Lehre mit Zoom – didaktisch gesehen

(aus der Reihe „Gute Online-Didaktik mit Zoom“)

Viele Fragen und Probleme mit der Lehre im digitalen Corona-Semester ähneln stark den alten: Es erscheint vergleichsweise gut umsetzbar zu sein, den Studierenden einen – analogen oder digitalen – Stream zur Vermittlung von Fachwissen anzubieten. Also eine Abfolge von Lehreinheiten zuzuschneiden, die in einem ‚Raum‘ zu einer geplanten Zeit vom Lehrenden angeleitet und übermittelt werden. Das Ergebnis ist dann zunächst einmal das überwiegend „rezeptive Lernen“ (Reinmann 2015), bei dem die Kommunikation weitgehend in einer Richtung vom/von der Lehrenden zu den Studierenden verläuft.

Dies kann bedeuten, dass die Vorlesung, die Hörsaalübung oder andere Veranstaltungsformate, in denen der Lehrvortrag eine maßgebliche Rolle spielt, vergleichsweise direkt aus der analogen in die digitale Welt übertragen wird. Dabei würden allerdings die spezifischen Vorteile und Potentiale der digitalen Lehre ungenutzt bleiben, mit denen sich eine zeitgemäße universitäre Didaktik so umsetzen lässt, dass fachliche wie personale Lernziele überzeugend eingelöst werden (André 2018, Handke 2020).

In der Corona-Krise stellen sich bekannte Fragen zur Lehre unter neuen Vorzeichen: Wie kann ich die Aufmerksamkeit und Motivation im Verlauf einer Lehreinheit von 60 oder 90 Minuten auch mit digitalem Unterricht durch aktives Lernen (Freeman et al. 2014, Lüth 2014) hochhalten, immer wieder erneuern und stimulieren? Wie kann ich Studierende zum eigenen Denken anregen, ein möglichst eigenständiges Lernen ermöglichen und sie zum gemeinsamen Arbeiten bringen (Simon 2020)? Und wie kann ich schließlich immer wieder ein eigenes oder ein Peer Feedback einstreuen?

Antworten auf diese Fragen zu finden, ist in der digitalen Lehre besonders wichtig: Die Sinne werden beim reinen Zuhören und Zuschauen in Online-Videokonferenzsystemen deutlich reduzierter angesprochenen, was ein konzentriertes Lernen erschwert. Mehr noch als in der analogen Welt geht es deshalb darum, eine gute Balance aus rezeptiven und aktiv-übenden oder aktiv-gestaltenden Lernanteilen zu ermöglichen und dafür unterschiedliche Medien zu nutzen. Dies sollte möglichst mit der eigenen Auseinandersetzung der Lernenden mit einer Fachfrage oder mit einem fachlichen Problem einhergehen.

Dafür ist bei der Lehre mit Zoom einiges zu bedenken, was schon zuvor wichtig für die Lehrplanung war: Welche Lernziele will ich als Lehrende/r ansteuern, kurzfristig beim Termin und langfristig bis zum Ende des Semesters? Mit welchem Kompetenzniveau ist dies jeweils verbunden? Und schließlich: Welche kommunikativen und didaktischen Instrumente stehen dafür im digitalen Semester zur Verfügung? Reicht eine Konzentration auf Zoom und Stud.IP oder muss ich für meine persönlichen Lehrziele besondere digitale Tools einsetzen?

Es liegt nahe anzunehmen, dass dafür allein das digital vermittelte Zuhören mit gleichzeitiger Ansicht des ‚Host‘ in einem Bildschirmfenster ein zu schmales digitales Lernszenario darstellt. Und eine zusätzlich angebotene Präsentation, die per Bildschirmfreigabe geteilt wird, bleibt dabei ähnlich ambivalent wie in der Präsenzlehre: Meistens notwendig und hilfreich, allein aber kein Garant für länger anhaltendes, motivierendes Lernen und Verstehen. Um den digitalen Lehransatz zu erweitern geht es mehr denn je zunächst darum, die Sprechanteile durch den eigenen Input an Fachwissen und Instruktion klug zu beschränken. Dies geht am besten damit einher, dass Inhalte ausgelagert werden und sich die Studierenden vor einer Konferenz-Session selbständig und zielgenau vorbereiten. Und dass dies den Lernenden in der neuen digitalen Arbeitsteilung der Hochschullehre auch verbindlich abverlangt und nicht nur angeboten wird.

In folgenden Beiträgen werden wir Schritt-für-Schritt-Optionen mit Zoom, Stud.IP und weiteren, ausgewählten Tools vorstellen. Dadurch wollen wir Ihnen ermöglichen, aus Ihrer Zoom-Session mehr zu machen als eine ins Digitale übersetzte Version einer Lehrveranstaltung, die von den Studierenden ein noch disziplinierteres Zuhören, wenngleich mit neuester Technik verlangt.

Falls Sie sich einmal zum Einsatz anderer Plattformen, z. B. BigBlueButton, austauschen möchten, so sprechen Sie uns gerne an.


Dies ist der erste Teil unserer Reihe „Gute Online-Didaktik mit Zoom“. An diesen Einstieg ins Thema schließen die weiteren Beiträge 02 zu den verschiedenen Funktionen von Zoom und 03 zu weiteren Tools, die mit Zoom kombiniert werden können, an. In Kürze wird abschließend Teil 04 zu Feedbackmöglichkeiten mit Zoom erscheinen.

01 Lehre mit Zoom – didaktisch gesehen

02 Hands on – eine Lehrveranstaltung mit Zoom und Stud.IP gestalten

03 Zoom-Veranstaltungen durch weitere Tools optimieren

04 Feedback Geben mit Zoom (und Prüfen mit BigBlueBotton)


Quellen:

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