Projektbasiertes Lernen und Prüfen – ein Praxisbeispiel aus der Mathematik

In der Veranstaltung „Numerik gewöhnlicher Differentialgleichungen“ hat der promovierte Mathematiker Christian Seifert nun schon zum zweiten Mal sein neues Konzept ausprobiert: Damit die Studierenden die theoretischen Inhalte der Veranstaltung  „Numerik gewöhnlicher Differentialgleichungen“ besser verstehen, hat er im Laufe der Veranstaltung vier Projektaufgaben gestellt, je zwei als Einzel- und zwei als Gruppenaufgaben. Diese bezogen sich insbesondere auf die praktische Umsetzung der Verfahren (der Programmierung der Algorithmen) und deren Testen an Problemen, da diese durch alleiniges Erklären in der Vorlesung kaum verstanden werden können.

In den Projekten wurden die numerischen Verfahren in praktische Anwendungskontexte gestellt. Erst durch das eigenständige Bearbeiten können Studierende ein tieferes Verständnis entwickeln und selbst Stolpersteine aufdecken, begründet Seifert die Projekte. Die Aufgaben hierfür waren bewusst offen gestaltet, sodass verschiedene Lösungsverfahren richtig sein konnten – wie es in der Realität auch der Fall ist.

Die Projektlösungen wurden in die Note einbezogen und dienten zugleich als Einstieg in die abschließende mündliche Gruppenprüfung. Da die Studierenden an der TUHH i.d.R. wenig mündliche Prüfungen haben, kann so ein vorbereiteter Einstieg auch dabei helfen, mögliche Prüfungsangst zu verringern.

Trotz des etwas höheren Aufwands zieht Seifert nach der Umstellung seiner Veranstaltung ein positives Fazit. Entscheidend sei das Feedback zu den Projekten während des Semesters, so Seifert. Dadurch merken die Studierenden, was sie ggf. noch nachbearbeiten müssen und sind am Ende gut vorbereitet für die Prüfung. In den Prüfungen zeigte sich dann, dass tatsächlich ein großer Teil der etwa 60 Studierenden die Inhalte gut verstanden hatte – und deutlich besser als in den Vorjahren ohne die Projekte (Verbesserung des Notendurchschnitts von etwa 3,0 ohne Projekte auf diesmal 1,74).

Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch die Studierenden von dem neuen Konzept überzeugt sind: „Weiter so mit den Projekten!“ schreibt eine/r der Studierenden nach der Prüfung in der Evaluation. Und 100% stimmen der Aussage voll oder eher zu: „Durch die Projektaufgaben habe ich die theoretischen Inhalte besser verstanden.“ Ebenso viele geben zudem an: „Ich würde die Veranstaltung als Ganzes weiterempfehlen“.

Wir freuen uns über dieses gute Ergebnis und ein weiteres tolles Praxisbeispiel für eine Lehrinnovation – die hoffentlich in der Zukunft noch viele Nachahmerinnen und Nachahmer findet.

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