Fachlandkarten – Der eigene Fahrplan durch’s Studium

Wenn eine Studierende (ein Studierender) neu für ein technikwissenschaftliches Studium an die Hochschule kommt, begegnet sie (er) mitunter einem langlebigen Mythos: Die Fachmaterie, die in den folgenden Semestern auf sie wartet, sei zu komplex, als dass sie von vornherein einmal bündig dargestellt werden könnte, damit sich die Anfängerinnen (und Anfänger) gleich zu Beginn ein Bild machen können. Ein Zusammenhang werde sich später schon schrittweise ergeben, mit dem Curriculum habe man sich schließlich etwas gedacht.

Mythen bestehen fort, so lange sie niemand infrage stellt und ein neues Bild entwirft. Beim April-Termin der “Didaktik-Lounge” der Universität zu Lübeck wurde kürzlich die Orientierungsmethode der “Fachlandkarte” vorgestellt. Die Referentinnen Prof. Dr. Désirée H. Ladwig und Dr. Sonja Beer stellten anschaulich dar, wie Erstsemester-Studierende der Fachbereiche “Maschinenbau und Wirtschaft” sowie “Elektrotechnik und Informatik” der FH Lübeck diese Karten im letzten Wintersemester zur Strukturierung ihres Studiums eingesetzt haben. Dabei haben sie selbständig semantische Netze aus den Modulen des Studienprogramms entwickelt.

Und das ging so: Die Studierenden werteten in Kleingruppen die Rubrik “Voraussetzungen” in den Modulbeschreibungen aus. Dadurch wurden Verbindungen zwischen den Modulen nachvollzogen. Alle Module der beteiligten Bachelorprogramme wurden in einer Fachlandkarte vernetzt und mit weiteren Informationen versehen, z. B. mit Stichworten zum Inhalt. Jede(r) Einzelne identifizierte mit der eigenen Landkarte zudem individuelle Interessen, Vorkenntnisse und eventuellen Nachholbedarf. Die Studierenden recherchierten außerdem zu den identifizierten Schwerpunkten ihres Studiengangs die Anwendungsfelder und Berufsmöglichkeiten. Auf diese Weise wurden die Bezüge zwischen den Modulen im Semesterverlauf wie auch zwischen Grundlagen- und Fachmodulen für die Lernenden plausibel.

Bei der Ausarbeitung wurden die Studierenden eng von Tutoren und Tutorinnen begleitet. Monatlich wurden sie außerdem von den Fachräten der Studiengänge, in der Regel einer Professorin oder einem Professor, beraten. Die Fachlandkarten wurden schließlich als digitale “Prezi”-Präsentationen hochschulöffentlich vorgestellt. So wurden mehrere Projektziele erreicht: Der erleichterte Einstieg ins Studienfach und die Förderung einer bewussten Planung des Studiums, auch durch Identifikation kritischer Pfade im individuellen Studienplan. Der erarbeitete Bezug der Module machte auch deutlich, dass “Bulimie-Lernen” und das “Lernen auf Lücke” die Gefahr bergen, sich nicht die nötigen Grundlagen für die weiterführenden, späteren Kurse und Module aufzubauen. Im Ergebnis entwickelte sich so mehr Motivation für kontinuierliches Lernen.

Das Fachlandkarten-Projekt startete in den Einführungswochen. Die Teilnahme war freiwillig und bedeutete für die Studierenden einen zusätzliches Engagement von 2-4 SWS. Aufgrund des Erfolgs soll die neue Maßnahme der Studieneingangsphase im nächsten Wintersemester auf zwei komplette Fachbereiche ausgeweitet werden.

 

 

 

 

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