Qualifizierungsprogramm „Forschendes Lernen an der TUHH“ geht in die zweite Runde

Zum zweiten Mal startete im November 2015 am Zentrum für Lehre und Lernen das Qualifizierungsprogramm zum „Forschenden Lernen an der TUHH“ – für 20 Wissenschaftliche MitarbeiterInnen aus fünf Dekanaten.

Diese hochschuldidaktische, ingenieursnahe Qualifizierung zielt darauf ab, Wissenschaftliche MitarbeiterInnen an Forschendes Lernen heranzuführen und sie bei dessen Integration in ihre eigene Lehre systematisch zu unterstützen. Dabei bekommen die Teilnehmenden zugleich eine didaktische Basisqualifikation für gute Lehre.

Das einjährige Programm besteht aus einer Serie von sechs ganztägigen, aufeinander aufbauenden Workshops, die zweimonatlich stattfinden und integrierten Praxisprojekten, die sich ebenfalls über ein Jahr erstrecken Qualifizierungsprogramm »Forschendes Lernen an der TUHH« (siehe Abbildung Qualifizierungsprogramm “Forschendes Lernen an der TUHH”).

Beim “Forschenden Lernen”, definitorisch oft nach Huber (2009) ([a]) verwendet, werden bestehende und zeitgemäße didaktische Methoden und Ansätze, wie Aktives oder Problembasiertes Lernen, unter dem Blickwinkel der Forschungsnähe eingesetzt. Dazu wird in den Workshops ins Forschende Lernen basierend auf dem erweiterten Healey-Modell  (vgl. [b], [c]) eingeführt. Im Kontext von Forschendem Lernen werden didaktische Grundsätze und ausgewählte, maßgebliche Methoden erarbeitet. Weiterhin wird in diesem Licht die Fähigkeit zur Lehrveranstaltungsplanung und zur Betreuung studentischer Arbeiten entwickelt. Um die neuen Erkenntnisse aus den Workshops auch gleich in die Lehre des eigenen Instituts zu integrieren, kann das neue Wissen direkt durch die Begleitprojekte in Lehrverbesserungen einfließen.

Liegt es nicht nahe, dieser Praxisanwendung von Forschendem Lernen vorzuschalten, dass zunächst der Verbesserungsbedarf der eigenen Lehre forschend beleuchtet wird, um das so ermittelte Lehrproblem dann passgenau und systematisch zu lösen? Grundidee ist hier, die jungen WissenschaftlerInnen nachhaltig zu befähigen, auch in Zukunft zu jeder Lehrveränderung genau und effizient als Teil des Alltagsgeschäfts an der Hochschule untersuchen zu können, für welches Problem eine passgenaue und damit wirksame Veränderung gesucht wird.

In den begleitenden Praxisprojekten reflektieren die Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen forschend im Team von zwei Personen über Lehre und Lernen in den von ihnen betreuten Laborpraktika, Hörsaalübungen, Seminaren oder problembasierten Lehrveranstaltungen. Zu Beginn stellen sie selbst Fragen zur eigenen Lehrveranstaltung und zum studentischen Lernen, definieren mögliche Engpässe und formulieren Hypothesen. Dementsprechend gestalten sie ihren Untersuchungsansatz, erheben neue oder nutzen bereits vorhandene Daten, führen ihre Untersuchung durch, analysieren, interpretieren und verschriftlichen ihre Ergebnisse (vgl. [d]). Abschließend präsentieren und diskutieren sie kurz ihre Resultate vor interessiertem Publikum. Damit durchlaufen sie in ihren Projekten wie in einer Simulation typische Phasen eines kompletten Forschungszyklus. Zur pragmatischen Gestaltung des “Scholarship of Teaching and Learning” in den Ingenieurwissenschaften (vgl. [e]) wird für die Praxisprojekte der Ansatz des “Classroom Action Research” (vgl. [f]) verwendet.

Für die teilnehmenden Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen eröffnet das Qualifizierungsprogramm die Möglichkeit, insbesondere für die Lehre als auch – quasi als Nebenprodukt – für Ihre Forschung Handlungskompetenz zu entwickeln. Sie können systematisch und forschend Herausforderungen des Lehralltags und des studentischen Lernens erörtern, diese mit KollegInnen oder mit didaktischen BeraterInnen diskutieren und innovative Lehrveranstaltungen planen und umsetzen. Schließlich bekommen sie in der Lehrgangsgruppe die Chance, ihr persönliches Netzwerk an der TUHH auszubauen.

Die erste Gruppe, bestehend aus 12 Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen mit Start im Sommer 2015, hatte am Mittwoch ihr Bergfest. Ihr Feedback nach dem 4. Workshop zum Thema „Verortung von Forschendem Lernen“ war positiv.

Sie sind an weiteren Informationen interessiert, haben Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie gerne Dr. Ulrike Bulmann, Fachreferentin für Forschendes Lernen am ZLL.

 

Autoren: Dr. Ulrike Bulmann, Dr. Klaus Vosgerau.

 

Referenzen:

[a] Huber, L. (2009) Warum forschendes Lernen nötig und möglich ist. In Huber, L., Hellmer, J., Schneider, F. (Hg.). Forschendes Lernen im Studium. Aktuelle Konzepte und Erfahrungen. Bielefeld. Universitätsverlag Webler, S. 9-35.

[b] Healy, M. (2005) Linking Research and Teaching. Exploring disciplinary spaces and the role of inquiry-based learning. In. Barnett, R. (Ed.) Reshaping the Univerity. New Relationships between Research, Scholarship and Teaching. McGraw Hill/ Open University Press. 67-78.

[c] Deicke, W., Gess, C. und J. Rueß. (2012) Implementing Research Based Education. Challenges and Opportunities. Workshop. Tagung. “Research-based Education. Strategy and Implementation”. Eötvös Lorand University. Budapest.

[d] Huber, L. (2011) Forschen über eigenes Lehren und studentisches Lernen – scholarship of Teaching and Learning (SoTL). Ein Thema auch hierzulande?. Das Hochschulwesen. Ausgabe 4. S. 118-124.

[e] Wankat, P. C., Felder, R. M., Smith, K. A., Oreovicz, F. S. (2002) The Scholarship of Teaching and Learning in Engineering. In. Huber, M. T./Morreale, S. (Hg.). Disciplinary Styles in the Scholarship of Teaching and Learning. Exploring Common Ground, Chap 11 (AAHE/Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching). Washington.

[f] Mettetal, G. (2001) „The What, Why and How of Classroom Action Research“. J. of SoTL. 2001. Vol. 2. No. 1.

 

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