„Das Online-Semester klappt echt besser als ich dachte.“

Das Online-Semester: Erfahrungen aus dem realen Leben.

Gastbeitrag von Anton Wichmann (Student im 6. Semester Allgemeine Ingenieurwissenschaften (BA), Tutor in Elektrotechnik II und Teilnehmer der ersten digitalen Tutorenschulung)

Endlich auch einmal an der Tafel stehen und dabei in die Gesichter der Studierenden schauen, während man mit Additionstheoremen, Integralen und komplexen Zahlen herumwürfelt?

Das dachten sich sicher viele Studierende, die sich in diesem Sommersemester 2020 als studentische Tutoren erproben wollten. Doch es sollte ganz anders kommen: Statt Tafel, Seminarraum und Meldungen per Handzeichen sind jetzt Webcam, Videokonferenztools und bestenfalls die neuste technische Ausstattung zu Hause gefragt. Ganz zu schweigen von einer stabilen Internetverbindung, die natürlich obligatorisch sein sollte.

Bei diesen neuen Herausforderungen ist viel Engagement gefragt. Möchte man der Öffentlichkeit sein Wohnzimmer im Hintergrund zur Verfügung stellen? Ist vielleicht doch das Bild des letzten Strandurlaubs als virtueller Hintergrund geeigneter? Oder vielleicht ein schmissiges Instituts-Logo?
Wie stellt man den Studierenden den „Tafelanschrieb“ zur Verfügung oder schaut ihnen beim Rechnen über die Schulter?

Am einfachsten sind sicher ein Tablet und ein digitaler Stift. Schnell ist der Bildschirm geteilt und alle Studierenden können darauf zugreifen. Doch wie sieht es mit weniger gut ausgestatteten Studierenden aus? Die Preise im Internet für neue Webcams und Tablets steigen gerade in diesen Tagen rasant. Keine Option also! Kreativität ist gefragt! Schnell kann ein altes Handy und eine Handyhalterung aus dem Auto beschwert mit einem Marmeladenglas zu einer perfekten Dokumentenkamera umgebaut werden. Die Online-Lehre kann beginnen.

Zum Glück stellt man immer wieder fest: Studierende, Professoren, Seminarleiter – alle sitzen in einem Boot und schlagen sich derzeit mit den gleichen Problemen herum. Während einige Professoren ihre Vorlesungen schon immer mit digitalen Folien gehalten haben oder bestenfalls sogar auf Videoaufzeichnungen zurückgreifen können, stehen Freunde der Tafelkreide vor größeren Problemen. So kann es im Extremfall vorkommen, dass das Vorlesungsmaterial per USB-Stick und Post zur Verfügung gestellt wird.

Obwohl man sich nun seine Zeit fast komplett selbst einteilen kann und auch die Wege zum Unicampus wegfallen, fehlt der Hörsaal doch zunehmend. Auch gibt es ganz neue Ablenkungsfaktoren, beispielsweise den Kühlschrank. Die Sozialkontakte bleiben trotz Zoom und anderer Programme eingeschränkt und der kleine Smalltalk vor der Vorlesung mit dem Sitznachbarn kommt nicht zustande.

Diesen einen Satz hört man in den letzten Tagen immer öfter: „Das Online-Semester klappt echt besser als ich dachte.“ Lasst uns alle mithelfen, dass dies so bleibt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert