“Die Situation verlangt eingeübte Abläufe zu hinterfragen und kann so zu sinnvollen Neuerungen führen”

Digitalisierung der Lehre am Institut für Keramische Hochleistungswerkstoffe

Die Umstellung von Präsenzveranstaltungen auf Online-Lehre ist das Thema der Stunde an der TUHH. Vor welchen Herausforderungen stehen die Institute aktuell und welche Lösungen sind bereits erprobt? Im fünften Teil unserer kleinen Interview-Serie berichtet Dr. Gregor Vonbun-Feldbauer über seine Erfahrungen und Herausforderungen am Institut für Keramische Hochleistungswerkstoffe (M-9). 

Welche Lehrveranstaltungen müssen jetzt bei Ihnen umgestellt werden und vor welche Herausforderungen stellt Sie das?

In diesem Sommersemester bin ich in der Lehre vor allem im Modul “Quantenmechanik von Festkörpern” (QMF) und der Ringvorlesung “Moderne Werkstoffentwicklung” (MWE) involviert. Bei QMF handelt es sich um ein Wahlpflichtfach bestehend aus Vorlesung und Übung der Masterstudiengänge  “Materialwissenschaft” und “Theoretischer Maschinenbau” im 2. Semester mit aktuell sieben Teilnehmer*innen. Dagegen ist MWE als Teil des Moduls “Moderne Werkstoffe” ein Wahlpflichtfach im 4. oder 6. Semester der Bachelorstudiengänge Maschinenbau bzw. AIW/GES mit aktuell ca. 70 Teilnehmer*innen.

Dr. Gregor Vonbun-Feldbauer

 Beide Veranstaltungen werden momentan online mittels Tools wie Zoom und BigBlueButton gehalten, aber die Anforderungen und Herausforderungen sind hier sehr unterschiedlich. Im Rahmen von MWE hielt ich eine Vorlesung zum Thema “Werkstoffmodellierung auf quantenmechanischer Basis”. Dabei fehlte mir vor allem der schnelle “Blick in Runde”, um ein grobes Stimmungsbild zu erhalten und das Interesse sowie Verständnis der Zuhörer*innen einschätzen zu können. Dies funktioniert bei der kleinen Gruppe in QMF online deutlich besser. Auch kommt hier zu deutlich mehr Interaktion, während die große Gruppe in MWE in der neuen Online-Situation vielleicht eher abschreckend war. Allerdings fehlt mir bei QMF die Tafel, um spontan Zusammenhänge zu skizzieren und Rechnungen zu zeigen. In den kommenden Einheiten werde ich hier Möglichkeiten mit einem Zeichentablett testen. Bisher habe ich keine negativen Rückmeldungen der Studierenden erhalten und bin gespannt auf den weiteren Verlauf des Semesters. Zusätzlich bin ich an der Vortragsreihe “Train your engineering network” beteiligt (https://www.mle.hamburg/events/), bei der wissenschaftliche Mitarbeiter*innen der TUHH Vorträge zum Thema maschinelles Lernen halten. Auch diese Vorträge haben wir aktuell mithilfe der Medientechnik der TUHH in ein Onlineformat umgestellt. Die Vortragsreihe findet im Rahmen der relativ neuen “Machine Learning in Engineering” Initiative an der TUHH statt, die Kompetenzen im Bereich des maschinellen Lernens bündelt.

Welche digitalen Tools nutzen Sie am Institut?

Ich nutze momentan, aber auch schon früher, verschiedene Tools sowohl in der Lehre als auch in der sonstigen Arbeit. Diese inkludieren im Kommunikationsbereich neben “klassischen” E-mails auch Messengertools wie Signal und aktuell neu vor allem Tools für Videokonferenzen wie Zoom, BigBlueButton, Jitsi und DNFconf. Je nach Anforderungen und Gegenüber setze ich diese Tools ein. Zoom funktioniert sehr verlässlich, hat aber vor allem in der Vergangenheit immer wieder Fragen zum Datenschutz und zur Datensicherheit aufgeworfen. Speziell für die Lehre war ich von BigBlueButton sehr angetan und würde mir die Möglichkeit für einen breiteren Einsatz wünschen. Schon länger nutze ich in der Lehre auch Möglichkeiten in Studip wie Vips-Fragen. Des Weiteren nutze ich verschiedene Tools zum gemeinsamen Online-Arbeiten wie Cloud-Lösungen oder Git-Repositories. Insgesamt bieten solche Online-Lösungen viele Vorteile für mich und erleichtern vor allem das Zusammenarbeiten.

Gibt es Positives, das Sie der aktuellen Umstellung auf digitale Lehre abgewinnen können?

Insgesamt könnte die aktuelle Situation ein Schub für die Digitalisierung sein, die ich begrüße, wenn Aspekte wie Datenschutz und -sicherheit entsprechend berücksichtigt werden. Außerdem verlangt die Situation eingeübte Abläufe zu hinterfragen und kann so zu sinnvollen Neuerungen führen. Im Kleinen sind manche Tools auch einfach praktisch, so können z.B. über Tools wie Zoom oder BigBlueButton ohne weiteres (anonyme) Befragungen in der Lehre spontan durchgeführt werden oder es können kurzfristig Inhalte vom eigenen Computer oder aus den Internet geteilt werden.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben unsere Fragen zu beantworten. Wir wünschen Ihnen für diese Semester alles Gute und viel Erfolg!

Lesen Sie hier frühere beiträge dieser reihe:

Bildquelle: TUHH, SFB 986 – Maßgeschneiderte Multiskalige Materialsysteme – M³

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