Vorlesungsaufzeichnungen effektiv nutzen

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Vorlesungsaufzeichnungen können, mit etwas Überlegung, einen zeitlichen Raum schaffen, in denen Studierende und Lehrende sich aktiv und gemeinsam mit den Lerninhalten auseinander setzen. Aber wie?

Vorlesungsaufzeichnungen, so berichten nicht wenige empirische Untersuchungen (Gomez 2012, Mason et al. 2010, TUM, 2013), können einen erheblichen Mehrwert in der Lehre bieten. Mittlerweile erfreuen sie sich einer hohen Akzeptanz von Studierenden und Lehrenden.

Eigentlich ist ja die Vorlesungsaufzeichnung eine simple Sache – dank des Services der Medientechnik. Und trotzdem müssen Lehrende einiges beachten, damit als Produkt eine „gute“ Vorlesungsaufzeichnung heraus kommt. Die einfachste und häufigste Vorgehensweise ist die folgende:

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Eine Vorlesung wird aufgezeichnet, von der Medientechnik nachbearbeitet, das Video bzw. der Link wird dann im Lernraum hochgeladen und steht dann den Studierenden zur freien Verfügung, z.B.

  • zur Nachbereitung der Vorlesung im eigenen Tempo, nach eigenem Interesse.
  • zur Klärung noch offener Fragen, z.B. durch Reflexion und Ausarbeitung von konkreten Fragen für die nächste Vorlesung,
  • zur Klausurvorbereitung.

Wichtig: Bei einer Vorlesung mit Videoaufzeichnung muss ich beachten, die Zwischenfragen von Studierenden noch einmal zu wiederholen, bevor ich sie beantworte, denn das Mikro nimmt die Stimmen aus dem Raum nicht gut auf. Ich kann, nach Absprache, zwar das Tafelbild aufzeichnen lassen, aber bewegte Bilder (z.B. Videos, Animationen oder Simulationen), die ich über meinen Laptop/Beamer zeige, werden in der Vorlesungsaufzeichnung schlecht bzw. gar nicht wiedergegeben. Das Gleiche gilt für aktivierende Maßnahmen wie Diskussionsrunden oder Gruppenarbeiten.

Und das ist, bei allem Enthusiasmus für Vorlesungsaufzeichnungen, eine große Herausforderung für die Lehre: Aufgrund der technischen Limitationen ist der Wunsch nach einer „guten“ Vorlesungsaufzeichnung nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer guten Vorlesung, da hier letztlich der Frontalunterricht gefördert und auf Methoden zum selbstgesteuerten oder kooperativen Lernen verzichtet wird.

Daher ist es hilfreich, Vorlesungsaufzeichnungen als Prozess zu begreifen und schrittweise in ein sinnvolles Lehr- und Lernszenario einzubetten.

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Der erste Schritt ist eigentlich ganz einfach. Zusätzlich zur Vorlesungsaufzeichnung stelle ich sinnvolle Übungen (to assign) in das Lernraumsystem ein. Das kann ein Quiz sein, das können aber auch komplexere Aufgaben sein, die entweder allein oder in der Gruppe bearbeitet werden. Auf diesem Weg aktiviere ich die Studierenden kontinuierlich über das Semester und fördere auf einen Streich Selbstkompetenzen sowie das kooperative Lernen und die Medienkompetenz (to apply).

Im nächsten Schritt kann man Vorlesungsaufzeichnungen als wiederverwendbare educational resource nutzen. Das Zurückgreifen auf bereits bestehende Videodateien ermöglicht den Lehrenden, die Vorlesungen in den folgenden Semestern sukzessive umzustellen. Hier stellen sie die vorhandenen Vorlesungsaufzeichnungen im nächsten Semester einfach wieder im Lernraum, kombiniert mit Leitfragen und Aufgaben. Dieser Gedanke des sogenannten Flipped oder Inverted Classroom bietet somit Raum für Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden (z.B. Fragen stellen, Aufgaben rechnen, Lösungswege diskutieren, Verortung oder Vertiefung des Stoffs). Und hat außerdem noch einen wunderbaren Vorteil: Studierende kommen in die Vorlesung – und sie kommen vorbereitet.

Zum Weiterlesen:
Gomez, J. (2012). Nutzung von Vorlesungsaufzeichnungen in der Hochschullehre und mögliche Lehrszenarien für ihren Einsatz am Beispiel der Universität Hamburg und des Systems „Lecture2Go“. URL: https://lecture2go.uni-hamburg.de/c/document_library/get_file?uuid=ae42f906-8ede-47c6-a7fb-c42a182e142b&groupId=10251

Rust, I., Krüger, M. (2011).Der Mehrwert von Vorlesungsaufzeichnungen als Ergänzungsangebot zur Präsenzlehre
URL: https://www.uni-hannover.de/imperia/md/content/elearning/practicalguides2/medientechnik/rust-kru__ger_mehrwert_von_vorlesungsaufzeichnungen_2011_gmw_final_nach_gutachten.pdf

Mason, G.S.; Shuman, T.R.; Cook, K.E., “Comparing the Effectiveness of an Inverted Classroom to a Traditional Classroom in an Upper-Division Engineering Course,” Education, IEEE Transactions on , vol.56, no.4, pp.430,435, Nov. 2013. URL: http://ieeexplore.ieee.org/stamp/stamp.jsp?tp=&arnumber=6481483&isnumber=6648697

Ergebnisse der Studierenden-Umfrage (2013). Technische Universität München.
URL: http://www.it.tum.de/projekte/vorlesungsaufzeichnung/umfrage-studierende

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