Digitale Lehre direkt vor dem Wintersemester – Austausch beim Runden Tisch

Worum ging es?

Professoren und wissenschaftliche Mitarbeitende aus allen Fachrichtungen der TU Hamburg haben zusammen mit Vertreter/innen einiger Serviceeinrichtungen am Montag, 26. Oktober einen engagierten Blick zurück und zwei Blicke voraus auf die digitale und hybride Lehre und auf das veränderte Lernen an der Schwelle zum Wintersemester 20/21 geworfen. Der Anlass zum Zoom-Meeting: Das ZLL hatte zum Runden Tisch „Digitales Lehren und Lernen zwischen den Semestern“ eingeladen. Nachdem das Sommersemester für viele einen Parforce-Ritt zum digitalen Lehren und Lernen bedeutete bot sich damit die Gelegenheit, die bislang gewählten Konzepte zu prüfen und zu verfeinern.

Der Runde Tisch wurde moderiert von Dr. Klaus Vosgerau mit Dr. Sara Bornhöft, Dr. Ulrike Bulmann und Dr. Dorothea Ellinger (alle ZLL).

Wie sieht die Empirie zum digitalen Semester aus?

Dr. Sara Bornhöft stellte zuerst in einem Impulsreferat zentrale Befunde aus Befragungen von Lehrenden und Studierenden zum digitalen Sommersemester vor. In den Untersuchungen von ZLL und ITBH hat sich gezeigt, dass die Umstellung in der Breite gelungen war, die Interaktion mit den Studierenden sich teilweise aber als schwierig erwies. Es wurde zu wenig Feedback durch die Studierenden gegeben und die Kameras der Studierenden waren oft nicht eingeschaltet. Auch gab es Schwierigkeiten in der Auswahl und Anwendung der richtigen Tools für die Lehre. Auch gab es Befürchtungen, dass es zu schlechteren Leistungen der Studierenden kommen kann und das Sommersemester zu Verlängerung oder Abbruch des Studiums führt.

Abb.: Umfrageergebnisse zu Lern- und Konferenzsystemen

Positiv wurde gesehen, dass Sprechstunden intensiver genutzt wurden und nun ein zeit- und ortsunabhängiges Lernen möglich ist. Gewünscht wird gerade von den Studierenden, dass die Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden verbessert wird sowie die Beibehaltung bestimmter, neu eingesetzter Tools.

Von den Lehrenden wurden zugleich Lösungsideen benannt. Dazu zählt, dass es einen technischen Support und technische Leitfäden sowohl für Lehrende als auch für Studierende geben sollte. Berichtet wurde ferner, dass die Studierenden sich das Lernmaterial aktiver aneignen, wenn ein regelmäßiger Erinnerungsrhythmus eingeführt wird.

Allgemein sollten Interaktivität und Gelegenheit zu Feedback aus Sicht der Lehrenden deutlich ausgebaut werden. Hierzu wurde anschließend diskutiert, dass alle Veranstaltungen nur als live-stream laufen könnten, ohne dass zusätzliche Aufzeichnungen für das asynchrone Lernen angeboten werden. Hierzu wurde allerdings kritisch angemerkt, dass so ein negativer Wettbewerb um Studierende zwischen Veranstaltungen und Fächern entstehen kann, der durch einen Wettlauf um die ansprechendste Lehrtechnologie befeuert wird.

In der Diskussion wurde auch die digitale Umsetzung von Praktika und Versuchen in der digitalen Lehre angesprochen. In einem beispielhaften Projekt wurde die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden bei der Versuchsdurchführung dadurch gefördert, dass die Projektergebnisse durch die Gruppen in der synchronen Online-Lehrzeit für alle Teilnehmenden dargestellt werden mussten. Zugleich wurde Feedback von anderen Studierende erbeten. Dies stärkte sowohl den digitalen Austausch zwischen den Studierenden als auch den Lehrerfolg, denn alle Projekte wurden von den Studierenden erfolgreich auf hybride Weise abgeschlossen).

