Kreativität in Lehre und Forschung – Hat man’s oder macht man’s?

Gelegentlich werden an Universitäten Seminare zu Kreativitätstechniken angeboten. Dabei ist überraschend: Zwischen Teilnehmern aus Forschung und Lehre wird kein Unterschied gemacht. Und noch überraschender: Kreativität lässt sich organisieren!

Kreativität wird zumeist einzelnen Personen, gelegentlich der Umgebung zugeschrieben (“Ein kreativer Ort!”). Ihre konkreten Bedingungen gelten aber als geheimnisvoll und diffus. Mehr Klarheit besteht hingegen darüber, wie ihre Ergebnisse beschrieben werden können. Als Beispiel: Kreativität bedeutet, “neue oder alternative Verbindungen zwischen bislang unverbundenen Gedächtnisinhalten” herzustellen (Dr. Sonja Beer, Coach und Dozentin an der Universität zu Lübeck).

KREATIVITÄT IM UNIVERSITÄREN ARBEITSALLTAG

Kreative Momente ergeben sich in unterschiedlichen Situationen: Durch anregende Gespräche oder Konferenzen, während eines Waldspaziergangs oder auch beim Blick aus der S-Bahn. Generell gelten ein Wechsel des Arbeitsortes und ein zeitweiser Ausstieg aus der üblichen Tätigkeit als förderlich. Auch die geplante “Kreativrunde” im Kreis der Kollegen, abgesetzt vom Büroalltag, kann kreative Ideen hervorbringen. Besonders zuträglich ist es, wenn dabei eine hohe Beteiligung erreicht wird und die Hierarchie in der Gruppe in den Hintergrund tritt, um der Kooperation und der Intuition Raum zu geben. Solche Szenarien sind gut auf den üblichen Lehrbetrieb übertragbar.

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Für die Forschung wird schon immer angenommen, dass Kreativität regelhaft in ihr vorkommt. Obwohl der Forschungsprozess immer mehr auf Maßgaben des Projektmanagements, auf Förderstrukturen von Dritten und auf Regeln guter Praxis abgestimmt ist, wird immer wieder von “der” guten Phase oder “dem” entscheidenden Wochenende berichtet. Die nobelpreiswürdige Entdeckung des “Higgs-Teilchens” am Genfer CERN ist da nur ein besonders leuchtendes Beispiel von vielen. Kreative Momente in inspirierender Umgebung eben. Apropos CERN: Eigentlich geschieht in dieser Großforschungseinrichtung nichts zufällig, fast alles ist geplant und geregelt. Dennoch gilt auch hier: Ohne Kreativität geht nichts.

KREATIVITÄT IN DER LEHRE

Auch die Hochschullehre wandelt auf dem Pfad zwischen rahmengebenden Regelwerken einerseits (Prüfungsordnungen, Modulkonzepte, Akkreditierung u. a. m.) und dem gewünschten “Flow” in der Lehrsituation, dem unvermeidlichen Auftauchen des nicht Planbaren andererseits. Dabei bereiten die Strukturvorgaben und die Grundsätze der Didaktik den Weg, der von den Lehrenden und Lernenden letztlich selbst gegangen werden muss. Aber welche Rolle kann hier die Kreativität spielen? Wieso ist sie in Bildungsprozessen nützlich?

Gezielte Förderung von Kreativität kann helfen, die Lernziele der Veranstaltung, des Studienprogramms und des Einzelnen besser zu erreichen. Dabei baut sie auf Vorbedingungen auf, die zunächst gegeben sein sollten: Die einschlägigen Methoden zur Anregung von Kreativität, die dem Repertoire der Beratungs- und Workshoptechniken entlehnt sind, setzen die grundsätzliche Motiviertheit, die Selbständigkeit und die Eigenverantwortlichkeit des Arbeitens (des Lehrens, Lernens) voraus. Beispiele für die Lehre, um Ideen entstehen zu lassen und zu strukturieren, sind das “Mind Mapping”, die “Aufstellung”, die “Osborn-Frageliste” oder das “World-Café”.

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Einen besonders runden Ablauf bieten die fünf Schritte der “Walt-Disney-Methode”. Schritt 1: Zu einem definierten Problem wird frei zu möglichen Lösungsansätzen assoziiert, die in einem Mind Map festgehalten werden –> Schritt 2: Die Gruppe setzt sich um einen Tisch, und auf Karten notierte Lösungsansätze aus dem Mind Map gehen wie beim Kartenspiel einmal herum; dann kann jede/r daran anschließende Ideen auf weitere Karten schreiben, die ihrerseits einmal die Runde passieren und schließlich abgelegt werden –> Schritt 3: Neu aufgekommene Ideen und Lösungsansätze werden auf einer Metaplanwand gruppiert –> Schritt 4: Klärung der Angemessenheit und Umsetzbarkeit der einzelnen Ansätze –> Schritt 5: Prüfung der Ideen durch die Rolle des “Kritikers”, der/die systematisch gegen das Neue, Kreative argumentiert. Was dann übrig bleibt, hat sich in der Gruppe als kreatives Neues bewährt.

Solche Techniken wären für den Einsatz in studentischer Gruppenarbeit, im PBL, im Forschenden Lernen und für Abschlussarbeiten sehr gut denkbar. Den Lehrenden wiederum könnten sie gerade zu Beginn der Wissenschaftskarriere oder bei der Neuausrichtung von Lehrveranstaltungen helfen, um inhaltliche und didaktische Lehrideen zu entwickeln.

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