„Es interessiert uns, wie die Studierenden ihr Studium erleben und was wir noch besser machen können“ – Interview mit Prof. Dr. rer. pol. Kathrin Fischer

Prof. Dr. rer. pol. Kathrin Fischer ist Studiengangsleitung Masterstudiengang Internationales Wirtschaftsingenieurwesen. In diesem Jahr wurde sie, gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Lindner (siehe Interview in diesem Blog), wurde Frau Prof. Fischer in diesem Jahr mit dem Hamburger Lehrpreis ausgezeichnet.

ZLL: Herzlichen Glückwunsch zum Erhalt des Hamburger Lehrpreises 2019. Was bedeutet Ihnen der Preis und für welche didaktischen Maßnahmen haben Sie ihn bekommen?

Prof. Fischer: Der Lehrpreis bedeutet für mich und mein Institut eine schöne Anerkennung, weil wir uns wirklich viel Mühe geben und viel Zeit investieren.

Die Veranstaltung nennt sich „Vertiefung Operations Research“ und es geht dabei um die Anwendung von mathematischen Methoden auf Masterniveau. Ich vermittle vertieftes Methodenwissen im Rahmen einer interaktiven Vorlesung und Übung, aber auch zusätzlich in einem Seminar, in dem die Studierenden aktuelle Themen aus der Forschung aufarbeiten und Bezüge herstellen. Sie erstellen eigene Anwendungsbeispiele zu konkreten Problemen. Das ist für uns viel Arbeit, kommt aber gut bei den Studierenden an.

ZLL: Ist Ihnen Interaktion auch im Bachelor-Bereich wichtig?

Prof. Fischer:  Ja, aber das findet etwas anders statt. Mein Konzept ist die interaktive Vorlesung. Diese hat immer wieder aktivierende Elemente. Das bietet sich bei mathematischen Themen an. Man erklärt ein Konzept und gibt dann eine Fragestellung aus einer konkreten Anwendung. So finden zumindest Teile der Veranstaltung im Dialog statt. Das finde ich vor allem in den Bachelorveranstaltungen wichtig. Denn wenn man innerlich nicht beteiligt ist, dann lernt man auch nichts. Durch die Möglichkeit sich selbst zu beteiligen, erhoffe ich mir auch mehr Lernerfolg zu erzielen.

ZLL: Würde eine nennenswert größere Studierendenzahl Ihr Lehrkonzept auf den Kopf stellen?

Prof. Fischer: Wenn man eine Zahl hat, die größer ist als 80 Personen, wird es irgendwann schwierig mit den interaktiven Elementen in der Vorlesung. Dann ist es eine Großvorlesung. Dann kann man vielleicht Clicker einsetzen, aber man kann eben nicht mehr ins Gespräch gehen und mit Einzelnen Fragen klären. Es ist dann weniger die gemeinsame Arbeit am Stoff, sondern mehr die Masse der Studierenden und ich. Das fände ich sehr schade.

ZLL: Inwiefern unterstützt Technik Sie in der Lehre?

Ich arbeite mit PowerPoint und ergänze die Folien live in der Vorlesung. Das führt auch dazu, dass es sich lohnt in die Vorlesung zu kommen, statt sich nur die Präsentation runter zu laden. Die Beispiele werden an der Tafel entwickelt. Technik unterstützt zwar, aber ich halte auch die klassischen Medien wie Whiteboard und Tafel für wichtig. Das Zusammenspiel halte ich für wertvoll.

Gemeinsam mit dem ZLL haben wir ein Online-Begleitmodul entwickelt, bei dem wir Aufgaben online zu jeder Vorlesung anbieten, so dass die Studierenden die gehörten Inhalte nochmal vertiefen können. Wir haben den Eindruck, dass dies ein paar mehr Studierende erreicht als die Papierversion. Aber natürlich würde ich mir wünschen, dass es noch mehr genutzt wird.

Trotzdem gibt es nach wie vor die Möglichkeit in einer Präsenzübung die Dinge zu besprechen und zu vertiefen. Wir versuchen den unterschiedlichen Lerntypen gerecht zu werden.

Gleichzeitig machen wir aber auch deutlich, dass ein Studium auch Selbststudium bedeutet. Dies ist das vorstrukturierte Selbststudiumsangebot, das wir den Studierenden machen. Das darf auch ruhig zwei Stunden in der Woche in Anspruch nehmen. 

ZLL: Pflegen Sie einen regen Austausch über Lehre an Ihrem Institut?

Prof. Fischer: Auf jeden Fall. Wir berichten uns gegenseitig nach den Lehrveranstaltungen was gut und was weniger gut gelaufen ist, wie die Atmosphäre war usw. Aber wir besprechen auch konzeptionell, wo etwas umgestaltet werden kann, z.B. um die Studierenden selbst etwas präsentieren zu lassen.

