Gemeinsam studieren in Zeiten digitaler Lehre

"Da wir alle Vorlesungen gemeinsam gucken, ist trotzdem das Gemeinschaftsgefühl da"

Karl Christian Roß, Studierender der Allgemeinen Ingenieurwissenschaften im 2. Semester, berichtet in einem Interview mit dem ZLL wie es Studierenden an der TUHH gelingt - trotz physischer Distanz - gemeinsam zu studieren.

Wie ist das digitale Semester an der TUHH bisher für Sie angelaufen?

Das digitale Semester läuft für mich relativ gut. Ich bin voll im Vorlesungsplan und glaube auch, dass mein Verständnis von dem Vorlesungsstoff sehr vergleichbar ist mit dem regulären Semester. Ich bin mit meiner Produktivität und meiner investierten Zeit unterm Strich zufrieden.

Was läuft gut und wo hakt es?

Ich schaffe jeden Tag den Stundenplan durch unsere Zusammenarbeit auf Discord einzuhalten und abzuarbeiten. Das klappt besonders gut in Vorlesungen, die interaktiv gestaltet sind durch zum Beispiel Quizfragen. Hier können wir das Video pausieren und haben auch wirklich die Zeit, die man braucht um die Frage durchzusprechen. Auch in normalen Übungen klappt das System gut, da man über Aufgaben und anderes reden kann ohne die Anderen im Zoom-Meeting zu stören.

Schlechter läuft es in „selbstorganisierten“ Übungen, wo man Hausaufgaben/Probleme ohne Hilfestellung macht. Hier kann man zwar natürlich immer E-Mails schreiben oder im Forum nachfragen, doch diese Barriere und Verzögerung in der Beantwortung treibt die Motivation, Fragen zu stellen, schon weit nach unten. Wenn dann keiner mehr weiter weiß an einem Problem, fühlt man sich ein wenig machtlos und das sorgt dafür, dass wir solche Aufgaben häufiger auch einfach abbrechen oder gar nicht erst richtig versuchen. Vorlesungen, wo nur vorgetragen wird, sind auch teilweise problematisch, da man sich zu Hause ohne physische Anwesenheit von anderen leicht ablenken lassen kann.

Wie kann man ohne physischen Kontakt trotzdem noch gemeinsam studieren?

Ich glaube da ist unsere Organisation schon echt gut. Da wir alle Vorlesungen gemeinsam gucken, ist trotzdem das Gemeinschaftsgefühl da. Discord hat außerdem ja auch eine Textchatfunktion, die wir nutzen um das lustige „Quatschen“ von normalen Vorlesungen zu haben, ohne andere aktiv abzulenken, da jeder die Option hat den Chat einfach stumm zu schalten und zu ignorieren, wenn man gerade besonders konzentriert ist.

Meiner Meinung nach ist dieser gemeinschaftliche Teil von den Vorlesungen auch sehr wichtig um die Moral aufrecht zu erhalten. Dass man trotzdem die Optionen hat, sich mit anderen über eine witzige Aussprache zu amüsieren oder sich über eine komplexe Formel aufzuregen, was ja in „echten“ Vorlesungen auch ganz normal passiert.

Wie organisieren Sie sich mit Kommilitonen?

Wir benutzen einen Discordserver, auf dem wir zu ausgemachten Zeiten die Vorlesungen zusammen gucken und Übungen zusammen machen. Diese Zeiten werden auch eingehalten, wenn einer nicht da ist. Dann muss er das auf eigene Faust nachholen. Wir sind 5/6 Leute, was eine gute Größe ist, dass jeder mal zu Wort können kann/muss, aber dass man auch aussteigen kann ohne die ganze Gruppe runter zuziehen. Wenn Fragen gestellt werden, nutzen wir häufig einen Zufallsgenerator, der auswürfelt, wer seine Antwort vorstellen muss. Das machen wir, damit jeder mal erklären muss und damit keiner in die Falle tappt von „So hätte ich das auch gemacht“, wenn man nur die Lösung von anderen hört. Bei kleineren Fragen, die nicht ausführlich besprochen werden müssen, gibt es auch häufig eine schnelle Antwort in den Chat. Wenn einer das nicht versteht oder falsch hat, kann man dann im Nachhinein drüber reden. Wir haben außerdem für jedes Modul einen eigenen Textkanal, wo dann Relevantes für das Modul und Fragen reingeschickt werden können.

Discord ist ein kostenloser Onlinedienst für Instant Messaging und Sprach-/Videokommunikation. Meistens nutzt man Discord über kostenlos erstellte Server, die in Sprach- und Textchats eingeteilt sind. Dabei gibt es über Screensharing oder das Benutzen von Webcams auch die Option Videokonferenzen oder Streams zu organisieren. Wir treffen uns in unserer Lerngruppe in einem Voicechat auf dem eigenem Server um zusammen zu studieren. Dies machen wir während aufgezeichneten/live Vorlesungen und auch in den Übungen. Außerdem nutzten wir auch die Textchats falls es gerade keine gute Möglichkeit zum Reden gibt, z.B. wenn ein Tutor was erklärt.

Welche Tipps haben Sie für andere Studierende?

Versuche so weit wie möglich mit anderen zusammenzuarbeiten! Das zwingt einen mehr dazu, zu den abgemachten Zeiten zu arbeiten, Diskussion fördert Verständnis und es ist auch besser, wenn man sich gemeinsam aufregen, freuen, belustigen oder leiden kann.

Was würden Sie sich von Seiten der Lehrenden für die Umstellung auf digitale Lehre wünschen?

Versuchen schnelle Interaktivität mit Studierenden möglichst hoch zu halten. Vorlesungen live zu bestimmten Zeiten, Übungen über Zoom mit Tutoren und Klicker- oder Quizfragen während den Vorlesungen. Gleichzeit ist es wichtig, dass Lehrvideos pünktlich genug hochgeladen werden, damit Stundenpläne intakt bleiben und Veranstaltungen dürfen nicht aus dem Rahmen der Zeit fallen. Ist zwar schön, wenn Dozenten noch mehr erzählen wollen und noch mit weiteren Beispielen vertiefen wollen, aber es gibt auch so schon genug Sachen die Zeit in Anspruch nehmen.

Vielen Dank für den spannenden Einblick in Ihr aktuelles Studiengeschehen und für das weitere Studium alles Gute!

Bildquelle: Karl Christian Roß

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