“Alle über das ganze Semester hinweg mitnehmen“ – Interview mit Dorothea Rechtenbach

Dorothea Rechtenbach, Modulverantwortliche für Chemie I und II im Bachelor Bauingenieurwesen und AIW, berichtet im Gespräch über Ihre Erfahrungen mit Clickern in einer Großveranstaltung.

ZLL: Was würden Sie Kollegen raten, die überlegen Clicker in die Lehrveranstaltung zu integrieren?

Rechtenbach: Auf jeden Fall machen! Man sollte sich schon bewusst sein, dass die Entwicklung der Fragen anspruchsvoll ist. Es muss inhaltlich passen, es darf nicht zu viel Zeit innerhalb der Veranstaltung in Anspruch nehmen. Aber die Arbeit lohnt sich.

ZLL: Wie haben die Studierenden auf die Clicker in der Chemie I reagiert?

Rechtenbach: Ich habe sehr viel positives Feedback bekommen zu den Clickern. Es ist zum einen eine kurze Unterbrechung, aber man setzt sich auch anders mit dem Stoff auseinander. Man hört zu und denkt man versteht alles, aber wenn dann eine konkrete Frage gestellt wird, müssen die Studierenden sich fragen, ob sie es wirklich verstanden haben. Diese Methode ist sehr gut und ich werde sie auf jeden Fall beibehalten.

ZLL: Welche Rahmenbedingungen haben Sie in Ihrer Veranstaltung?

Rechtenbach: Wir haben pro Semester 300-350 Studierende. Bei den Klausuren sind es mit den Wiederholern oft 500 Anmeldungen. Die Vorlesung wird von Herrn Dr. Wutz von der Uni Hamburg gehalten, ich mache die Hörsaalübung.

Diese große Zahl an Studierenden ist für uns die größte Herausforderung in der Lehre. Der Wissensstand ist sehr heterogen. Wir haben eher wenige, die sehr fit sind und Chemie LK hatten. Ungefähr die Hälfte haben sehr wenig chemisches Vorwissen. Für die ist es sehr viel Stoff, schließlich haben sie auch noch Mathe, Mechanik usw. Die große Schwierigkeit ist es, alle über das ganze Semester mitzunehmen. Mit der Lehrinnovation mit dem ZLL wollten wir die Motivation im Laufe des Semesters steigern und mehr Studierende zur Klausur erscheinen und am Ende auch bestehen. Wir haben eine sehr hohe Quote von Studierenden, die die Klausur gar nicht erst mitschreiben oder eben nicht bestehen.

ZLL: Wie oft haben Sie die Clicker eingesetzt?

Rechtenbach: Wir haben in jeder Veranstaltung 3-4 Clickerfragen gemacht. Das war im Rahmen der Lehrinnovation schon viel Arbeit, sich so viele Fragen zu überlegen. Aber jetzt ist die Arbeit ja getan. Ich hätte nicht erwartet, dass das so positiv von den Studierenden angenommen wird.

 

ZLL: Haben Sie Tipps für Studierende für die Selbstlernphase?

Rechtenbach: Sinnvoll finde ich es in Gruppen zu lernen. Das merke ich immer wieder in den Sprechstunden. Außerdem sollte man sich bemühen am Ball zu bleiben. Viele schieben Klausuren gern, aber man muss sich ranhalten und versuchen Dinge abzuschließen, denn es wird nicht wirklich weniger. Man muss sich auch auf die Veranstaltungen vor- und nachbereiten, denn es wird viel mehr Stoff vermittelt als in der Schule. Je mehr man innerhalb des Semesters mitnimmt, desto besser wird die Klausurvorbereitung. Die Clicker sollen das kontinuierliche Lernen während des Semesters ja genau unterstützen.

ZLL: Wie sieht für Sie gute Lehre aus?

Rechtenbach: Die Inhalte müssen relevant sein, die Geschwindigkeit ist ebenfalls wichtig. Man darf nicht zu schnell sein, damit alle mitkommen, aber auch nicht zu langsam, damit die anderen nicht unterfordert sind. Sonst entsteht sehr schnell eine große Unruhe, die auch die Studierenden stört.

Es ist ein großer Unterschied, ob man für 20-30 Masterstudierenden oder eine Großveranstaltung mit 300 Bachelor-Studierenden hält. Bei kleinen Masterkursen kann man besser auf die Einzelnen eingehen, im Dialog. Aber bei so einer Großveranstaltung muss man von vornherein ein gutes Konzept haben und zum Zuhören animieren.

ZLL: Was empfinden Sie als schlechte Lehrsituation?

Rechtenbach: Wenn Lehrende monoton und unflexibel sind, in der letzten Minute noch mit einem neuen Thema beginnen, die Distanz zwischen Dozenten und Studierenden sehr hoch ist. Wenn man den Eindruck hat, dass es dem Dozenten gleichgültig ist, ob man mitkommt oder nicht.

Im Gegensatz ist dazu ist auch Begeisterung übertragbar, wenn Dozenten für ihre Themen brennen. Wobei es in den Grundlagenfächern wie Chemie zugegebenermaßen schwierig ist für alle Themen zu brennen, es gibt auch trockene Inhalte. Man braucht nun mal die Grundlagen, um sich später mit den spannenden, innovativen Themen befassen zu können.

ZLL: Ist es hilfreich mit Dritten über die eigene Lehrveranstaltung zu sprechen?

Rechtenbach: Ich fand es bereichernd mit dem ZLL zusammenzuarbeiten, um neue Impulse und Feedback zu bekommen und sich weiterzuentwickeln. Wenn man die gleiche Veranstaltung Jahr für Jahr macht, verfällt man in Schemata. Man denkt manchmal, je mehr Inhalte man in eine Veranstaltung packt, desto besser wird sie. Aber aus didaktischer Sicht ist eben manchmal weniger mehr, auch weniger Medien. Die wenigsten können volle 90 Minuten 100-prozentig konzentriert zuhören.

ZLL: Vielen Dank für das Gespräch.

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