Wir probieren auch gern einmal etwas Neues aus, sei es Methode oder Software. Ich bin außerhalb der TU im LehrehochN-Netzwerk aktiv. Dort treffe ich auf Lehrende anderer Hochschulen mit denen ich mich intensiv austausche. Wir tauschen Erfahrungen aus und machen kollegiale Beratung zur Lehre. Ich empfinde es als besser, das außerhalb der eigenen Hochschule zu machen, weil man dann einfach freier darüber spricht

ZLL: Wie erhalten Sie Feedback der Studierenden?

Fischer: Zu dem Studiengang Internationales Wirtschaftsingenieurwesen (IWI), den ich leite, führe ich mit den Studierenden einen Qualitätszirkel durch. Mit der Evaluation haben wir schon vor Jahren, in Zusammenarbeit mit dem ZLL, angefangen. Wir fragen in der Eingangsbefragung die fachlichen Hintergründe und Erfahrungen mit Prüfungs- und Lernformen der Studierenden ab. Sind sie es gewohnt ausschließlich für Klausuren zu lernen oder kennen sie es schon kontinuierlich im Semester zu lernen?

Nach dem ersten Semester fragen wir dann die Erfahrungen ab. Wir fragen, ob das erste Semester ihren Erwartungen entsprochen hat und laden dann vier bis acht Studierende zum Qualitätszirkel ein.
Die Studierenden können dann mit allem kommen, sei es inhaltlich oder organisatorisch. Allerdings sage ich auch gleich, dass ich nicht alles ändern kann. Aber über alles sprechen kann man in jedem Fall. Manche Dinge kann man leicht verändern, andere vielleicht gar nicht. Manche Dinge sind vielleicht auch so gewollt, dann haben die Studierenden zumindest die Möglichkeit zu erfahren, warum Dinge so sind, wie sie sind.

Wir meinen das auch als Zeichen von Wertschätzung. Es interessiert uns, wie die Studierenden das Studium erleben und was wir noch besser machen können. Das wird auch sehr positiv aufgenommen. Wir bekommen dann auch manchmal im Anschluss eine E-Mail in der steht, dass es toll war, so wahrgenommen worden zu sein. Das passiert nicht so oft, aber es kommt vor und das freut einen dann ganz besonders.

ZLL: Integrieren Sie Ihre Forschung mit in die Lehre?

Prof. Fischer: Das kommt auf die Lehrveranstaltung an. In der fortgeschrittenen Masterveranstaltung, für die ich den Preis bekommen habe, bietet es sich an darüber zu sprechen, was aktuell in der Forschung und auch bei uns am Institut passiert.

Wir vergeben dort Aufgaben, denen aktuelle Artikel aus Fachzeitschriften zugrunde liegen. Das ist Literatur mit der wir uns auch beschäftigen. Da eignet sich nicht jedes Paper, es muss für die Studierenden noch handelbar sein. Aber es gibt genug Paper die anspruchsvoll und für die Studierenden nachvollziehbar sind. Ich glaube die Studierenden machen dadurch einen großen Schritt in Richtung Forschung, wenn sie sehen womit wir uns in der Forschung befassen.

Wie sieht das methodisch aus? Wie entwickelt man ein Modell? Wie interpretiert man Lösungen und was lernt man daraus? Das hat immer auch einen Anwendungsbezug. Die Studierenden werden immer auch aufgefordert die Ergebnisse auf die Praxis zu beziehen und vielleicht auch zu erörtern, was aus der Praxis nicht mitbedacht wurde.  

Für mich ist auch die Schulung des kritischen Denkens für die Forschung zentral.

ZLL: Gibt es etwas, was Sie Ihren Studierenden wünschen?

Prof. Fischer: Ich wünsche allen Studierenden, dass sie im Studium das lernen, was sie sich erhoffen und was sie andererseits befähigt, später etwas Gutes daraus zu machen. Es ist nicht Lernen zum Selbstzweck und auch nicht Lernen für Prüfungen, auch wenn das häufig so aussieht.

Es geht darum sich so zu bilden, dass er oder sie im Arbeitsleben etwas tun kann, was ein Leben lang spannend bleibt. Ich wünsche Jedem und Jeder, dass sie sich während des Studiums selbst besser kennenlernen. Vielleicht muss man dann auch mal sagen, das ist es irgendwie nicht und dann wünsche ich den Studierenden auch den Mut sich gegebenenfalls anders zu entscheiden. Das ist auf jeden Fall besser, als sich mit etwas herumzuschlagen, was man eigentlich gar nicht wirklich will.

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