Mit wachsenden Studierendenzahlen umgehen – ein Interview mit Prof. Dr.-Ing. Heike Flämig

Frau Prof. Dr.-Ing. Heike Flämig ist Leiterin des Studiengangs Logistik & Mobilität (LUM) und Professorin im Institut Verkehrsplanung und Logistik.

ZLL: Was hat Sie dazu veranlasst sich mit dem Studiengang als Ganzem zu befassen?

Flämig: Viele unserer Studierenden wissen zu Beginn ihres Studiums nicht genau, was sie studieren – die Ziele sind ihnen nicht klar. Der Studiengang beinhaltet die Grundlagenfächer Mathematik und Technische Mechanik, die meisten erwarten aber eher Managementinhalte. So kommt es zu einer hohen Abbruchquote. Ziel ist es also, geeignete Studierende zu gewinnen, die zudem wissen, was auf sie zukommt, die gut durch das Studium kommen und das möglichst auch noch in Regelstudienzeit.

Grundsätzlich haben wir mit den Fächern Mathematik, Ingenieurwissenschaften und diversen
betriebswirtschaftlichen Fächern einen sehr interdisziplinären Studiengang. Eine große Herausforderung ist es, die optimale Verzahnung der Disziplinen herzustellen.

Auch inhaltlich müssen wir einiges überdenken. Beispielsweise war Programmierung vor der Modularisierung ein Pflichtfach, das dann abgeschafft wurde. Allerdings kann kaum einer der Studierenden heute mit Excel umgehen oder programmieren. Für einige Inhalte, z. B. Kommissionierungssysteme oder Simulationen, sind Programmierkenntnisse
jedoch die Voraussetzung, um überhaupt das Modul zu bestehen. Die müssen dann noch zusätzlich vermittelt werden.

Welche Ziele sollen mit der Studiengangweiterentwicklung erreicht werden?

Flämig: Auf Seite der Professorenschaft ist es wichtig, die aktuellen Entwicklungen wie Industrie 4.0 oder auch selbstfahrende Fahrzeuge im Blick zu behalten und in den Studiengang zu integrieren. Wir möchten die Studierenden auch dazu motivieren, sich für andere Themen wie z. B. aus der Informatik zu begeistern, die ebenfalls im Studiengang verankert sind.

Schön wäre es außerdem, das Profil des Studiengangs „Logistik und Mobilität“ weiter zu schärfen und einer kontinuierlichen Qualitätsprüfung zu unterziehen, sodass wir weiterhin auf dem richtigen Pfad bleiben.

Gibt es „typische“ LUM-Studierende und was macht diese aus?

Flämig: Nach der Analysephase wissen wir in etwa, wie die typischen LUM-Studierenden aussehen. Fast alle haben Abitur, jedoch ist der Notendurchschnitt im Laufe der Zeit gesunken. Aber die Abiturnote ist nicht alles – wir haben in der Analyse festgestellt, dass selbst Studierende mit einem schlechten
Notendurchschnitt bestehen, wenn sie ambitioniert sind. Wir haben zudem gesehen, dass Studierende, die in den ersten zwei Semestern gut durchkommen auch den Rest des Studiums schaffen. Das heißt, wir müssen frühzeitig an der Einstellung der Studierenden arbeiten. Hierzu sind auch Informationen im Vorfeld des Studiums wichtig.

Rund 80 % unserer Studierenden kommen aus Norddeutschland. Ich selbst bin aus Berlin und habe damals nicht unbedingt an die Wichtigkeit des Hamburger Hafens gedacht, obwohl der eigentlich essentiell ist, wenn man Logistik studieren möchte. Die Nachfrage nach logistischen Themen ist aufgrund des Hafens höher als nach Themen zur Personenmobilität, obwohl beide Gebiete von einander „lernen“ können, wenn man an UBER denkt, oder an Drohnen, die z. B. irgendwann Medikamente bringen.

Welche Erkenntnisse konnten Sie aus der Datenanalyse gewinnen?

Flämig: Aktuell sind wir sind bei der Maßnahmendefinition, einige davon haben wir schon festmachen können: In der Frühphase wollen wir uns vor allem darum kümmern, den Studierenden zu zeigen, wie richtiges Studieren funktioniert und was der Studiengang beinhaltet. So wissen sie genau, was sie erwartet, können den Aufbau besser verstehen und vor allem, warum sie bestimmte Fächer brauchen. Dazu haben wir bereits Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fächern, wie z. B. der Informatik, einbinden können, die uns anwendungsorientiert unterstützen.

In den Fokusgruppeninterviews wurde uns noch einmal bestätigt, dass wir in den Wahlpflicht- und in den Pflichtbereichen durch die hohe Anzahl der Studierenden ein Kapazitätsproblem haben, das wir mit dem internen wissenschaftlichen Personal kaum bewältigen können. Um trotzdem optimale Bedingungen für die Studierenden zu schaffen, entwickeln wir neue Lehrkonzepte, um Inhalte sinnvoll an eine große Gruppe Studierender vermitteln zu können, aber auch das Lehrpersonal zu entlasten, wenn wir hier nicht aufstocken können.

Es ist wichtig, dass man ab und zu einen Impuls von außen bekommt, in diesem Fall vom ZLL, sich mit diesen Dingen auseinander zu setzen. In den letzten Jahren ist es doch stark um Forschungsfragen und weniger um die Lehre gegangen, obwohl auch daraus spannende Forschungsfragen entstehen. Der Prozess der Studiengangentwicklung muss nun weiter gestaltet werden. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir dabei die Forschungsschwerpunkte der Logistik und Mobilität noch stärker nutzen. Die Studierenden zeigen jedenfalls großes Interesse.

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