Didaktik konsequent von den Lehrenden aus denken – Neue Ansätze

Die Entwicklung von Veranstaltungen und Studiengängen kann in der Beratung schnell zur Situation führen, dass Professoren, Postdocs und Promovierende ihr Lehrproblem auf den Tisch legen und die didaktische Beratung ihren geöffneten Werkzeugkasten sogleich für einen schnellen Ratschlag daneben stellt, ohne dass Ansätze für eine nachhaltige Weiterentwicklung zuvor deutlich erfasst wurden. Vom ZLL wurde kürzlich in zwei Workshops ausprobiert, wie es auch anders gehen kann.

Bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik in Karlsruhe führten Kolleginnen des “Wandelwerks” der FH Münster einen Workshop durch, der sich am “Design Thinking” rund um den einzelnen Lehrenden orientiert. Ausgangspunkt ist, sich ein Bild von den Interessen, Erfolgs- und Stressfaktoren in den relevanten Lebensbereichen der Wissenschaftlerin oder des Wissenschaftlers zu machen. Dadurch soll vermieden werden, die Person auf die Rolle als Lehrende/r zu verkürzen oder vorschnell didaktische Methoden nahe zu legen, die letztlich mehr über das Portfolio des Beraters verraten, als über den genauen Unterstützungsbedarf.

Um den alternativen Ansatz durchzuspielen wurde in Karlsruhe eine fiktive Juniorprofessorin vorgestellt, die nach großem beruflichen Erfolg in der Industrie seit einem Jahr an der Hochschule tätig ist. In Forschung und Lehre gleichfalls hoch engagiert, ist sie von ihren Studierenden bereits nach kurzer Zeit enttäuscht, da deren Leistungen nicht ihren Erwartungen entsprechen. Aus didaktischer Perspektive könnte man nun schnell zu Methoden raten, die die Heterogenität der Lernenden besser einfangen oder ihre Motivation steigern. Um das Lehrproblem nachhaltig zu lösen, ergab die Analyse beim Karlsruher Workshop jedoch, dass die Lehrende als ganze akademische Person gestärkt werden muss. Um dies zu erreichen würde die junge Professorin am stärksten und nachhaltigsten von einigen Gesprächen mit einer erfahrenen Kollegin profitieren. Ziel eines solchen Mentoringangebots wäre, vertrauensvoll den eigenen akademischen Lebensentwurf und – als Teil davon – die Erwartungen als Lehrende zu reflektieren. Erst danach würden gegebenenfalls neue didaktische Methoden im Unterricht eingesetzt.

Auf das Forschende Lernen übertragen haben Dr. Ulrike Bulmann und ich beim letzten HDWS-Workshop etwas Ähnliches ausprobiert: Anstatt mit der Festlegung kompetenzorientierter Lernziele oder einem Unterrichtsproblem zu beginnen bekamen die Teilnehmenden die Möglichkeit, zunächst ihr Interesse an Universität, Forschung und Lehre zu formulieren. Was macht Ihre Lust auf Wissenschaft aus? Hiervon ausgehend fragten sie sich, wie sie am liebsten mit Studierenden zusammenarbeiten möchten.

Erst nach dieser Positionsfindung bekam jede und jeder Gelegenheit, näher zu bestimmen: Bin ich dabei hauptsächlich an der Erstellung neuer Untersuchungsfragen, an neuen Methoden oder am umfassenden Einbezug der Studierenden in ein Forschungsprojekt interessiert? Welche Studierenden sollen dies sein? Und in welche Form könnte dies schließlich gegossen werden – z. B. als Summer School, als studentisches Projekt an einem koordinierten DFG-Programm oder im Rahmen regulärer Lehre, die im Curriculum verankert ist?

Falls Sie sich solche Gedanken auch schon einmal gemacht haben oder mehr wissen möchten: Schreiben Sie gern einen Kommentar!

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