“Wie wollen wir auf Veränderungen, die in der Informatik passieren, eingehen?”

Im Gespräch mit dem ZLL berichtet Prof. Dr. rer. nat. Volker Turau über Herausforderungen und Meilensteine im Prozess der Studiengangweiterentwicklung im Studiengang Informatik-Ingenieurwesen am Institut für Telematik an der TUHH.

ZLL: Welche Ziele haben Sie sich für die Weiterentwicklung des Studiengangs gesetzt?
Turau: Es gibt mehrere Dimensionen, die es zu beachten gilt: Was vermitteln wir den Studierenden? Und zweitens: Wie vermitteln wir es den Studierenden? Und die dritte Dimension ist: Wie können wir unsere Ziele innerhalb der Möglichkeiten der TUHH realisieren? Aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach IIW-Vertiefungen aus den Bereichen Maschinenbau oder Logistik – denn inzwischen gibt es hierfür andere Studiengänge – haben wir beschlossen, dass wir uns stärker auf die Elektrotechnik fokussieren. Wir haben die Maschinenbauvorlesungen herausgenommen und geschaut, welche Elektrotechnikvorlesungen wir übernehmen können und bei welchen wir noch Bedarf haben. Das war der Kern einer ersten Klausurtagung im März, die in einem relativ konkreten Vorschlag für ein Curriculum mündete.
Wir haben außerdem ein Strategiekonzept entwickelt, welches auch die Besetzung von Professuren in den nächsten fünf Jahren beinhaltet, um die Themenkomplexe Industrie 4.0 und Internet der Dinge voranzutreiben.

ZLL: Inwiefern sind Studierende mit in den Prozess eingebunden?
Turau: Wir hatten im Vorfeld zweimal mit den Fachschaften gesprochen. Diese haben den Kurs grundsätzlich unterstützt, aber auch den Wunsch nach mehr praktischen Elementen geäußert. Dem wollen wir Rechnung tragen. Auf die Erfahrungen der Studierenden gehen wir natürlich gern ein. Es ist aber schwierig, auf die Studierenden zuzugreifen, die einen Abschluss haben. Noch schwieriger ist es auf jene zuzugreifen, die abgebrochen haben. D. h. wir können nur mit der Fachschaft und den aktuellen Studierenden reden. Die haben natürlich noch nicht alle den Gesamtüberblick über das Studium. Ein großes Defizit ist also, dass wir das Feedback der Studierenden momentan nicht gut erfassen können.

ZLL: Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich konfrontiert?
Turau: Zum einen sind wir eine relativ kleine Hochschule, so dass viele Veranstaltungen in mehreren Studiengängen angeboten werden. Wenn wir jetzt also auf die Idee kommen, die Programmierausbildung für die IIW-Studierenden zu ändern, stehen wir vor dem Problem, dass die Studierenden anderer Studiengänge, z. B. der Elektrotechnik sowie der Allgemeinen Ingenieurwissenschaften, die gleiche Programmierausbildung haben. Wir müssen also im Prinzip zwei Lehrveranstaltungen anbieten, die „Alte“ für die anderen Studiengänge und eine „Neue“ für unseren Studiengang. Das bedeutet aber, dass wir zweifache Ressourcen benötigen. Das gleiche Problem haben wir beim zeitlichen Verschieben von Veranstaltungen. Ein weiteres Problem sind die starren Rahmenbedingungen für das Curriculum. Das zunächst mit den beteiligten Lehrenden gemeinsam erarbeitete Curriculum musste noch einmal angepasst werden, um sich in dieses enge Korsett einzufügen.
Der nächste Punkt ist, dass man mit Änderungen des Curriculums äußert konservativ umgehen muss. Wir müssen Übergangslösungen finden für die bereits existierenden Studierenden. Dabei sprechen wir von dem doppelten der Regelstudienzeit. Beim Master sind das vier Jahre, beim Bachelor sechs Jahre. Das sind sehr lange Zeiträume, die man eine Vorlesung dann vorhalten muss. Man kann das alles lösen, aber es ist im Detail eben doch sehr viel Arbeit.

ZLL: Welche Personen sind an dem Prozess beteiligt?
Turau: Bei der Klausurtagung waren die Professorenschaft und der unterstützende wissenschaftliche Mitarbeiter anwesend. Es war das erste Mal, dass wir als Kollegium mal wirklich zusammen gesessen haben zum Thema Lehre.

ZLL: Was sind die nächsten Schritte?
Turau: Die didaktischen Aspekte sollen als nächstes im Mittelpunkt stehen. Wie wollen wir auf die Veränderungen, die in der Informatik passieren, eingehen? Wie gehen wir mit den sehr starken Niveauunterschieden bei den Studienanfängern um? Wie können wir dem Spagat gerecht werden, dass wir auf der einen Seite, in Abgrenzung zu Fachhochschulen, die theoretischen Grundlagen vermitteln, forschungsorientiert lehren und andererseits auch praktische Elemente einbringen, damit die Studierenden auch den Wert der Theorie kennenlernen? D. h. wie können wir neue Praktika einbringen und zu welchem Zeitpunkt?
Man will möglichst früh Begeisterung wecken, damit nicht im zweiten Semester die Frustration über die Theorie einsetzt und das Studium abgebrochen wird. Wir haben das Ziel, ein Praktikum zu schaffen, bei dem Informatiker und Elektrotechniker gemeinsam ein Projekt bearbeiten. Das sind Lehrveranstaltungen, die es so bisher noch nicht gibt. Es ist auch nicht immer ganz einfach Konzepte zu finden, welche sowohl die Studierenden, als auch die Kollegen begeistern.

 

Das Gespräch führten Constanze Schneider und Lydia Jäger.

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