Feedback Geben mit Zoom (und Prüfen mit BigBlueButton)

– aus der Reihe „Gute Online-Didaktik mit Zoom“ –

Dies ist der vierte und letzte Teil unserer Beitragsreihe „Gute Online-Didaktik mit Zoom“. Die ersten drei Beiträge boten einen didaktischen Einstieg in Zoom, eine praktische Schritt-für-Schritt-Einführung und Empfehlungen zur Kombination mit weiteren Tools (siehe unten).

Warum ist Feedback in der digitalen Lehre besonders wertvoll?

Eine gute Einschätzung zu Lernfortschritten – und damit implizit zur Qualität des Lernens und der Lernumgebung – ist oft erst mit Blick auf die Prüfungsergebnisse am Ende der Veranstaltung möglich. Zugleich liegen dann oft Daten aus der Lehrevaluation vor.

Gegenüber diesen Formen des summativen Assessments bietet das formative, d. h. veranstaltungsbegleitende Assessment (oder Feedback) den Vorteil, dass die Lehrenden bereits in der laufenden Veranstaltung eine Rückmeldung bekommen. Dann können noch im selben Semester sinnvolle Änderungen vorgenommen werden (Kautz 2014). Beim Feedback können zwei Zielebenen unterschieden werden: Die gewonnenen Informationen können sich zum einen auf die Qualität und Zunahme des fachlichen Verständnisses der Studierenden oder zum anderen eher auf die Güte der Organisation und Gestaltung der Lehre beziehen.

Gerade in der digitalen Lehre ist es sinnvoll, sich von den Studierenden im Laufe der Veranstaltung ein Feedback einzuholen. Dies hat nicht nur den praktischen Grund, dass die schnelle Aneignung und Verwendung neuer Lehr-Tools im ‚Corona-Semester‘ 2020 notwendiger Weise einen Bedarf an Nachsteuern mit sich bringt. Daneben fallen mit der digitalen Lehre – zum Beispiel mit Veranstaltungen in Zoom und Stud.IP – bisherige Kommunikationsebenen erst einmal weg, die für offline-Lernsettings elementar sind, und müssen durch neue Formen ersetzt werden: Hierzu zählen das spontane und unkomplizierte Fragen der Sitznachbarn und die Möglichkeit informeller Klärungen mit dem oder der Dozierenden unmittelbar im Anschluss an die Veranstaltung (oder das Mithören, wenn andere fragen). Auch Unter- und Zwischentöne sind weniger wahrnehmbar, wenn Mitstudierende oder Lehrende über bestimmte Beispiele, Anwendungen oder anstehende Prüfungsthemen sprechen. Kurz und gut: Zunächst steht der und die Einzelne stärker in der Gefahr, weniger gut zu Lerninhalten und Erwartungen an das eigene Lernhandeln orientiert zu sein und häufiger in Kauf nehmen zu müssen, dass auch kleine Fragen unbeantwortet bleiben.

Wie kann ich Feedback über Zoom einholen?

Damit die Lehrenden von diesen Defiziten Kenntnis bekommenkann mit Zoom mit wenig Aufwand ein formatives Feedback eingeholt werden. Zum Beispiel können die Teilnehmenden zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgefordert werden, sich im Chat kurz mit 1-2 Sätzen zu einigen Aspekten zu äußern, zu denen Sie als Lehrende/r eine Einschätzung erhalten wollen. Indem diese Chat-Beiträge der Teilnehmenden synchron geschrieben und abgeschickt werden wird eine wechselseitige Beeinflussung des Antwortverhaltens vermieden. Nachdem die Feedbackphase beendet ist können Sie den Chat schließen und das Chatprotokoll am Ende der Session zur Auswertung abspeichern. Um dabei anonyme Antworten zu bekommen kann das Feedback bereits vor dem Termin angekündigt werden, wobei die Studierenden zugleich aufgefordert werden, sich zur Session mit einem Alias-Namen anzumelden und das eigene Videobild auszuschalten. Wenn das Feedback dann zu Beginn einer Session eingeholt wird, können die Teilnehmenden ihr Videobild danach anschalten und ihren Alias-Namen unter „Teilnehmer“ à „mehr“ à „umbenennen“ mit ihrem richtigen Namen überschreiben.

