. Ulrike Bulmann und Dr. Sara Bornhöft die Studie „Combining research and teaching in engineering. Creating a pedagogical qualification programme on research-based learning for early stage researchers” vor. Darin wird sich auf die Evaluation des Qualifizierungsprogramms “Forschendes Lernen an der TUHH” fokussiert.

 


Angebote

Gerne beraten wir am ZLL Lehrende mit Ihren Ideen, den Forschungsbezug in der Lehre zu stärken oder auch Forschendes Lernen in Modulen, dem Studiengang oder auch in extracurricularen studentischen Projekten an der TUHH zu verankern.


Studierende können als Tutorinnen und Tutoren und in der vom ZLL angebotenen Schulung ihre Lehrkompetenz weiter entwickeln. Besondere Unterstützung in der Weiterentwicklung ihrer Lehrkompetenz erfahren wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Qualifizierungsprogramm „Forschendes Lernen an der TUHH“ oder in einem der „hochschuldidaktischen Workshops“. Zum hochschulweiten Austausch steht mit dem Welcome Space eine online-Kollaborationsplattform zur Verfügung. Ebenso sind wir mit dem Thema forschungsbezogene Lehre und Forschendes Lernen in der Professoren-Lounge aktiv und initiieren hochschulöffentliche Veranstaltungen.

Für die Umsetzung von Lehrinnovationen können Lehrende der TUHH Fördermittel im Rahmen der Calls und die Unterstützung einer studentischen Hilfskraft beantragen.


Curriculare Verankerung an der TUHH

Forschungsbezüge werden von Lehrenden so hergestellt, dass Studierende einzelne Phasen eines Forschungsprozesses oder den gesamten Forschungsprozess als solche(n) bewusst erleben. Kompetenzen, die sowohl für die Forschung und Entwicklung als auch den Ingenieursberuf von Bedeutung sind, werden ebenfalls im Rahmen der Studiengangs(weiter)entwicklung anvisiert. Verschiedene Konzepte zur curricularen Verankerung existieren bereits.

An der TUHH beispielsweise gestalteten und analysierten Georg Heise (E-10) und Dominic Öhlert forschungsbezogene Online-Aufgaben durch authentische Aufgabenstellungen, um studentische Motivation und das Verständnis in der Übung „Graphentheorie und Optimierung“ im Bachelor zu stärken. Ludwig Scharfenberg (V-2) und Bahne Sosna entwickelten und etablierten das Praktikum „Heterogene Katalyse“ so, dass Master-Studierende einen gesamten Forschungszyklus erleben. Dabei üben sich die Studierenden im Schreiben von wissenschaftlichen Artikeln und dem Geben von Peer-Feedback.

Prof. Renner und Lars Hanschcke (SmartPort) etablierten im Modul „Wireless Sensor Networks“ Projekte des Forschenden Lernens. Studierende suchen sich hier eigene Themen in Kooperation mit Forschungspartnern, bearbeiten diese selbständig mit bedarfsgerechter Unterstützung in Projekten und demonstrieren ihre Entwicklungen und Ergebnisse auf einer Posterkonferenz.

Demnächst werden Studierende des internationalen Masterprogramms „Microelectronics and Microsystems“ unter Leitung von Prof. Trieu durch das aktuell geförderte Projekt zur Studienganganalyse und -weiterentwicklung verstärkt forschend lernen.


Extracurriculare Integration an der TUHH

Auch an der TUHH eröffnen sich Möglichkeiten wie RISE, summer schools oder einzelne Forschungspraktika, bei denen Studierende eigenen Fragen nachgehen oder auch in die Institutsforschung und dem damit verbundenen wissenschaftlichen Netzwerk integriert sind. Lehrende tauschten sich darüber bereits 2018 im Workshop „Die eigene Forschung in die Lehre bringen“ aus. Ebenso werden Studierende angeregt, ihre Arbeiten außerhalb der TUHH z. B. auf dem World Congress for Undergraduate Research 2019 zu präsentieren.

