Von Augentieren, Fehlvorstellungen und studentischem Engagement in Tutorien

Lukas ist Anfang 20 und leitet bereits das dritte Semester in Folge zwei Übungen in Informatik für Maschinenbauingenieure. Er steht vor einer Gruppe von ca. 25 Studierenden, die zu zweit vor ihren Rechnern sitzen, unterstützt bei fachlichen Unklarheiten, korrigiert Hausaufgaben, geht rum und unterstützt bei Problemen, wenn die Studierenden eigenständig programmieren.
Studentische Tutoren wie Lukas gibt es einige Hundert an der TUHH (ca. 800 Tutorenverträge pro Jahr). Sie übernehmen viel Verantwortung in der Lehre. Entsprechend wichtig ist es, sie gut zu schulen und zu begleiten. Lukas ist durch unsere Tutorenschulung und wöchentliche Tutorentreffen in seinem Institut gut auf den herausfordernden Job vorbereitet. In seinen Worten klingt das so: Die Schulung hat mir geholfen vielfältige Methoden anzuwenden, schwierige Situationen zu meistern und die Qualität meiner Tutorien zu verbessern.”

Die Qualifizierung von Tutorinnen und Tutoren war auch das Thema auf der Tagung „Tutoring und Mentoring“ an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) am 27. und 28. November.

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Tagungsgruppe (alle Fotos: Ulrich Schmitt)

Als Fachreferentin für Weiterqualifizierung vertrat ich dort die TUHH und tauschte mich mit interdisziplinären Fach- und Hochschulexpertinnen und –experten aus. Dabei sammelten wir beispielsweise didaktische Methoden, die Tutorinnen und Tutoren gut einsetzen können, wie Think – Pair – Share (s. Seite 22 in unserer Broschüre).

Darüber hinaus waren unser Professor für Fachdidaktik der Ingenieurwissenschaften, Christian Kautz, unser Kollege von der Hochschule Rosenheim, Markus Wittkowski und ich als Referenten geladen. In unserem Workshop stellte ich zu Beginn das Konzept unserer Fachtutorenschulung vor. Das Konzept zeichnet sich besonders durch die Einbindung der Institute und studentischer Co-Leiter in die Gestaltung der Schulung sowie Fachnähe aus. Lukas engagiert sich mittlerweile als solch ein Co-Leiter.

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Durchführung des Glühlampenexperiments

Im Weiteren führten Herr Kautz und Herr Wittkowski ein Glühlampenexperiment (Tutorial, s. Foto) durch. Ziel dieses Experiments war das Kennenlernen einer Lernumgebung zur Stärkung des qualitativen Verständnisses. Nebenbei konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf diese Weise ihre eigenen Fehlvorstellungen identifizieren und überwinden. (Zum Thema „Fehlvorstellungen von Studierenden aufdecken“ findet am 7. Januar 2015  von 16.00 bis 19.00 Uhr einen Workshop für Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Oberingenieurinnen und Oberingenieure der TUHH mit Professor Kautz statt, für den Sie sich bei mir anmelden können.) Vor dem Hintergrund dieser eigenen Erfahrungen wurden Implikationen für die Gestaltung von Tutorenschulungen diskutiert. Beispielsweise legen die Befunde nahe, dass TutorInnen lernen sollten, durch offene Fragen anstelle durch Antworten zu lehren.

Visuelle Aufbereitung unseres Workshops
Visuelle Aufbereitung unseres Workshops

Neben einer guten Fragetechnik ist es sinnvoll, Inhalte nicht nur mündlich zu vermitteln, sondern um eine Visualisierung zu ergänzen. Daher nahm eine Grafic Recorderin an unserem Workshop teil und visualisierte für uns „Augentiere“ meinen Vortrag und die Diskussion (s. Bild).

Diese innovative Idee sowie der ganze Workshop stieß auf großes Interesse, wie die lebhafte Diskussion und die Evaluation zeigen.

Die neuen Impulse, die wir erhalten und gegeben haben, werden Tutorinnen und Tutoren wie Lukas in den nächsten Schulungen zu Gute kommen.

Wenn Sie im Sommersemester Tutoren einsetzen und diese gerne schulen lassen möchten, wenden Sie sich an mich (j.rohde@tuhh.de, DW: – 4613).

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