“Neu, besser, exzellent!” – Wie das Neue in die Lehre kommt und dort bleibt

Ziel des ZLL ist die Entwicklung einer neuen Lehr- und Lernkultur an der TUHH. Zu den Ansatzpunkten zählen vor allem die mittlerweile knapp 70 Lehrinnovationsprojekte, mit denen didaktische Ideen in die Instituten getragen und dort verankert werden. Doch was heißt eigentlich “innovativ” – und wie wird das, was heute eine Innovation ist, zum Standard von Morgen?

Diese Fragen haben Vertreter_innen von Universitäten, Verbänden, Ministerien und Wissenschaftsförderung Anfang März auf einer Konferenz in Berlin diskutiert. Mit dem Titel “Neu, besser, exzellent? Über Innovationen in der Hochschullehre” wurde eine der Leitfragen vorgegeben – und sogleich beantwortet: Nicht alle Initiativen für gute Lehre, die derzeit die Hochschullandschaft durchziehen, müssen “exzellent” sein, um den Lehrbetrieb zu verändern. Man einigte sich schnell darauf, dass es um das “besser” geht – vor allem darum, besser zu werden, als man es vorher selbst gewesen war.

Isa Jahnke von der Umea Universität (Schweden) fragte dann nach der richtigen Strategie: Wie kann das neue Bessere in einer Institution verankert werden? Jahnke machte hierfür im wesentlichen drei Faktoren aus: Erstens erzählen Studierende von guten Lehrveranstaltungen und verbreiten die Information auf dem Campus; zweitens bekommen innovative Lehrende die Gelegenheit, sich miteinander zu vernetzen und zu verbünden; und drittens sind einige Lehrveranstaltungen so attraktiv und qualitätsvoll, dass dank der Kraft der guten Idee auch andere überzeugt werden.

Dies alles sollte nach Jahnke dadurch flankiert werden, dass sich nicht nur die Dozentinnen und Dozenten, sondern auch die lehrunterstützenden Stellen der Verwaltung weiterentwickeln, um dem veränderten Bedarf von Lehre und Lernen gerecht zu werden. Hierzu kann gehören, dass Prüfungsverwaltung, Raumvergabe oder Rechenzentrum mit neuen Veranstaltungsarten, einer größeren Streuung von Prüfungsterminen im Semester oder  einer Vielzahl studentischer Lerngruppen je Veranstaltung umgehen müssen.

Tobias Jenert von der Universität St. Gallen (Schweiz) wies weitergehend darauf hin, dass die Lehrentwicklung nicht nur auf organisatorische Veränderungen, sondern auch auf die Disziplin schauen sollte. Denn was bringt zum Beispiel eine neue Form bei veralteten Inhalten? Fortschritte bei Struktur, Didaktik und Fachinhalten sollten aktiv miteinander verbunden werden. In diesem Zusammenhang müsse die Lehrförderung auch darauf achten, dass die Verbindung von Lehre und Forschung grundlegend in den Hochschulunterricht eingeht.

Die Diskussion zur Bedeutung des Geldes lief hingegen kontrovers:  Einige prognostizierten, dass die Lehre unterbewertet bleibt, solange sich der Erfolg innovativer Veranstaltungen, Module und Studienprogramme nicht auch in Kennzahlen zur Bemessung von Dekanatsmitteln und persönlichen Zulagen spiegelt. Andere hingegen setzen Ihre Hoffnung in die Entwicklung eines eigenen Drittmittelmarkts mit Ausschreibungen und Preisen, der auch für Professor_innen Anerkennung verspricht, die diese Bestätigung auf dem Feld der Forschung bereits gewöhnt sind.

Allerdings ist nicht alles, was für die Lehre förderlich ist – wie mehr Zeit oder mehr Geld – an sich bereits eine Innovation. Was letztlich zählt, ist ihre Umsetzung in eine nachhaltige Lehr- und Lernqualität. Klar wurde in Berlin aber auch, dass Innovationen durch gezielte Unterstützung gefördert und damit wahrscheinlicher gemacht werden können. Eine Reihe innovationsfreudiger Universitätslehrer_Innen hat hierzu einen bundesweiten Aufruf verfasst; sie laden dazu ein, ihn zu unterzeichnen oder zu kommentieren.

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