Wie gehe ich mit Unruhe in meiner Lehrveranstaltung um?

Die TutorInnen beim Austausch zu zweit
Die TutorInnen beim Austausch zu zweit

In der vergangenen Woche bildeten sich 23 TutorInnen in der ZLL Schulung weiter und tauschten sich aus. Für eine maßgeschneiderte Schulung werden im Vorfeld die Erwartungen der TutorInnen erhoben. Die TutorInnen wünschten sich u.a. eine Auseinandersetzung mit dem Thema “Umgang mit Unruhe”. Da dieses Thema auch von anderen Lehrendengruppen öfter nachgefragt wird, stelle ich das Störungsstufenmodell von Eva Schumacher (2011) beispielhaft vor. Das Modell enthält sieben Störungs- bzw. Eskalationsstufen. Pro Stufe gibt es eine Maßnahme, die als Anregung jedoch nicht als Patentrezept zu verstehen ist, da jede Situation einzigartig ist.

Stufe 1: Zwei Studierende führen ein kurzes Zwischengespräch:
Nach diesem Modell kann es erstmal ignoriert werden.

Stufe 2: Das Zwischengespräch wird fortgesetzt:
Jetzt gilt es die Störung nonverbal anzusprechen, z.B. durch die Aufnahme von Blickkontakt.

Stufe 3: Das Zwischengespräch wird trotzdem fortgesetzt:
Das Modell empfiehlt die Betreffenden direkt, wenn möglich mit Namen, anzusprechen. Wenn man den Eindruck hat, dass es in dem Zwischengespräch um etwas Fachliches geht, kann man die Betreffenden nach Unklarheiten fragen, handelt es sich hingegen eher um ein privates Gespräch, ist es besser sie um Ruhe zu bitten.

Stufe 4: Allgemeine Unruhe bereitet sich aus:
In diesem Fall kann dies z.B. daran liegen, dass die Konzentrationsfähigkeit der Studierenden erschöpft ist. Daher kann es sinnvoll sein, eine Pause, eine Aufgabenbearbeitung zu zweit oder in der Gruppe zu veranlassen.

Stufe 5: Die Unruhe bleibt bestehen oder steigert sich noch:
Vermutlich liegen der Unruhe andere Ursachen zugrunde. Daher gilt es, die Unruhe spätestens jetzt zu thematisieren, die Gruppe um eine Stellungnahme zu bitten und eine Vereinbarung zu treffen.

Stufe 6: Die Unruhe wird um provokatives Verhalten ergänzt:
Sollte eine solche Vereinbarung nicht eingehalten und seitens der Studierenden provokatives Verhalten gezeigt werden, ist es sinnvoll in aller Ruhe ein Gespräch mit den betreffenden Studierenden zu führen.

Stufe 7: Die Situation bleibt unverändert oder verschlimmert sich noch:
In diesem Fall ist ein explizites Konfliktgespräch erforderlich. Alle Angehörigen der TUHH können sich an die Konfliktberatung wenden.

Im Anschluss an die Vorstellung des Modells tauschten sich die TutorInnen über Erfahrungen in ähnlichen Situationen aus. Eine Tutorin hatte z.B. gute Erfahrungen damit gesammelt, ihre Erklärungen bei Unruhe zu unterbrechen. Auf diese Weise musste sie nicht gegen einen hohen Lärmpegel ansprechen und die Studierenden forderten untereinander Ruhe ein.

Im nächsten Schulungstag in der Mitte des Semesters werden sich die TutorInnen z.B. damit auseinandersetzen, wie man Fehlvorstellungen seitens der Studierenden aufdecken und überwinden kann.


 

Wenn Sie Ihre TutorInnen auch schulen lassen möchten, wenden Sie sich gerne an mich (j.rohde@tuhh.de, DW: -4613).
Neben den Schulungen für TutorInnen haben wir auch ein passgenaues Workshopangebot für Wissenschaftliche MitarbeiterInnen und OberingenieurInnen.
Interessante Literatur für TutorInnen und andere Lehrende finden Sie übrigens hier.

 

Literatur

Schuhmacher, E. (2011). Schwierige Situationen in der Lehre. Methoden der Kommunikation und Didaktik für die Lehrpraxis. Wien; Köln; Weimar: UTB, S. 99-105.

 

3 Gedanken zu „Wie gehe ich mit Unruhe in meiner Lehrveranstaltung um?

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