Eine andere Variante besteht darin, die Studierenden zu bitten, bestimmte Fragen oder Stichworte in Buzz Groups zu besprechen, die in Breakout-Sessions stattfinden. Ergebnisse können sogleich im Online-Whiteboard oder Etherpad gesammelt und dann zum Beispiel im weiteren Schritt im Zoom-Plenum vorgestellt, ergänzt oder per Umfragefunktion gewichtet werden.

Wie kann ich andere Methoden für digitales Feedback finden?

Falls Sie mehr für Ihre digitale Veranstaltung ein anderes Feedback-Tool benötigen, können Sie eine handhabbare Methode auf der zentralen TUHH-Seite Veranstaltungsbegleitendes Feedback auswählen. Hier werden Ihnen anhand der beiden Fragen, ob ein Feedback zum Verständnisfortschritt der Studierenden oder zur Gestaltung der Lehre gewünscht wird und ob es dabei um eine kleine oder große Veranstaltung handelt, verschiedene Optionen vorgeschlagen. Das ZLL berät gerne zur Auswahl und Anpassung an Ihre Fachlehre. Hierzu zählt auch die Frage, ob ein komplett anonymes Feedback gewünscht wird und wie dieses erreicht werden kann.

Zum Beispiel lässt sich das an der TUHH bereits erfolgreich eingeführte Teaching Analysis Poll (TAP), mit dem eine freie, offene Rückmeldung zur Veranstaltung eingeholt werden kann, als TAPdigital für Lehrveranstaltungen jeder Größe umsetzen. Das Feedback wird dann durch das ZLL ermittelt, über Zoom durchgeführt und nimmt zeitlich in etwa die Hälfte eines regulären Vorlesungstermins ein.

Zum Aufschließen komplexerer Probleme bietet sich hingegen die Online-Befragung an, die bereits seit langem umfangreich an der TUHH genutzt wird. An kleineren Verfahren kommen wiederum ein digitales Blitzlicht oder One-Minute-Paper gut in Frage, die über das Etherpad der TUHH durchgeführt werden.

Prüfen mit BigBlueButton

Während mit Zoom und anderen Methoden sehr gute Möglichkeiten bestehen, um ein semesterbegleitendes Feedback zur Lehre einzuholen, ist das Prüfen an der TU Hamburg dem Open Source-basierte Web-Konferenzsystem BigBlueButton vorbehalten (Rechenzentrum der TU Hamburg). Es eignet sich gut zur sicheren Kommunikation mit Gruppen, die bis zu 40 Teilnehmende umfassen. Dazu gehören zum Beispiel Seminar- und Übungsgruppen sowie Beratungs- und Prüfungsgespräche.

Die Funktionalität von BigBlueButton umfasst zum Beispiel ein Whiteboard zur Zusammenarbeit in der Gruppe und ein Zeichen-Tool. Daneben kommen mit den Funktionen der Umfrage, des Chat und der Breakout-Rooms auch einige der von Zoom bekannten Möglichkeiten zum Tragen (siehe den zweiten Beitrag unserer Reihe zur guten Online-Didaktik mit Zoom). Zur näheren Einschätzung, wie sich das System konkret einsetzen lässt, bietet das Hochschulforum Digitalisierung eine Übersicht zu wichtigen Anwendungsaspekten.

Dies ist der vierte und letzte Teil unserer Reihe „Gute Online-Didaktik mit Zoom“. Die vorausgegangenen Beiträge 01 bis 03 sind hier verfügbar:

01 Lehre mit Zoom – didaktisch gesehen

02 Hands on – eine Lehrveranstaltung mit Zoom und Stud.IP gestalten

03 Zoom-Veranstaltungen durch weitere Tools optimieren

04 Feedback Geben mit Zoom (und Prüfen mit BigBlueBotton)

Quellen

Kautz, C. (2014). Prüfungen – eine Einführung aus fachdidaktischer Sicht. In Zentrum für Lehre und Lernen (Hg.). Auf dem Prüfstand. Lernen bewerten in technischen Fächern. Hamburg: TU Hamburg-Harburg, S. 6-10.

Rechenzentrum der TU Hamburg (2020). BigBlueButton. Zugriff am 06.07.2020 unter https://www.tuhh.de/rzt/digitalessemester/videokonferenzen/bbb.html.

Bildquelle: Business vector created by freepik – www.freepik.com

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