Über Mathematik zu sprechen, ist ein Teil des Lernens – vor allem wenn der/die Lernende spricht

Aus der Forschung wissen wir, dass Studierende am meisten lernen, wenn sie selbst aktiv sind (z. B. Freeman et al., 2014). Studierende sollten so viel wie möglich selbst erarbeiten, um die Materie zu durchdenken und Problemlösungskompetenz zu entwickeln. Es gilt daher als Lehrperson das „Prinzip der minimalen Hilfe“ nach Zech aus der Mathematikdidaktik zu berücksichtigen. Dabei geht es darum, so viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich zu leisten. Dr. Thomas Trebing von der Technischen Universität Darmstadt hat bereits zu diesem Thema publiziert (Trebing, 2015; Trebing, 2016) und das Modell weiterentwickelt. Daher haben wir ihn am 29.06.17 für je eine Kurzweiterbildung für das ZLL-Team und für Tutoren/-innen der TUHH eingeladen. Beide Angebote stießen auf großes Interesse.

Er identifiziert drei Interaktionsformen bzw. Lernbegleiter/-innen:

 

  1. Sprechendmacher/-in
    Dazu gehören offene (Rück-)Fragen wie „Was hast du dir bisher überlegt?“ oder „Wie bist du darauf gekommen?“
  2. Impulsgeber/-in
    Das sind Arbeitsanweisungen, wie „Bitte schreibe dir zunächst auf, was gesucht und gegeben ist.“ Oder „Bitte mache dir erstmal eine Skizze. Wenn es dir dann noch unklar ist, melde dich nochmal.“
  3. aktiver Zuhörer/aktive Zuhörerin
    Darunter fallen Verständnisfragen, Spiegeln z. B. „Du zuckst mit den Schultern.“ oder „Du runzelst die Stirn.“ und Paraphrasierungen, wie „Du meinst also…“.

Die erste und dritte Interaktionsform regen einen Austausch zwischen Lehrperson und Studierenden an. Hier ist es wichtig, die Studierenden möglichst viel selbst sprechen und somit denken zu lassen (s. Titel).

Wenn in der Lehrveranstaltung jedoch viele Studierende zeitgleich Fragen haben, regen Impulse, wie die Anweisung eine Skizze zu zeichnen oder sich erst einmal mit dem Sitznachbarn/der Sitznachbarin auszutauschen, zum eigenständigen (Weiter-)Arbeiten an und ermöglichen der Lehrperson sich anderen Fragen zu widmen.

Wenn Sie an weiteren Tipps zu minimaler Hilfe interessiert sind, wenden Sie sich gerne an mich (Jenny Alice Rohde).

Quellen

  • Zitat im Titel in Anlehnung an Karl Duncker
  • Freeman, S., Eddy, SL., McDonough, M., Smith, MK., Okoroafor, N., Jordt, H. & Wenderoth, MP. (2014). Active learning increases student performance in science, engineering, and mathematics. Proc Natl Acad Sci USA 111, S. 8410–8415.
  • Trebing, T. (2016): Prinzip der minimalen Hilfe im Tutor/innen-Lehrfilm – Schulungseinsatz und erste Ergebnisse. In: Eßer, A.; Kröpke, H; Wittau, H. (Hg.) (2016): Tutorienarbeit im Diskurs III. Qualifizierung für die Zukunft. Münster. S. 73-84.
  • Trebing, T. (2015). Tutorien: Das Prinzip der minimalen Hilfe in der universitären Rechenübung. In: Neue Wege in der tutoriellen Lehre in der Studieneingangsphase. Zitzelsberger, Olga (Hrsg.): Neue Wege in der tutoriellen Lehre in der Studieneingangsphase: Dokumentation der gleichnamigen Tagung im März 2014 an der TU Darmstadt. Münster: WTM, 2015. (Schriften zur allgemeinen Hochschuldidaktik; 1), ISBN 978-3-942197-41-0. S. 101-115.

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