Innovation Debates und One-Minute Paper: Reflexion²

Dr. Daniel Ehls || W-7 || 40 TN || 1. Master-Semester || Wahlpflichtfach || Innovation Debates

Ein verbreitetes Problem in der Hochschullehre ist, dass Studierende fachliche Inhalte wenig reflektieren und ihr Wissen oberflächlich oder gar von Fehlannahmen geprägt bleibt. Die Vielzahl an neuen Informationen in den Lehrveranstaltungen führt dazu, dass die Zeit zum Nachdenken und Ordnen des Wissens häufig zu knapp bemessen ist. Studierende verfallen so leicht in eine passive Lernendenrolle. Diesem Verhalten soll in der Lehrveranstaltung „Innovation Debates“ durch die Einführung kleiner Schreibaufgaben begegnet werden.

Im Kern der Lehrveranstaltung steht die Streitdebatte. Masterstudierende verschiedener ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge debattieren jeweils in zwei kleineren Gruppen eine vom Dozenten vorgegebene Hypothese aus Pro- und Contra-Sicht vor einem Plenum aus Kommilitoninnen und Kommilitonen. Thematisch werden Kontroversen aus der Schnittmenge von Ingenieurwissenschaft und Betriebswirtschaft aufgegriffen, z.B. Ansätze zur Ideengenerierung und -bewertung, radikale Innovationen, Plattformen und Crowdsourcing. Der Dozent moderiert die Debatte, die übrigen Studierenden bilden das Auditorium und stellen Fragen.

Um während dieser Debatten die Rolle der „passiven Zuschauenden“ aufzulösen und zugleich die tiefere Reflexion von Argumentationen anzuregen, wurden kleine, kontinuierliche Schreibaufgaben, sog. One-Minute Paper, eingeführt. Die Methode des One-Minute Papers bietet Studierenden wenig schreibintensiver Fächer einen niederschwelligen Einstieg in das Schreiben bei zugleich hohem kritischen Reflexionsgrad und führt damit zu einem höheren Lernzuwachs. Die Studierenden sollen wöchentlich in einem Online-Forum im Format eines kurzen Blogbeitrages und angeleitet durch eine Reflexionsfrage die Argumentationen der Pro- und Contra-Gruppen reflektieren. Damit die wöchentliche Schreibaufgabe anspruchsvoll bleibt, wurde die Reflexionsfrage stets neu formuliert und erst zum Ende der Lehrveranstaltung bekannt gegeben. Die entstandenen Texte bilden zugleich eine Art des Peer-Feedbacks für die Debattierenden.

Die Einführung der One-Minute Paper wurde von den Studierenden positiv aufgenommen. Die Methode eignet sich, um im Lehrgeschehen die Passivität der Studierenden aufzulösen und tiefere Reflexionen anzuregen. Es konnte beobachtet werden, dass die Studierenden während der Lehrveranstaltung verstärkt eigene Notizen anfertigen und somit ihre Aufmerksamkeit gesteigert wird. In den entstandenen Texten zeigt sich, dass über die Wiedergabe von Gehörtem hinausgehend auch das Beurteilen der Inhalte und Bilden von Synthesen erreicht wird. Studierende erfahren also nicht nur eine stärkere fachliche Auseinandersetzung durch das Debattenformat, sondern auch eine zusätzliche höhere Reflexion durch die One-Minute Paper.

Detailliertere Ergebnisse zum Einsatz der One-Minute Paper wurden auf einer Fachkonferenz zu Schreiblehrkonzepten an Hochschulen vorgestellt, das zugehörige Paper „Innovation Debates – Schreiben, Diskutieren, Lernen“ finden Sie hier.

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Kontakt: Dr. Daniel Ehls. daniel.ehls@tuhh.de

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