Symposium “Digitale Trends” am KIT Karlsruhe

Wie sieht die digitalisierte Hochschulwelt im Jahr 2025 aus? Um diese Frage kreiste das Symposium “Digitale Trends” am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das am 15. Oktober stattfand. Auch das ZLL war dort mit einem geladenen Vortrag vertreten. 

Die Digitalisierung beschäftigt die deutschen Hochschulen inzwischen schon seit drei Jahrzehnten. Mal stärker, mal schwächer stand das Thema auf der Agenda, teils wurden revolutionäre Veränderungen vorausgesagt, teils die maßlose Überbewertung des Themas kritisiert. Wie steht es wirklich um die Digitalisierung? Mit etwas Abstand lässt sich zweierlei festhalten: So wie die Digitalisierung viele andere Lebensbereiche verändert, ist sie auch an den Hochschulen nicht aufzuhalten; und gerade gegenwärtig intensivieren sich auch wieder die politischen Bemühungen, diesen Trend aktiv zu gestalten.

In Hamburg drückt sich dies durch die von der Landespolitik forcierte Einrichtung der Hamburg Open Online University (HOOU) aus. In Baden Württemberg dagegen finanzierte die Landesregierung die Studie “Mediale Hochschulperspektiven 2020 in Baden-Württemberg”, die vom renommierten Karlsruher Institut für Technologie und der Universität Stuttgart durchgeführt wird.

Auf dem Symposium am KIT wurden erste Ergebnisse der Studie vorgestellt. Prof. Dr. Gerd Gidion, Leiter des Zentrums für Mediales Lernen am KIT, benannte  in seinem Einführungsvortrag die wichtigsten Trends, die sich aus der Forschungsarbeit abzeichnen. Dazu zählen:

  • die Nutzung integrierter Campus-Management-Systeme, über die alle administrativen und lehrbezogenen Vorgänge an einer Universität organisiert werden (von Einschreibung über Raumbuchung bis zur Prüfung)
  • die internetbasierte Lehre, z. B. durch Online-Kurse und Videoaufzeichnungen
  • der softwaregestützte Sprachtransfer in Echtzeit, mit dem deutsche Vorlesungen Studierenden mit anderer Muttersprache direkt im Hörsaal simultan übersetzt werden können.

Um diese Herausforderungen anzunehmen, hat das KIT vor wenigen Monaten ein “Zentrum für Mediales Lernen” gegründet, das die Aktivitäten bündeln soll (und auch das Symposium ausrichtete).

In den Diskussionen bestand weitgehend Einigkeit, dass Online-Lehre die Präsenzlehre nicht ersetzen wird. Allerdings bestand auch weitgehende Einigkeit darüber, dass schon kurzfristig immer mehr Online-Elemente in die Lehre integriert werden. Eine Herausforderung wird dabei womöglich weniger in administrativen Fragen liegen – denn auf die Anerkennung von Kursen kann man sich bei gutem Willen verständigen. Anspruchsvoller wird es aber, didaktisch wirklich gewinnbringende Kurse zu erstellen, z. B. im Bereich der sog. MOOCs, d. h. der Online-Massenveranstaltungen. Gerade hiermit beschäftigt sich gegenwärtig auch das ZLL gemeinsam mit anderen Einrichtungen der TUHH, die mit dem Aufbau der HOOU betraut sind.

Mehrfaches Thema der Diskussionen war die Frage, inwieweit eigentlich die Studierenden heute medienkompetent sind. Denn auch wenn sie als “digital natives” klassifiziert werden, sei Medienkompetenz etwas anderes, als ein Smartphone bedienen und postings auf Facebook einstellen zu können. Gerade reflektierter Umgang mit Digitalisierung und der kompetente wissenschaftsbezogene Einsatz seien Zeichen akademischer Medienkompetenz – doch gerade daran mangelt es nach Ansicht vieler Dozentinnen und Dozenten bei den Studierenden.

Peter Salden vom Zentrum für Lehre und Lernen der TUHH behandelte in seinem Vortrag die Frage, ob und wie Datenanalysen die Hochschullehre verbessern können. Dieses Thema – auch bekannt unter dem Namen “Learning Analytics” – steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen; Gerd Gidion nannte es in seinem Einführungsvortrag “das Erregungsthema”. Nicht ohne Grund: Denn einerseits eröffnen sich durch die Analyse von Daten, die in Lernprozessen anfallen, völlig neue Möglichkeiten für die schnelle Gewinnung von Informationen über Lernstand und Lernbedürfnisse von Studierenden; andererseits stellt sich aber die Frage, welche datenschutzrechtlichen Aspekte zu berücksichtigen sind bzw. wie viel Datennutzung ethisch gerechtfertigt ist. Dem Vortrag von Peter Salden war darum ein Vortrag der Datenschutzbeauftragten des KIT, Marina Bitmann, nachgestellt, der das Thema aus dieser Perspektive beleuchtete. Die Quintessenz: Mit den aktuellen datenschutzrechtlichen Bestimmungen gibt es für den Einsatz von Learning Analytics in Deutschland hohe, z. T. kaum überwindbare Hürden.

Dennoch: Die Digitalisierung bietet den Hochschulen neue Perspektiven und viele Chancen. Wir am ZLL sind gespannt, sie mit Ihnen zusammen auszuloten!

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