Barrierefreiheit in der Online-Lehre

Zu Beginn der Veranstaltung nach beeinträchtigungsbezogenen Bedarfen fragen

Gastbeitrag von Theresia Hachmöller (Gleichstellungsbeauftrage AStA TUHH) und
Annemarie Pläschke (Studentische Hilfskraft am ZLL und Master-Studentin der Soziologie, Universität Hamburg)

Mit Corona verändern sich Lehre und Lernen an der TUHH. Die Teilhabechancen von Studierenden mit Beeinträchtigung dürfen hierbei jedoch nicht gemindert werden. Digitale Lehrformate sollten daher möglichst barrierearm gestaltet sein. Falls eine barrierefreie Teilnahme an online-Veranstaltungen nicht für alle Studierenden gleichermaßen möglich ist, müssen zudem angemessene Nachteilausgleiche realisiert werden. Ansprechpartnerin für Studierende ist die Gleichstellungsreferentin des AStA (aktuell Theresia Hachmöller).

Beeinträchtigungen können aus diversen Gründen entstehen und verschiedenste Formen annehmen.

Besondere Lebenslagen von Studierenden sind nicht immer offensichtlich.

Eine Stellungnahme des AStA beleuchtet die verschiedenen Formen von Beeinträchtigungen mit Blick auf die spezifische Situation digitaler Lehre an der TUHH.

Insbesondere Studierende mit Hör- und Sehbeeinträchtigung sind auf Barrierefreiheit im digitalen Kontext angewiesen. Die aktuelle Situation verlangt praktikable und technisch realisierbare Lösungen, um allen Studierenden die weitere Teilnahme am Studium zu ermöglichen. Lehrende sollten möglichst zu Beginn der Veranstaltung nach beeinträchtigungsbezogenen Bedarfen fragen, um bedarfsgerechte Lösungen zu finden. Eine Übersicht häufiger Hürden und möglicher Lösungsbeispiele stellt die Universität Hamburg in einer Handreichung zusammen.

Das Erstellen barrierearmer Dokumente, Videos und Webdesigns ist häufig nötig, um beeinträchtigten Studierenden die Teilnahme an einer online-Lehrveranstaltung zu gewähren. Im Folgenden möchten wir auf gängige praktische Hinweise zur digitalen Barrierefreiheit eingehen und weiterführende Arbeitshilfen anderer Hochschulen und Institutionen nennen.

Barrierearme Dokumente

Allgemein gilt für die Erstellung barrierearmer Dokumente (Quelle: TU Dresden):

  • Verwendung von Formatvorlagen im Dokument (insb. Überschriften)
  • Schreiben von Alternativtexten zu verwendeten Bildern und Objekten
  • Angabe von Spaltenkopfzeilen in Tabellen
  • Kurze Titel in Überschriften
  • Aussagekräftige Hyperlinktexte
  • Einfache und übersichtliche Tabellenstrukturen (ins. Vermeiden vieler leerer Zellen)
  • Vermeiden unverankerter Objekte
  • Vermeiden grafischer Wasserzeichen
  • Einfügen von Untertiteln für Audioelemente

In MS-Office können einige mögliche Barrieren über die Funktion Barrierefreiheit prüfen kontrolliert werden. Detaillierte Arbeitshilfen zu barrierearmen Dokumenten haben die TU Dresden, die Universität Kassel und die Hochschule Köln erstellt. Eine Arbeitshilfe zu barrierearmen Dokumenten mit LaTeX bietet die TU Dortmund.

Barrierearme Videos und Webdesign

Es ist nützlich bereits bei der Planung von Videos und Webinhalten daran zu denken, wie Personen mit Einschränkungen diese nutzen können. Werden in einem Video alle Informationen, die für das Verständnis wichtig sind, auch akustisch vermittelt, kann unter Umständen auf eine Audiodeskription verzichtet werden. Ebenso kann ein bewusster Einbau von Pausen helfen, eingesprochene Texte als Audiodeskription zu ergänzen. Ein mäßiges Sprechtempo und eine verständliche Sprache erleichtern das akustische Verständnis von höreingeschränkten Personen. Ebenso wird eine Untertitelung so erleichtert (Quelle: BIK).

Allgemein gilt für die Erstellung von Untertiteln für Videoelemente (Quelle: TU Dortmund):

  • So originalgetreu wie möglich und so vereinfacht wie nötig
  • Linksbündig ausrichten
  • Serifenlose Schriftart
  • Sprecher/-innen eindeutig kennzeichnen
  • Geräusche und Musik kennzeichnen
  • Paralinguistische Elemente kennzeichnen (seufzen, schreien, husten…)

Allgemein gilt für die Erstellung von Audiodeskriptionen (Quelle: NDR):

  • Audiodeskriptionen beantwortet die Fragen „wer, wo, was, wann“
  • Beschreibungen handlungssynchron in Dialogpausen vornehmen
  • Beschreibung im Präsens vornehmen
  • Komplizierte Satzkonstruktionen vermeiden
  • Personen frühzeitig beschreiben
  • Handlungsrelevante Geräusche nicht überspringen
  • Richtungsangaben aus Perspektive der Betrachtenden vornehmen

Detaillierte Vorgaben für Audiodeskriptionen und die Erstellung von Untertiteln stellt das BIK zur Verfügung. Die TU Dortmund hält eine praxisnahe Anleitung für die Erstellung von Untertiteln bereit. Vorgaben und Richtlinien für Audiodeskriptionen finde sich zudem beim NDR.

Um Videos und andere Medien auf Webseiten so einzupflegen, dass eingeschränkte Personen diese möglichst barrierearm nutzen können, gelten einige Anforderungen. Das BIK fasst diese zusammen und gibt Hinweise zur Nutzung spezifischer Mediaelemente.

Hochschulübergreifende Institutionen

Weitere Informationen zur barrierearmen online-Lehre können bei der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung des
Deutschen Studentenwerks (IBS), beim Projekt “barrierefrei informieren und kommunizieren für alle” (BIK), dem Hochschulforum Digitalisierung und dem hessischen Verbundprojekt Innovationsforum Barrierefreiheit eingeholt werden.

Wir wünschen Ihnen noch einen guten Start in das digitale Semester und hoffen, dass wir Ihnen in diesem Beitrag einen guten Überblick zur Gestaltung barrierearmer digitaler Lehre bieten können!

 
 

Bildquelle: www.freepik.com

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