Was tun, wenn… Studierende nicht vorbereitet sind?

Studierende kommen zu spät, quatschen miteinander oder überschütten die Lehrperson mit Fragen. Schwierige Situationen erleben alle Lehrenden gelegentlich. Jede davon ist einzigartig, daher gibt es keine “Patentrezepte”. Dennoch können folgende Ideen als Anregungen dienen – heute zum Thema mangelnde Vorbereitung.
Aber zuerst: Überlegen Sie, was Sie selbst in Ihrer Studienzeit dazu motiviert hat, sich auf eine Lehrveranstaltung gut vorzubereiten und sich ggf. auch über den Prüfungsinhalt hinaus zu engagieren. Welche dieser Aspekte können Sie in der Gestaltung Ihrer Lehrveranstaltung berücksichtigen?

schwierige Situation: Ein Großteil der Studierenden hat die Selbststudienaufgaben nicht bearbeitet und kann den Inhalten daher nicht folgen und mitarbeiten.

Präventionsmöglichkeiten:

  • Selbststudium in die Präsenzzeit einbinden, d.h. Aufgaben, die zuhause bearbeitet wurden, in der Veranstaltung besprechen oder per Clicker abfragen
  • den Sinn der Selbststudienaufgaben und die Erwartungen an die Mitarbeit klar kommunizieren
  • Bonuspunkte einführen
  • online self-assessments (1) zum Erfragen des Lernstandes und/oder -fortschritts durchführen
  • wichtige Inhalte selbst oder durch Studierende zu Beginn oder gegen Ende der Veranstaltung kurz zusammenfassen (lassen)

Möglichkeiten in der Situation:

  • Selbstverantwortung der Studierenden
    • gegenüber den Studierenden: daran appellieren
    • für die eigene Haltung: akzeptieren, dass die Studierenden für ihr Handeln und die Konsequenzen selbst verantwortlich sind
  • Bezüglich der Entscheidung, ob Sie mit dem Stoff fortfahren oder ihn wiederholen, gilt es sich über die jeweiligen Konsequenzen im Klaren zu sein:
    • Fortfahren:
      • Vorteil: Studierende lernen, dass eine Vorbereitung erforderlich ist.
      • Nachteil: Sie können den Inhalten vermutlich kaum folgen.
    • Wiederholen:
      • Vorteil: Die Studierenden können den Inhalten folgen.
      • Nachteil: Sie gewöhnen sich daran, dass die Inhalte wiederholt werden und bereiten sich daher möglicherweise auch zukünftig nicht vor.

Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten, wenden Sie sich an mich (j.rohde@tuhh.de, DW: -4613). Auf Anfrage bieten wir den Workshop “Kontinuierlich lernen. Das Selbststudium medial unterstützen und integrieren” an. Einen Bericht zu einem ähnlichen Workshop finden Sie hier und die Studie “Preparing students for class: How to get 80% of students reading the textbook before class” hier.


Herzlichen Dank an Miriam Block und alle Lehrenden, die diese Ideen in den verschiedenen Weiterqualifizierungsformaten zusammengetragen haben.

(1) Im Rahmen eines self-assessments wird ein Fragenpool z.B. in Ilias angelegt. Diese Fragen dienen den Studierenden dazu, sich selbst besser einschätzen zu können. Den Lehrenden ermöglichen sie besser auf den Wissensstand und mögliche Fehlvorstellungen der Studierenden eingehen und ggf. Zusatzmaterialien bereitstellen zu können (Just-in-Time Teaching). Self-assessments haben in der Regel einen motivierenden Charakter und können sowohl diagnostisch (Erhebung des Vorwissens) als auch formativ (Erhebung des Lernfortschritts) genutzt werden.


Weitere Themen in dieser Reihe:

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3 Gedanken zu „Was tun, wenn… Studierende nicht vorbereitet sind?

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