ILIAS – asynchron und synchron lehren

Sie haben wertvolle Erfahrungen in Zoom gesammelt? Gleichzeitig haben Sie das Gefühl, dass Sie noch weitere Möglichkeiten aktivierender, guter Lehre – ausprobieren oder ausschöpfen möchten? Dann versuchen Sie doch mal die Kombination mit den zahlreichen aktivierenden Möglichkeiten in ILIAS.

ILIAS baut an der TUHH auf der gleichen Nutzerverwaltung auf wie Stud.IP, das hier den Standard als Lernmanagementsystem bildet wie hier beschrieben. Zu ILIAS gelangt man direkt nach Anmeldung in Stud.IP mit nur zwei Clicks (auf „tools“ und dann auf „ILIAS“).

ILIAS ermöglicht zum Teil ähnliche, im Detail aber stärker ausgearbeitete Funktionen als stud.IP (z. B. Wiki, Forum, Chat). Durch eine ganze Reihe an weiteren Funktionen können studentische Lernabläufe in den Technikwissenschaften aber noch besser strukturiert und begleitet werden. Zum Repertoire der Plattform gehören zahlreiche Objekte, z. B. Mediacast, Medienpool, H5P, Blog, Test- und Bewertungswerkzeug, Umfragen (siehe Abb. 1).

Abb. 1. Objekte in Ilias

Rechenbasierte Übungsaufgaben und Tests mit ILIAS

Gerade in großen Veranstaltungen mit fachbezogenen Rechenverfahren ist es anspruchsvoll, kontinuierliches Lernen zu fördern und den Studierenden regelmäßig Feedback zum Lernstand zu geben. In ILIAS lassen sich dafür zum Beispiel Fragenpools für die Veranstaltung begleitende Tests anlegen, auf die mehrere Lehrende zugleich zugreifen können (Klicken Sie hierfür: „Kurs in Ilias“; „Neues Objekt hinzufügen“; Test oder Fragenpool für Test). Im diesem Video wird die Erstellung eines Fragenpools erklärt.

Abb. 2: Fragetypen in ILIAS

Im Fragenpool können zu jeder Frage ein Fragentext, die Punktezahl, mögliche Antworten, Bearbeitungszeiten o. a. zugeordnet werden. Dabei sind neun verschiedene Fragetypen möglich, z. B. „Multiple-Choice-Fragen“, „Numerische Antwortformate“ oder die „Formelfrage“ (siehe Abb. 2).

Die Fragen eines Pools lassen sich verschiedenen Taxonomiestufen zuordnen, indem sie beispielsweise nach unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gegliedert werden. Dadurch können die Aufgaben gezielt an den spezifischen Lernzielen einer Veranstaltung ausgerichtet werden.

Für komplexe Rechenaufgaben sind zum Beispiel die „Formelfrage“ und das Plug-In „Stack“ interessant. Durch den Aufgabentyp der Formelfrage wird zur Berechnung eines bestimmten Werts aufgefordert. Dabei wird der Lösungsweg zwar durch eine Formel vordefiniert, zur Bearbeitung der Aufgabe erhalten die Lernenden jedoch unterschiedliche Werte, die von ILIAS automatisch als Zufallszahlen vorgegeben werden. Dadurch sind unterschiedliche Ergebnisse korrekt und die Lernenden können den Rechenweg individuell üben. Mithilfe des Plug-Ins Stack in ILIAS kann auf parametrisierte Rechenaufgaben schließlich ein automatisches, individuelles Feedback gegeben werden, so dass rückgemeldet wird, ob das eigene konkrete Ergebnis stimmt oder nicht.

Ein Praxisbeispiel aus der TUHH stellen die Massivbau-Module im Bachelorstudiengang Bau- und Umweltingenieurwesen dar, wo ILIAS-Aufgaben auch als Tests für formatives Assessment dienen.

