Wie schafft man es, dass Studierende kontinuierlich lernen? Spannende Diskussionen auf dem 25. Netzwerktreffen

Am Dienstag, den 01.03.2016 fand das 25. Netzwerktreffen statt. Die Netzwerktreffen des ZLL sind Teil des Call-Prozesses, durch den das Zentrum für Lehre und Lernen Lehrinnovationsprojekte fördert. Dieses Treffen zeichnete sich durch eine Besonderheit aus, da ausschließlich Projekte präsentieren, die im Rahmen des Call 10 gefördert werden und damit noch vor der Umsetzung stehen. Das Netzwerktreffen startete mit der Präsentation der verschiedenen Vorhaben durch die Lehrenden. Anschließend folgte eine Diskussionszeit zu zwei Themen: Aktivierung in der Vorlesung (moderiert von Peter Salden) und Praxisbezug (moderiert von Siska Simon).

Vorstellung der Lehrinnovationen

Leif-Erik Jannsen stellte das Projekt Anwendungsorientierte Restrukturierung eines Lehrmoduls in „Hilfsanlagen auf Schiffen“ (Prof. Friedrich Wirz) vor. In diesem Projekt sollen Vorlesung und Hörsaalübung restrukturiert werden. Dabei soll das Interesse für die komplexe Thematik durch einen praktischen Anwendungsbezug geweckt werden. Um dies zu realisieren werden in Gruppenarbeit praxisnahe Entwurfsprozesse von Teilsystemen durchgeführt. So wird auch die Teamkompetenz der Lernenden gefördert. Dem unterschiedlichen Wissenstand der Studierenden gerecht zu werden, ist dabei als eine besondere Herausforderung auszumachen.

Verknüpfung von Lernzielen am Beispiel der Prozesssicherheit im Rahmen der Prozesssynthese in „Synthese und Auslegung industrieller Anlagen“ (Prof. Georg Fieg) war das Thema von Muhammad Ajmal. Hier wird vom Vorlesungsformat auf eine anwendungsorientierte Übung umgestellt. Die Studierenden sollen damit vertieftes und anwendungsbereites Wissen zur Prozesssicherheit erlangen. Eine Exkursion zu einer Chemiefirma ist in die Übung integriert. Inhalte der Übung werden zudem in einer späteren Lehrveranstaltung aufgegriffen.

Moritz Göldner stellte das Lehrinnovationsprojekt Product Planning Debates in „Produktplanung“ (Prof. Cornelius Herstatt) vor. Hier wird ein Debattenformat in die Vorlesung „Produktplanung“ eingeführt. Studierende sollen dort fachlich kontroverse Themen in Teams vorbereiten und Pro- und Contra-Argumente in der Vorlesung strukturiert austauschen. Fallstudien und Vorlesung müssen dabei gut aufeinander abgestimmt werden.

Die Verzahnung der Lerninhalte von Vorlesung, Versuch und Übung in der Veranstaltung „Elektronische Bauelemente“ (Prof. Hoc Khiem Trieu) war das Thema von Lennart von Mirbach-Wahn. Die geplante Lehrinnovation zielt auf eine Verstärkung des Praxisbezugs ab. Hierzu ist angedacht, dass die Studierenden in Gruppen zusätzlich zu Schauversuchen in der Vorlesung auch Rechenaufgaben für die Übung vorbereiten und präsentieren. Dies führt zu einer Aktivierung der Studierenden und zu einer stärkeren Verzahnung zwischen Vorlesung und Übung.

Daniel Dücker präsentierte das Projekt Aufbau eines Experimental-Portfolios mit e-Learning Unterstützung in „Mechanik I“ (Prof. Robert Seifried). Mit circa 850 Studierenden gehört diese Lehrveranstaltung zu den größten der TUHH. Ziel der Lehrinnovation ist die Veranschaulichung des Lehrstoffs durch Demonstrationsexperimente. Zudem steht das Üben des methodisch-analytischen Vorgehens in der Mechanik im Vordergrund. Es soll verhindert werden, dass die Studierenden im Verlauf des Semesters inhaltlich abgehängt werden. Eine e-Learning Plattform soll ein Zusatzangebot für die Lernenden bereitstellen. Eine Herausforderung dieses Projektes besteht darin, die Studierenden zur kontinuierlichen Nutzung dieser Plattform zu motivieren.

Am Thementisch zur Aktivierung in Vorlesungen waren sich die Beteiligten einig, dass sich kurze aktive Phasen in Vorlesungen lohnen. Denn auch wenn man ohne aktive Phasen scheinbar mehr Stoff behandeln kann, lässt die Aufmerksamkeit der Studierenden nach – und sie können dem vermeintlichen „Mehr” an Stoff nicht mehr folgen. Alle beteiligten Lehrenden hatten bereits Erfahrung mit aktivierenden Elementen und positive Erfahrungen damit gemacht. Aber es bleiben Fragen offen. Ein Beispiel: Wie schafft man es, dass Studierende nicht nur in der Vorlesung aktiv sind, sondern auch zu Hause kontinuierlich – und nicht erst vor der Prüfung – lernen? Diskutiert wurde über den Nutzen von Bonuspunkten, begleitende eLearning-Elemente und andere Möglichkeiten zur Motivation. Hinterfragt wurde dabei auch, inwieweit Studierende durch derartige Elemente „an die Hand” genommen werden sollten. Denn bedeutet studieren nicht, selbstständig zu werden? Doch die nötige Selbstständigkeit kann man bei Schulabgängern noch nicht voraussetzen. Gerade zu Studienbeginn sind deshalb Anreize zum kontinuierlichen Lernen wichtig – später im Studium sollten die Studierenden sich aber selbst dazu motivieren können, so eines der Diskussionsergebnisse an diesem Tisch. Eine andere diskutierte Frage betraf das Verhältnis von Zwang (in Form von verpflichtenden Prüfungen) und Motivation. Weder allein mit Zwang noch allein mit Motivation erreicht man alle Studierenden bzw. lässt sich ein umfangreicher Lernprozess erfolgreich gestalten – so eine mögliche Zusammenfassung der Diskussion. Und selbst bei einem System, das Zwang und Motivation vereint, bleibt ein Anteil Studierender, der nicht für das Lernen gewonnen werden kann. Und dennoch: Die Kunst besteht wohl eben darin, beides in ein Verhältnis zu bringen, das so viele Studierende wie möglich zum Erfolg führt.

Am Thementisch Praxisbezug wurde über die Reduzierung des Praxisbezugs im Zuge der Modularisierung der Studiengänge diskutiert. Die Abschaffung der verpflichtenden Grundpraktika in einigen Studiengängen wurde von den Teilnehmern als bedauerlich angesehen. Daraus ergab sich die Frage, wie den Lernenden in dem aktuellen Rahmen die Sinnhaftigkeit des Lernstoffs verdeutlicht werden kann. Es geht also um die Frage: Wozu braucht man das eigentlich? Einige Möglichkeiten wurden von den beteiligten Lehrenden bereits gewinnbringend eingesetzt. Genannt wurden hier: Projekte, Exkursionen oder auch der Einbezug externer Referenten. Im Rahmen des Call 10 wollen die Lehrenden nun das Vorhaben – mehr Praxis in die Veranstaltung zu bringen – weiter vorantreiben. Die Teilnehmer der Diskussionsrunde waren sich einig, dass Projekte zu Beginn des Studiums sinnvoll sind. Handwerkszeug und Theorie können in diesem Kontext miteinander verknüpft werden. Das zu vermittelnde Wissen wird so besser verankert. Ein weiteres Thema waren die Erwartungen der Studierenden an ein Studium. Hier wurde eine Diskrepanz zwischen Erwartungen und der Realität ausgemacht. An dieser Stelle wurde eine gute Aufklärung vor Beginn des Studiums befürwortet. Das Fazit der Metadiskussion war, dass das Ziel ein vermehrter Praxisbezug sein sollte. Mit Hilfe dessen können „theoretische Durststrecken“ besser überstanden werden. Praxisbezug erhöht die intrinsische Motivation, sich mit Theorie zu befassen. Die sinnvolle Einbindung in die Veranstaltung ist dabei wichtig.

Die neue Form des Netzwerktreffens, bei dem Lehrende sowie Mitarbeiter des ZLL gemeinsam zu bestimmten Metathemen diskutieren, wurde gut angenommen. Die Lehrenden konnten sich untereinander austauschen und von ihren Erfahrungen berichten und sich somit gegenseitig Hilfestellung geben. Das nächste Netzwerktreffen wird am 22.03.2016 stattfinden. Sollten Sie Interesse haben bei dieser Veranstaltung dabei zu sein oder wenn Sie sich weitere Informationen wünschen, melden Sie sich gerne unter nina.anders@tuhh.de.

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