ZLL & Trends auf der DGHD 2019

Wenn sich deutschsprachige Hochschuldidaktiker/innen zu neuen Themen austauschen wollen, bildet ein Eintrag in ihrem Kalender den Fixpunkt: Die alljährliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd). Bei dieser Großveranstaltung bleibt kaum ein Aspekt unbehandelt, der die Fachcommunity aktuell beschäftigt. Für einzelne Berater/innen oder Koordinator/innen zur Lehrentwicklung ist dies somit eine hervorragende Plattform, um eigene Fragen und Ansätze frühzeitig vor kundigem Publikum vorzustellen und kritisch diskutieren zu lassen. Zugleich können sie neue, frische Ideen, die sie durch andere bekommen, an die Heimatinstitution mitbringen.

Vom 6. bis zum 8. März fand die dghd-Jahrestagung 2019 unter dem Titel „(RE)GENERATION HOCHSCHULLEHRE” an der Universität Leipzig statt. Der Titel kann als These gelesen werden, um eine vorläufige Bilanz zur Wirkung der Didaktik in diesem Jahrzehnt anzuregen: Nie hat es so viele didaktische Berater/innen zur Hochschullehre und so viele kompetente Lehrende an den Universitäten, Fachhochschulen und sonstigen Hochschultypen gegeben. Zugleich ist die Hochschullehre quasi wiederbelebt worden, indem sie einen wesentlichen Platz auf den Agenden von Politik und Hochschulleitungen eingenommen hat. Und es hat im deutschsprachigen Hochschulraum nie zuvor eine derartige Fülle und Diversität an spannenden, zum Teil auch experimentellen Lehrprojekten gegeben, um moderne Lernziele immer besser zu erreichen.

In Leipzig ging es den rund 600 Teilnehmenden nicht nur um die aktuellen Ansätze in der Didaktik, sondern auch um die Fragen, wie sich die Hochschuldidaktik als eigene Profession entwickeln kann – also als eigenständiges Berufsbild für eine eigenständige Aufgabenstellung – und wie die Chancen dafür stehen, sie nachhaltig zu etablieren. Auch bei dieser Didaktik-Tagung stammten die meisten Beiträge nämlich von Beschäftigten, deren Stellenfinanzierung – wie an der TUHH – im nächsten Jahr enden wird.

DGHD 2019 – BEISPIELHAFTE PROJEKTE

Das  ZLL hat das Programm der dghd2019 durch eine Reihe an Beiträgen bereichert. Dabei wurden wichtige Stationen in den Blick genommen, die der wissenschaftliche Nachwuchs in seinem ‘life cycle’ durchläuft:

“Verzicht ist auch keine Lösung – Eine explorative Fragebogenstudie zur Bewertung von Herausforderungen und Bewältigungsansätzen in der tutoriellen Lehre”
(Vortrag v. Dipl.-Psych. Jenny Alice Rohde & Miriam Block)

Tutor/innen begleiten einzelne Studierende oder studentische Gruppen bei ihren Übungsaufgaben und fördern dabei den Lernprozess durch fachliche und organisatorische Hinweise. Da die Tutorinnen und Tutoren bei ihrer Tätigkeit auf ganz unterschiedliche Individuen und Lernschwierigkeiten stoßen, wurde am ZLL eine Studie durchgeführt, die aufzeigt, welche Herausforderungen sie dabei erleben. Dies kann sich darin ausdrücken, dass Studierende wiederkehrende Verständnisschwierigkeiten zu bestimmten Sachverhalten haben. Oder dadurch, dass sie z. B. besonders zurückhaltend sind und so kaum eingeschätzt werden kann, ob die Lernenden bei einem Tutorium gedanklich mitkommen. Hieraus ergeben sich für Jenny Alice Rohde und Miriam Block Fragen nach typischen Handlungsstrategien der Tutor/innen, mit denen sie auf diese Probleme des Lernens eingehen, und nach den situativen Dynamiken, die sich daraus im weiteren im Betreuungsverhältnis entwickeln. Aus den Ergebnissen lassen sich Hinweise dazu gewinnen, wie die Institute der TUHH als auch das ZLL die Tutor/innen in Zukunft noch besser unterstützen können (das Abstract kann hier auf S. 76 eingesehen werden).

“Hochschuldidaktische Tutorenqualifizierungen als Basisqualifikation des akademischen Nachwuchses und Chance für den Wandel der Lehr-/Lernkultur”
(Poster v. Dipl.-Psych. Jenny Alice Rohde & Caroline Thon-Gairola, M. A.)

Starke Evidenzen deuten darauf hin, dass Tutor/innen maßgeblich zum Erfolg der Lehre in den Ingenieurwissenschaften beitragen. An der TUHH bietet die didaktische Tutorenschulung durch das ZLL dafür eine sehr wertvolle, grundlegende Vorbereitung – doch wie weit und wie lange werden die Ergebnisse dieser Schulungen dann in die Institution TU Hamburg hineingetragen? Eine Analyse des ZLL zeigt, dass 60 % der vom ZLL geschulten Tutoren und Tutorinnen nach ihrem Abschluss eine Stelle als WiMi an unserer Universität antreten. Daraus lässt sich schließen, dass die hochschuldidaktischen Tutorenqualifizierungen zugleich als Basisqualifikation des akademischen Nachwuchses dienen, um die dann übertragenen Lehraufgaben erfolgreich durchführen zu können. Daneben trägt die Entwicklung von der/dem Tutor/in zur/zum WiMi zur Nachhaltigkeit des Wandels der Lehr- und Lernkultur bei. Das zugehörige Poster zeigt auf, welche Möglichkeiten und Vorteile sich durch qualifizierte Tutoren und Tutorinnen mittel- und langfristig für eine Hochschule ergeben. (mehr hier, S. 123).