Versuchsdurchführungen mit ILIAS

Laborpraktika sind ein wichtiger Bestandteil eines Studiums in den Technikwissenschaften. Derzeit finden Laborpraktika z. B. statt als:

  • „@home-lab“: Studierende arbeiten mit Hardware (wie Platinen) individuell zu Hause.
  • „24/7-Remote Labs“: Studierende steuern von zuhause einen Versuchsaufbau an und verfolgen direkt ihre Versuche aufgrund einer kontinuierlich aufzeichnenden Kamera.

Laborpraktika dienen der Veranschaulichung des theoretischen Wissens anhand ausgewählter Problemstellungen und dem Einüben konkreter fachwissenschaftlicher Arbeitsweisen. Dazu können vor allem die Versuchsplanung, Protokollierung, Datenanalyse und Dateninterpretation gehören. Die Durchführung kann in allen Phasen effektiv durch digitale Werkzeuge in ILIAS unterstützt werden. Vorab sollte allgemein überlegt werden, welcher grobe didaktische Rahmen für die Versuchsdurchführungen zugrunde gelegt wird.

Da Versuche oft in Gruppen bearbeitet werden, ist der Buchungspool von ILIAS für die Bildung von Gruppen hilfreich. Lehrende können hier die maximale Gruppengröße festlegen. Im nächsten Schritt können sich die Studierenden dann selbstständig nach Präferenz für ein Thema oder einen Termin in eine Gruppe einwählen. In den Gruppenräumen können die Studierenden gemeinsam ihre Versuche vorbereiten, dazu Material austauschen oder die erhobenen Daten über die Forums- oder Blog-Funktion miteinander interpretieren. Zur Planung oder Ergebnisdiskussion kann auch das ILIAS-eigene Etherpad in Frage kommen. Übergreifende Zusammenhänge und die Terminologie können wiederum mit dem Wiki oder dem Glossar erschlossen und dokumentiert werden. Die Gruppen können sich in ILIAS ebenfalls gegenseitig ein Feedback zu Versuchsplanung, Ablauf oder den Ergebnissen geben. Dies ist sowohl im Wiki als auch innerhalb des ILIAS-Lernmoduls über die Kommentarfunktion einfach umsetzbar.

Derartige didaktische Konzepte zu selbständigen Gruppenarbeiten in Ilias sind breiter nutzbar, d. h. können neben Laborpraktika auch in anderen Veranstaltungsarten wie Problembasierten Veranstaltungen, Seminaren und Übungen eingesetzt werden.  

ILIAS ist ein objektbasiertes Lernmanagementsystem, d. h. es findet eine mehrstufige Verschachtelung der Inhalte statt, welches sich zu Beginn als verwirrend darstellen kann, doch ist es nach einigen Versuchen im Sandkasten sehr übersichtlich. Versuchen Sie es einfach selbst! Lassen Sie sich gerne von Good Practices der ILIAS-Nutzung inspirieren. Lehrende beschrieben im Welcome Space (einfach mit Kerberos Kennung einloggen), wie sie ILIAS-Wikis, H5P-Videos und Screencasts in flipped classroom Konzepten einsetzen.

ILIAS aus Sicht eines Studierenden

„ILIAS stellt eine gute Erweiterung zu Stud.IP dar. Es können Tests angeboten werden, welche uns die Möglichkeit geben, die gelernten Inhalte praktisch umzusetzen. Nach dem Test bekommt mensch ein direktes Feedback über die erbrachte Leistung. Bei einigen Tests gab es die Möglichkeit, den Test bis zu drei Mal zu machen, um beispielsweise Bonuspunkte zu bekommen. In allem wird ILIAS meiner Meinung nach zu wenig genutzt. Die Möglichkeiten, die sich ergeben, sind groß und sollten vor allem in der volldigitalen Lehre genutzt werden.“ (Joseph Rüffert)

Autor*innen: Katrin Billerbeck, Ulrike Bulmann, Joseph Rüffert, Klaus Vosgerau

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