Schlüssel gefunden – zur effektiven Lehre

Große Konferenzen werden durch ‘Key Notes’ gerahmt. Bildlich gesprochen wird der Konferenzort mit den ‘Schlüssel-Beiträgen’ erst auf- und dann wieder zugeschlossen. Dabei führt ein bekannter und geschätzter Vertreter oder eine Vertreterin der Disziplin einen wesentlichen Gedanken pointiert für alle aus.

Bei der DGHD-Jahrestagung 2016 sprach abschließend Kristina Edström, Associate Professor in Engineering Education Development aus Stockholm. Sie meint, dass zufriedene Lehrende eher eine gute Lehre machen. Zur Zufriedenheit trage besonders bei, wenn die eigene Lehre modern und vor allem zeiteffektiv ablaufe. Professorinnen und Professoren könnten sich dann besser um die verschiedenen Bereiche ihres Berufs kümmern, aber auch um ihr Privatleben, um Sport, Kultur und Kinder. Und nicht zuletzt ausgeschlafen an die Uni kommen.

Zeitsparende und gute Lehre werde möglich durch verschiedene “Teaching Tricks”, also pfiffige, von den Bedürfnissen der Lehrenden ausgehende Ideen der Lehrplanung, die Prof. Edström vorstellte. Einer geht zum Beispiel so:

In einer Veranstaltung wird wöchentlich ein kurzer Test geschrieben, dies strukturiert den Semesterablauf. Anstatt dass die Lehrenden aber den ganzen Stoff in der Vorlesung präsentieren müssen, fertigen die Studierenden dazu in Hausarbeit vorab 2-3-seitige, gleich gegliederte Berichte an. Sie bringen ihre Paper zur nächsten Sitzung mit, wo sie nach Zufallsprinzip zwischen den Studierenden ausgetauscht werden. Jede/r schreibt dann in kurzer Zeit Anmerkungen als Feedback in den Text eines/einer anderen. Danach werden die Paper an die Verfasser/innen zurückgegeben, lebhaft diskutiert und schließlich vom Dozenten eingesammelt. In der Sitzung geht der/die Lehrende zur Phase der Vermittlung neuen Stoffs über und gibt abschließend die Aufgabe für das Paper zur nächsten Woche heraus.

Die Bewertung der Paper durch die Lehrenden geschieht nach einem denkbar simplen Schema: 2 Punkte gibt es für eine sehr gute, 1 Punkt für ausreichende und 0 Punkte für eine nicht ausreichende Leistung. Ein Feedback gibt 1 Punkt extra. Nach diesem Muster dauert eine einzige Bewertung nur wenige Minuten. Die Prüfungsleistung ergibt sich schließlich aus der Summe der Einzelbewertungen.

Da mit der Idee verschiedene Ziele auf einfache Art erreicht werden – Vorbereitung der Studierenden, lebendiges und selbstverantwortliches Lernen, hohe Motivation, einfache Bewertung – wird nach Edström viel Zeit gespart. Sie bleibt den Lehrenden u. a. fürs gemeinsame Essen zu Hause. Deshalb der Titel dieses “Tricks”: “Family dinner”.


[Auf Youtube findet sich eine frühere Version des Vortrags, Start bei 8:10, Beispiel “Family Dinner” bei 29:30.]

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