“Reflexion hoch zwei” an der Universität zu Lübeck

Das altehrwürdige “Herrenhaus” der Universität zu Lübeck ist nicht nur Sitz des Präsidiums, sondern auch des “Dozierenden-Service-Centers (DSC)”, einer Art ‘Lübecker ZLL’. Hier fand Mitte Januar ein Austausch zwischen Lehrenden und Lehrberatern aus Lübeck und Hamburg statt. Der Anlass: An beiden Hochschulen laufen interessante und ambitionierte Initiativen zur Modernisierung der Lehre, über die es sich auszutauschen lohnt. Vor allem aber machen sich hier wie dort Lehrende auf den Weg, um mit “SoTL” – dem “Scholarship of Teaching and Learning” – ihre eigenen Veranstaltungen zu beforschen und dann datenbasiert und gut begründet weiterzuentwickeln.

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Zur Förderung guter Lehre ist es wichtig, dass auch die begleitenden Beraterinnen und Berater sich austauschen. “Reflexion hoch zwei”, sozusagen. Hierfür wurden die beiden ZLLer Dr. Ulrike Bulmann (Fachreferentin Forschendes Lernen) und Dr. Klaus Vosgerau (Koordinator für Lehrinnovationen) zum Gespräch geladen. An der Diskussion beteiligten sich u. a. ein Studiendekan, verschiedene Lehrende der Lübecker Hochschulen sowie die Geschäftsleiterin des DSC, Dr. Bettina Jansen-Schulz.

Vorgestellt wurde zunächst der forschungs- und reflexionsorientierte Ansatz des Qualifizierungsprogramms “Forschendes Lernen an der TUHH”. Die einjährige Reihe stattet neue wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Weiterbildung zum Lehren durch Forschendes Lernen aus. Dazu gehören auch begleitende Projekte, in denen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Wirksamkeit ihrer eigenen Lehre in kleinen Teams nach SoTL-Methode beforschen.

In der Diskussion wurde das Harburger Qualifizierungsmodell dann kollegial auf den Prüfstand gestellt: “Wozu benötigt man das Forschende Lernen denn, kommt man in der modernen Didaktik nicht auch ohne dieses Format aus”? [Lernen kann so besonders motiviert und nachhaltig geschehen und zu Forschungskompetenz führen] – “Wie werden die SoTL-Projekte junger WiMis an der TU begleitet?” [in Lübeck führen eher ‘gestandene’ Hochschullehrende SoTL durch und werden dazu nach Bedarf beraten] – “Wie passt die Schulung zum Forschenden Lernen zum Leitbild der Lehre der TUHH?” [die Anbindung an das darin entworfene Selbstbild einer “Universität mit Forschungspriorität” fand man sehr plausibel].

Eine spannende Idee aus der Diskussion: Beim Abschlusstermin des Harburger Qualifizierungsprogramms werden die teilnehmenden WiMis ihre Ergebnisse einem interessierten Publikum an der TUHH vorstellen. Aus Lübeck könnten dazu die Lehrenden mit SoTL-Projekten eingeladen werden, um den Erfahrungsaustausch anzuregen.

Und was geschieht in Lübeck sonst so in der Uni-Lehre? Hierzu zwei bemerkenswerte Dinge: Rund 90 % der Lehrenden der Lübecker Universität haben in den letzten Jahren Angebote des DSC in Anspruch genommen und sich so für die Weiterentwicklung des eigenen Unterrichts engagiert. Und beim diesjährigen Tag der Lehre werden viele Professoren und Professorinnen mit ihren wissenschaftlichen Themen und ihrer Didaktik in die Geschäfte der Innenstadt gehen, indem sie zum Beispiel eine Vorlesung im Supermarkt halten.

Im altehrwürdigen “Herrenhaus” entwickeln sich spannende Ideen.


Weiterführende Hinweise

aus dem ZLL-Blog

Universität zu Lübeck

Hochschuldidaktische Forschung und Anwendung

  • Wankat, Phillip C./Felder, Richard M./Smith, Karl A./Oreovicz, Frank S. 2002: The Scholarship of Teaching and Learning in Engineering. In: Huber, M. T./Morreale, S. (Hg.): Disciplinary Styles in the Scholarship of Teaching and Learning: Exploring Common Ground, Kap 11 (Reihe AAHE/ Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching). Washington.
  • Mettetal, Gwynn 2001: The What, Why and How of Classroom Action Research. In: The Journal of Scholarship of Teaching and Learning (JoSoTL), Volume 2, Number 1 (2001).

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