“Didaktische Unterstützung von Postdocs als strategisches Element der Lehrförderung”
(Vortrag v. Dr. Klaus Vosgerau)

Auch Klaus Vosgerau ging auf eine zentrale Frage der Nachwuchsförderung ein. Dabei konzentrierte er sich auf die Postdocs und Oberingenieur/innen als Schlüsselgruppe des wissenschaftlichen Nachwuchses und des Mittelbaus: Warum gibt es für sie in der Hochschullandschaft keine maßgeschneiderten Angebote zur Lehrunterstützung, obwohl sie die Lehrkultur – nach den Hochschullehrenden – am stärksten beeinflussen (mehr hier, S. 74)? Zwei Betrachtungen dienten zur Unterfütterung dieser These: Erstens haben diese Lehrenden besondere Bedarfe, die sich aus ihren besonderen Arbeits- und Karriereumständen ergeben. Beispielsweise streben sie danach, eigene Erfahrungen und Qualifikationen zur Lehrorganisation nachzuweisen, um berufbar zu werden. Zweitens wurde exemplarisch eine Auswertung empirischer Daten zur Beratungstätigkeit von Postdocs und Oberingenieur/innen aus den Jahren 2013-2018 vorgestellt, die sich auf ein Dekanat der TUHH beziehen. Die angeregte Diskussion drehte sich dann vor allem um die Frage, ob überfachliche Kompetenzen, die mit der eigenen Planung und Organisation der Lehre erworben oder gestärkt werden, nicht genauso für die Forschung von Nutzen sind. Als Beispiel: Wenn die Lehrenden eines Instituts sich darüber verständigen, welche Fachthemen in den eigenen Modulen vorkommen und welche Didaktik dafür verwendet werden soll – sie also ihre Lehrstrategie besprechen – bereiten sie sich dann nicht zugleich darauf vor, auch Fragen und Methoden der Forschung strategisch miteinander abstimmen zu können?

“Herausforderungen und Strategien bei der Implementierung forschungsbezogener Lehre und Forschendes Lernen in integrativen Lehrpraxisprojekten”
(Poster v. Dr. Dorothea Ellinger & Dr. Ulrike Bulmann)

Unter welchen Bedingungen werden Dinge, zu denen sich Lehrende didaktisch weitergebildet haben, eigentlich auch praktisch in die eigene Lehre übernommen? Um im Bereich des Forschenden Lernens Antworten auf diese Frage zu erhalten, haben Dorothea Ellinger und Ulrike Bulmann Faktoren untersucht, die den Transfer der Ergebnisse von hochschuldidaktischen Weiterbildungsangeboten in die Lehre beeinflussen. Dazu wurden so genannte Reflexionsbögen nach dem Modell des “Transfer Potential of Academic Development” ausgewertet, die die Teilnehmenden aus mehreren Lehrgangsgruppen des TU-eigenen „Qualifizierungsprogramms Forschendes Lernen“ vorher ausgefüllt hatten. Die Studie ist Teil der Begleitforschung, mit der am ZLL förderliche und hinderliche Faktoren und Strukturen bei der Umsetzung des Forschenden Lernens und der Forschungsbezogenen Lehre identifiziert werden sollen (zum Beitrag hier, S. 124).

DARSTELLUNG ZUR ENTWICKLUNG DER LEHRQUALIFIKATION IM ZLL

“Weiterbildung für Hochschuldidaktiker*innen: Gegenwart und Zukunft”
(Diskurswerkstatt v. Dr. Dorothea Ellinger u. a.)

Dorthea Ellinger widmete sich schließlich in einer Diskurswerkstatt zusammen mit anderen, aus verschiedenen Hochschulen stammenden Didaktiker/innen der Frage nach der Relevanz bestimmter Facetten der akademischen Sozialisation und nach der benötigten didaktischen Qualifikation derjenigen, die beruflich in der Hochschuldidaktik tätig sind. Hintergrund ist, dass Hochschuldidaktiker/innen heute auf vielfältige Weise an Schnittstellen zwischen der Beratung zur Fachlehre, der Entwicklung von Qualitätskriterien für Studienprogramme und Hochschulen und der strategischen Beratung für die Lehrentwicklung agieren. Es wurden Analysen der gegenwärtigen Angebote präsentiert und zwei konkrete Vorschläge unterbreitet, damit die Weiterbildungen zukünftig so gestaltet werden können, dass auch Didaktikerinnen und Didaktiker ihre Aufgaben kompetent erfüllen (genauer hier, S. 42).

Alle genannten Autorinnen und Autoren sind am Zentrum für Lehre und Lernen (ZLL) der TUHH. Bei Interesse finden sie die Kontaktdaten direkt hier.

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