“Extending Your Research Team…” – Verschränkung von Laborarbeit und studentischem Lernen

Lehre und Forschung werden auch an der Universität oft als getrennt voneinander wahrgenommen. Allerdings zeigt diese Haltung – so die These von Miller, Hamel, Holmes, Helmey-Hartman und Lopatto1) – “only one model for academic life” (Miller u. a.:754). Mit ihrem wissenschaftlichen Bericht über die Kombination einer Lehrveranstaltung mit der Forschung eines biowissenschaftlichen Labors in Florida präsentieren Sie den Ansatz für eine mögliche Alternative.

Das Forschende Lernen ist angetreten, um die Trennung von Forschung und Lehre aufzuheben. Wenn sich Studierende mit Forschungsinhalten oder den gängigen Methoden der Disziplin beschäftigen oder gar an aktueller Forschung und Entwicklung teilhaben werden sie besonders zum Lernen motiviert. Bereits Bachelor-Studierende können das wissenschaftliche Arbeiten üben, indem sie ein Forschungsproblem bearbeiten, das auf das passende Lernziel zugeschnitten ist und im Kontext eines realen Forschungsprojekts steht.

Für ihre Umsetzung an der University of Florida stellten sich Miller u. a. die nicht uneigennützige Frage, wie die notwendige Forschungsarbeit eines Labors (Schaffung einer Datenbasis) damit verbunden werden kann, dass Undergraduates Forschungsmethoden lernen, mit der Idee von Wissenschaft und wissenschaftlichem Arbeiten vertraut werden (“understanding the nature of science”) und zugleich Fachkompetenzen entwickeln. Ausgangspunkt war die Suche nach einem “efficient and inexpensive way of obtaining morphological measurements on thousends of insects as part of an evolutionary genetics experiment” (Miller u. a.:754).

Um die Forschungs- und Lernziele unter einen Hut zu bringen, wurde eine Lehrveranstaltung für 20-30 Studienanfänger/-innen vor allem der Biologie, Chemie und Mikrobiologie entwickelt. An der Konzeption und an der Begleitung der Lernenden war ein gesamtes Forschungsteam beteiligt: Neben dem Professor ein Postdoc, ein Doktorand und zwei Studierende. Die Studierenden trugen dann mit der standardisierten Vermessung von Insekten über ein Semester hinweg zur Datenerhebung eines Forschungsprojekts bei. Mehrere studentische 3er-Teams vermaßen dabei jeweils 2000 Insekten in 15 Wochen. Zugleich stellten sie an die Daten eigene Forschungsfragen, analysierten die Daten dementsprechend und präsentierten ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen die gewonnenen Zwischenergebnisse (Miller u. a.:755). Die Datenerhebung auf der Forschungsseite wurde auf der Lehrseite so für kleine, übende Lern-Forschungsprojekte genutzt. Abgerundet wurde die Mess- und Forschungstätigkeit durch zusätzliche Lektüre und Medienauswertung für wöchentliche Journal Clubs und Diskussionen.

Die Lern- und Studienerfolge in solchen forschungsbasierten Veranstaltungen sind mess- und nachweisbar. Die in den USA schon vielfach durchgeführten Evaluationsverfahren “CURE” – Classroom Undergraduate Research Experience – und “SURE” – Survey of Undergraduate Research Experiences – zeigen die Effekte an den Fortschritten beim Verständnis für die Konstruktion von Wissen und der Funktionsweise von Wissenschaft, des selbständigen Arbeitens, der Datenanalyse, der methodischen Fertigkeiten, des wissenschaftlichen Schreibens, des ethischen Verhaltens und an der größeren Fähigkeit des flexiblen Umgangs mit Arbeitshindernissen  (Grinnell Collge/Psychology Department 2014: CURE Survey).

Auch an der University of Florida lagen die größten Gewinne in der Aneignung von Fachwissen und fachlichen Fertigkeiten wie auch im affektiven Bereich,  bei der Entwicklung eines Verständnisses und einer Haltung zum Wissenschafts- und Forschungsprozess. Die biowissenschaftliche Arbeitsgruppe profitierte vom Lehrformat durch Schaffung einer hinreichend großen Datenbasis, die schließlich die Publikation der Untersuchungsergebnisse ermöglichte. Daneben qualifizierten sich die Mitglieder auf den Gebieten der Lehrkompetenz, des Teamworks und des Datenmanagements weiter (Miller u. a.: 760).

1) Miller, C. W./Hamel, J./Holmes, K. D./Helmey-Hartman, W. L./Lopatto, D. 2013: Extending Your Research Team: Learning Benefits When a Laboratory Partners with a Classroom. In: BioScience (2013) 63 (9): 754-762.

Der Beitrag ist Ende 2014 im Journal Club des ZLL vorgestellt und diskutiert worden. Rückfragen bei Interesse gerne an den Autor.

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