Zudem entwickeln, produzieren und präsentieren Erstsemesterstudierende im Rahmen des Interdisziplinären Bachelor-Projekts eigene Ideen wie “Siedler von Catan” oder Geocaching für Sehbehinderte.

Zusätzlich engagieren sich Studierende neben dem Studium an der TUHH auch in zahlreichen AGs wie z. B. in Power farmING oder e-gnition.


Literatur und Links

Literatur

  • Brew, A. and L. Mantai (2017). Academics’ perceptions of the challenges and barriers to implementing research-based experiences for undergraduates. Teaching in Higher Education, 1-18. DOI: 10.1080/13562517.2016.1273216
  • Brew, A. (2013). Understanding the scope of undergraduate research. A framework for curricular and pedagogical decision-making. High Educ. 66. 603-618. DOI 10.1007/s10734-013-9624-x
  • Healey, M. (2005). Linking research and teaching. Exploring disciplinary spaces and the role of inquiry-based learning. In: Barnett, R. (ed) Reshaping the University: New Relationships between Research, Scholarship and Teaching. McGraw Hill/ Open University Press, pp. 67-78.
  • Healey, M. (2018). Linking Research and Teaching trough engaging students in research and inquiry. Handout. Verfügbar unter: www.mick.healey.co.uk/resources
  • Huber, L., Hellmer, J. und Schneider, F. (Hrsg.) (2009). Forschendes Lernen im Studium: Aktuelle Konzepte und Erfahrungen. Bielefeld. Universitätsverlag Webler, S. 9-35.
  • Lehmann, J. und H.A. Mieg (Hrsg.) (2018). Forschendes Lernen. Ein Praxisbuch. Verlag der Fachhochschule Potsdam.
  • Mieg, H. A. und J. Lehmann (Hrsg.) (2017). Forschendes Lernen: Wie die Lehre in Universität und Fachhochschule erneuert werden kann. Frankfurt/New York: Campus.
  • Huber, L., Kröger, M., und H. Schelhowe (Hrsg.) (2013). Forschendes Lernen als Profilmerkmal einer Universität. Beispiele aus der Universität Bremen. Universitätsverlag Webler.
  • Reinmann, G. (2014). Prüfungen und Forschendes Lernen. Verfügbar unter: gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2014/12/Artikel_Pruefungen2_ForschendesLernen_Dez14_Preprint.pdf.  (Zugriff:16.03.2016).
  • Ruess, J., Gess, C., und W. Deicke (2016). Forschendes Lernen und forschungsbezogene Lehre – empirisch gestützte Systematisierung des Forschungsbezugs in hochschulischer Lehre. ZFHE. Jg. 11/ Nr. 2, S. 23-44. Verfügbar unter: https://www.zfhe.at/index.php/zfhe/article/view/914 (Zugriff: 31.07.2018)
  • Sonntag, M., Rueß, J., Ebert, C., Friedrich, K., Schilow, L., und W. Deicke. (2018). Forschendes Lernen im Seminar. Ein Leitfaden für Lehrende. 2. überarbeitete Auflage. Verfügbar unter: www.researchgate.net/publication/323030033_Forschendes_Lernen_im_Seminar_ein_Leitfaden_fur_Lehrende_2_uberarbeitete_Auflage
  • TeachIng-LearnING (2011). Praxiseinblicke. Forschendes Lernen in den Ingenieurwissenschaften. RWTH Aachen University – Ruhr-Universität Bochum – Technische Universität Dortmund. http://www.zhb.tu-dortmund.de/eerg/praxiseinblicke_fl-ing.pdf (Zugriff: 21.03.2017)
  • Tremp, P und T. Hilbrand (2012). Forschungsorientiertes Studium – universitäre Lehre: Das «Zürcher Framework» zur Verknüpfung von Lehre und Forschung. In: Tobina Brinker & Peter Tremp (Hrsg.). Einführung in die Studiengangentwicklung. (= Blickpunkt Hochschuldidaktik 122). Bielefeld. Bertelsmann 2012, S. 101-116

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