Wie sind die Erwartungen zum Winter? – Drei Sessions

Session 01: „Auch die nächste Runde geht auf uns!“ – Erwartungen an das WiSe 2020/21

Wenn in der digitalen Lehre drei konkrete Punkte weiter verbessert oder ergänzt werden sollen – welche sollten das sein? Hier wurde zuerst eine bessere Information und Kommunikation zu den zur Verfügung stehenden Systemen der TUHH genannt, die mit einer bedarfsgerechten Planung verbunden sein sollte. Dabei müssen die Schnittstellen funktionieren. Für alles braucht es eine gute Balance zwischen der Vielfalt und einem Standard an bereitgestellten Tools (zu viele verschiedene Tools können Studierende überfordern).

Mit Blick auf die Lernenden konzentriert sich das Ergebnis hingegen auf diese drei Punkte: 1. Lassen sich Buddy-Tandems aus Erstsemesterstudierenden und Studierenden in höheren Semestern bilden. 2. Sollen alle für das Lernen notwendigen Informationen an zentraler Stelle in einem Lehrmanagementsystem gebündelt sein (vorzugsweise Stud.IP). 3. Sollte die Zusammenarbeit der Studierenden durch die Organisation von digitalen Gelegenheiten, um Kontakte zu knüpfen, gestärkt werden en (in formellen und informellen Lernsituationen).

Session 02: „Fünf geheime Funktionen in Stud.IP und ILIAS entdeckt!“ – Tipps zu den Standart-Werkzeugen der TUHH

Wie bindet man Videos eigentlich gut in ILIAS ein? Früher ist hierzu kein einfacher Upload und eine zeitgemäße Einbindung möglich gewesen. Nun jedoch kann der Medienupload über den Mediasite-Server erfolgen, Videos können dann direkt im ILIAS-Lernmodul abgespielt werden. Der Mediasite-Server ist der zentrale Ort der TUHH zum Speichern und Bereitstellen von Streaming-Dateien für die Lehrveranstaltungen.

Zudem wurde erläutert, dass Kurse in Stud.IP mit ihren angelegten Inhalten als neue Veranstaltungen für ein neues Semester kopiert werden können (bei Bedarf unterstützt das RZ).

Grundsätzlich wurde in dieser Session deutlich, dass die Anwendungserfahrung insbesondere mit ILIAS – selbst unter den interessierten Lehrenden – sehr unterschiedlich ausgeprägt ist.

Session 03: „Wie kann ich wissen, dass es läuft?“ – Drei Tools für ein Zwischenfeedback

In dieser Gruppe wurden drei Feedback-Methoden Feedbacks vorgestellt: TAPdigital, digitale Umfrage-Tools und kleinere Methoden zum Feedback zu einzelnen Meetings. Dazu wurde diskutiert, zu welchem Zeitpunkt im Veranstaltungsverkauf am sinnvollsten ein Feedback eingeholt werden sollte.

Fazit und Follow-Up

Als resümierendes Schlaglicht wurde zum Sommersemester an der TUHH formuliert, dass „es bislang besser gelaufen zu sein [scheint], als man ursprünglich erwarten konnte“.

In der Diskussion des Runden Tisches ist die Motivation und Aktivierung von Studierenden in synchroner wie auch in asynchroner Lehre ein zentrales Anliegen der Lehrenden gewesen. Als schwierige Rahmenbedingung wurde die gleichzeitige Einführung von TUNE benannt, die die Semestervorbereitung erschwert. Abschließend wurde der sehr gute Austausch zwischen den Instituten und Hierarchiestufen zu bisherigen Ergebnissen und neuen Vorhaben zur digitalen lehre und zum digitalen Lernen hervorgehoben.

Als zukünftiger Bedarf wurde noch mehr Orientierung zur digitalen Lehre durch einen Handlungsleitfaden und „gute Beispiele“ gewünscht. Im Detail gilt dies z. B. für Fragen der Einbindung von Medien in ILIAS. Da alle Institute weiterhin vor ähnlichen Herausforderungen stehen wurde abschließend der Wunsch nach weiteren Runden Tischen mit mehr Gelegenheit zur Diskussion unterstrichen.

Die Kolleg/innen im ZLL wie auch im Rechenzentrum stehen gerne für didaktische bzw. technische Fragen zur Verfügung.

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