Experimentelle Lehre²

Das Netzwerktreffen VI vom vergangenen Freitag brachte erneut die Beteiligten vergangener und zukünftiger IMG_0802Lehrinnovationen an der TUHH zusammen.

Ein Beispiel einer gelungener Lehrinnovation soll hier kurz vorgestellt werden. Lehrinnovationen stellen sich als Experimente für Lehrende und Studierende gleichermaßen heraus. In dem vorliegenden Beispiel ging es in um ein Lehrexperiment anhand von Experimenten: also, wenn man so will, experimentelle Lehre².

Schaute man auf die Aussagen der Studierenden in den Evaluationsbögen vergangener Semester und dachte an die Studie der TUHH-Mitarbeiterinnen Wibke Derboven und Gabriele Winker zu Studienabbrüchen in den Ingieurwissenschaften, konnte einem schon anders werden. Die Aussagen der Studierenden von „zu formellastig“ über „zu abstrakt“ und „zu wenig Praxisbezug“ deckten sich mit den Hauptkritikpunkten von Studienabbrechern an der ingenieurwissenschaftlichen Lehre. Gleichzeitig war die Schwundrate der Studierenden über das Semester enorm.

Für Professor Trieu  vom Institut für Mikorsystemtechnik war das der Anlass, die von ihm geerbte Pflichtvorlesung im Bachelorstudium  Elektronische Bauelemente neu zu konzeptualisieren. Dabei stand die Frage nach des Pudels Kern im Vordergrund der Veränderungen: Was ist das Wesentliche, das die Studierenden aus dieser Lehrveranstaltung mitnehmen sollen? Die Antwort darauf lautete: Sie sollen die Physik hinter den Bauelementen verstehen. Damit war also das zentrale Qualifikationsziel des Konzeptverständnisses benannt.

Um dies zu erreichen, wurden Versuche in die Vorlesung integriert. Henning Wehrs als  Wissenschaftlicher Mitarbeiter IMG_0819bemühte sich u. a. um die Ausarbeitung verschiedener Versuchsaufbauten und die Beschaffung des notwendigen Materials für 17 Experimente in 15 – 20 Problemfeldern. Die Versuche hatten eine anschauliche Erklärung der Physik und eine anschließende qualitative Darstellung der Funktionsweise verschiedener elektronischer Bauteile zum Inhalt. Sie setzen sich damit von (traditionellen) Studentenversuchen ab, bei denen möglichst genaue Messwerte und detaillierte Beschreibungen des Versuchshergangs im Mittelpunkt stehen.

Professor Trieu überarbeitete stark die Inhalte der Vorlesung: er reduzierte die Mathematik auf das Notwendigste, stärkte den Praxisbezug und brach auch ein gutes Stück weit das klassisch frontale Vorlesungsformat auf.  Die Studierenden sollten sich nicht erst ein oder zwei Wochen vor der Klausur mit den Inhalten der Vorlesung befassen, sondern  möglichst frühzeitig und kontinuierlich im Lernprozess aktiv sein. Anschauung und Praxisbezug wurden vor allem durch die von den Studierenden verantworteten experimentellen Vorführungen erreicht. Diese hatten etwa einen Umfang von 15 Minuten und wurden von Gruppen von 3 – 4 Teilnehmer_innen betreut. Diese erarbeiteten und hielten eine Präsentation im Rahmen der Vorlesung. Dabei fiel es auch in den Verantwortungsbereich der Studierenden, sich die relevante Literatur weitestgehend selbständig zu erschließen.

Als Ansporn für die Studierenden gab es die Möglichkeit, sich einen Bonus auf die Klausurpunkte zu verdienen.

Die Evaluation sowie der Eindruck Professor Trieus zeigen, dass man mit solchen Lehrinnovationen auf dem richtigen Weg ist: Die Studierenden in den Lernprozess einzubinden, ihnen die Möglichkeit zur selbständigen Auseinandersetzung mit den Inhalten zu geben, den Stoff auf das Wesentlich zu reduzieren, in der Vorlesung Raum für Diskussionen (wie hier über die Experimente) zu schaffen und schließlich den Praxisbezug zu stärken, haben den Schwund der Studierenden in diesem Semester ausbleiben lassen und sie in der Masse dazu veranlasst, die Veranstaltung als empfehlenswert zu klassifizieren. Für Professor Trieu ist das nach eigener Aussage ein zufriedenstellendes Ergebnis und gleichzeitig Ansporn, die Veranstaltung in den kommenden Semestern noch weiter zu überarbeiten und zu verbessern.

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