“Mich erfreut die Disziplin meiner Bachelorstudierenden”

Digitalisierung der Lehre am Institut für Logistik und Unternehmensführung

Die Umstellung von Präsenzveranstaltungen auf Online-Lehre ist das Thema der Stunde an der TUHH. Vor welchen Herausforderungen stehen die Institute aktuell und welche Lösungen sind bereits erprobt? Im sechsten Teil unserer kleinen Interview-Serie berichtet Oberingenieurin PD Dr. habil. Meike Schröder über ihre Erfahrungen und Herausforderungen am Institut für Logistik und Unternehmensführung der TUHH.

Welche Lehrveranstaltungen müssen jetzt bei Ihnen umgestellt werden und vor welche Herausforderungen stellt Sie das?

Ich halte die Lehrveranstaltung Logistikwirtschaft für Bachelor-Studierende im 2. Semester. Diese setzt sich „normalerweise“ aus Präsenzveranstaltungen und PBL zusammen. In diesem Semester führen wir beide Teile online durch. Aktuell sind 82 Studierende für die Vorlesung eingeschrieben.

Vor welchen (technischen und didaktischen) Herausforderungen standen Sie vor Beginn des Semesters und wie konnten diese gelöst werden?

Die Herausforderung bestand weniger in der technischen Anbindung, als vielmehr in der professionellen Bedienbarkeit des ZOOM-Tools, nämlich ein mir bis dato unbekanntes Tool so professionell einzusetzen, dass ich meinen Studierenden eine gehaltvolle Lehrveranstaltung anbieten kann.

Wir haben daher an unserem Institut mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern alle möglichen Szenarien und Bedienungsoptionen durchgespielt. Nach dem Motto „Was kann das Tool leisten? Welche Features helfen bzw. stören den Ablauf einer Vorlesung“ durften alle möglichen Knöpfe gedrückt werden.

In didaktischer Hinsicht habe ich mir die Frage gestellt, wie ich die Studierenden online aktiv in die Lehrveranstaltung einbinden und so ihre Aufmerksamkeit aufrechterhalten kann. Denn machen wir uns nichts vor: es ist als Zuhörer oft nur schwer möglich, einem 1 ½-stündigen Online-Vortrag – zudem in heimischer Atmosphäre, in der man schneller abgelenkt wird – die ganze Zeit aufmerksam zu folgen. Um auch dieser Herausforderung zu begegnen habe ich mir vor Semesterbeginn verschiedenste Online-Tutorials angeschaut, welche Optionen ZOOM hier bietet. Auch hatte mir das ZLL die Möglichkeit verschafft, an einer externen ZOOM-Schulung teilzunehmen, was mir sehr geholfen hat.

Welche Tools nutzen Sie um mit Ihren Studierenden in Kontakt zu bleiben und wie sind Ihre Erfahrungen mit diesen Tools bisher?

Wir hatten an unserem Institut zu Beginn des Semesters beschlossen, unsere Studierenden nicht mit zu vielen neuen Tools zu „überladen“. Da die Situation für alle neu war, gab es Ende April noch keine Tools, die sich als TU-Standard herauskristallisiert hatten.

Während der Vorlesung nutzen die Studierenden die Chat-Funktion in ZOOM, um Fragen zu stellen. Ich baue auch immer eine kurze themenbezogene „Breakout-Session“ während der Vorlesung ein, um die Kommunikation zwischen den Studierenden zu fördern. Dort können sie sich kurz austauschen und kommen manchmal mit Fragen aus dem Breakout-Room zurück. Diese beantworte ich dann im Plenum. Zum Schluss bleibe ich immer noch eine Weile online, falls jemand direkt Fragen an mich stellen möchte.

Nach der Vorlesung stehen wir den Studierenden „ganz klassisch“ via StudIP/E-Mail für Fragen zur Verfügung.

Gibt es Positives, das Sie der aktuellen Umstellung auf digitale Lehre abgewinnen können?

Was mich immer wieder aufs Neue erfreut, ist festzustellen, wie störungsfrei die 1 ½-stündige Vorlesung abläuft. Damit meine ich weniger die technische Stabilität des Tools, als vielmehr die Disziplin meiner Bachelorstudierenden. Dies gilt für die Diskussionen im großen (Online-)Plenum, ebenso wie für ihren „Zuhörermodus“ – ich hoffe, dieser Zustand hält noch lange so an.

Was ebenfalls sehr gut klappt, ist das Aufzeichnen der Vorlesung über ZOOM. Anschließend laden wir das Video auf Mediasite hoch und binden den Link in StudIP ein. Dort können sich die Studierenden die Vorlesung nochmal anschauen, wenn sie z.B. technische Probleme hatten oder etwas nicht verstanden haben.

Wie meinen Sie, geht es den Studierenden aktuell?

Wir haben letzte Woche eine kurze Befragung via StuIP bei den Studierenden der Vorlesung gemacht. Hier ging es um ein Feedback zu den ersten Vorlesungswochen, wie z.B. zum Umfang der Aufgaben und Übungen in StudIP-Vips, zum Diskussionsanteil in der Vorlesung (in den Breakout-Sessions), zum Einsatz ihrer Audiofunktion (Einschalten ihrer Kameras und Mikros). Das Feedback war sehr positiv, daher werden wir am Format vorerst nichts ändern.

Ich denke auch die Studierenden haben sich mittlerweile gut auf die neue Situation eingestellt. Natürlich erfordert ein „Online-Semester“ mehr Selbstdisziplin und eine höhere Eigenmotivation, da der persönliche Kontakt zwischen den Studierenden stark eingeschränkt und so z.B. ein gemeinsames Lernen mit Freunden oft nicht möglich ist. Aber auch das werden unsere Studierende meistern!

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Zeit und die spannenden Einblicke in Ihre Lehre. Für das laufende und die kommenden Semester wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg.

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Bildquelle: freepik.com

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