FAQ

Allgemeine Fragen zum Projekt TaBuLa:

1. Was bedeutet der Begriff 'TaBuLa'?
TaBuLa ist die Abkürzung für „Testzentrum für autonome Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg“. Damit wird umschrieben, dass im Kreis Herzogtum Lauenburg Tests für den Einsatz von automatisierten bzw. autonomen Bussen starten und eine entsprechende Testumgebung eingerichtet wird.
2. Was sind die Projektziele?
Im Projekt TaBuLa sollen Möglichkeiten und Hindernisse des Einsatzes automatisierter und vernetzter Fahrzeuge im Nahverkehr untersucht werden. Darüber hinaus soll ein Testfeld für automatisierte Busverkehre unter echten Verkehrsbedingungen entwickelt werden. Hierfür soll eine Testumgebung im Straßenverkehr (Mischverkehr) und im Betrieb mit Fahrgästen aufgebaut werden.
3. Wer sind die Projektpartner und Unterstützer?
Der Kreis Herzogtum Lauenburg ist als Projektpartner als ÖPNV-Aufgabenträger eingebunden. Die Technische Universität Hamburg (TUHH) mit dem Institut für Verkehrsplanung und Logistik  ist als wissenschaftlicher Partner und Projektkoordinator in das Projekt TaBuLa eingebunden.
Die Stadt Lauenburg/Elbe stellt als assoziierter Projektpartner das eigene Stadtgebiet als Testregion zur Verfügung und ist neben dem Kreis als Straßenbaulastträger tätig.
Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH sind in TaBuLa als Betreiber der automatisierten Busses eingebunden.
Für die Vernetzung mit bereits bestehenden Förderprojekten in Norddeutschland sowie unterstützend für Fragestellungen mit technischem, betrieblichem und organisatorischem Schwerpunkt wird auf die Erfahrungen des Büro autoBus zurückgegriffen.
Die Versorgungsbetriebe Elbe GmbH sind Förderer indem sie Unterstand und Energieversorgung für das elektrobetriebene Fahrzeug bereitstellen.
Siemens Mobility GmbH unterstützt das Projekt untr anderem durch die Aufrüstung der beiden Ampelanlagen.
4. Was ist der Unterschied zwischen dem autonomen und dem automatisierten Fahren?

Beim (hoch-)automatisierten Fahren übernimmt das Fahrzeug nur für ausgewählte Situationen die Steuerung und die Fahrtüberwachung. Beim vollautomatisierten oder autonomen Fahren übernimmt das Fahrzeug die gesamte Steuerung und die Fahrtüberwachung in allen Situationen. Der Fahrer wird zum Passagier.
Im Projekt TaBuLa ist es angedacht, vom hochautomatisierten Fahrmodus in den vollautomatisierten bzw. autonomen Fahrmodus zu wechseln, sofern es die gesetzlichen Grundlagen erlauben.
5. Warum wird Lauenburg/Elbe zum Testfeld?
Lauenburg/Elbe bietet mit der Verbindung der Alt- und Oberstadt eine besonders geeignete Testumgebung für automatisierte Kleinbusse, da die  Verbindung sowohl für die Anwohner als auch Touristen attraktiv ist. Die Umgebung im Bereich der Alt- und Oberstadt bietet viele Herausforderungen auf der Strecke (Steigung, Kopfsteinpflaster etc.) für den Bus. Daher bietet sich die Stadt für ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt an.
6. Wo ist die Teststrecke in Lauenburg?
Angeboten wird ein zentrumsnaher Rundkurs als Verbindung von Alt- und Oberstadt in drei Phasen. Der Fahrtweg soll in einer ersten Phase den ZOB und den Fürstengarten in Lauenburg/Elbe verbinden. Als zweite Phase wird die Route um einen Abschnitt der Bundesstraße B 5 / B 209 Berliner Straße erweitert. In der dritten Phase wird die Ringlinie um die Altstadt ergänzt, so dass Altstadt und Oberstadt durch den Bus verbunden werden.
7. Warum fährt der Bus nicht zum Bahnhof?
Es wurden im Sinne eines Testzentrums und in Abstimmung mit den technischen Möglichkeiten der Fahrzeughersteller sämtliche Strecken in Lauenburg/Elbe betrachtet. Dabei hat sich gezeigt, dass der gewählte Fahrtweg in der Kombination seiner Eigenschaften weltweit einzigartige Bedingungen schafft, um die Forschung und Entwicklung im Bereich automatisierter Kleinbusse voran zu treiben. Gleichzeitig bietet sich ein verkehrlicher Nutzen und eine neue Verbindung zwischen Alt- und Oberstadt.
Die Fahrtwege aus der Machbarkeitsstudie und die Anbindung zum Bahnhof haben sich zum aktuellen Zeitpunkt als ungeeignet herausgestellt.
8. Wie sieht der Zeitplan für das Projekt aus?
Beginn der Projektlaufzeit: 01.01.2018
Testdurchführung Phase 0 (ohne Fahrgäste, mit Begleiter): ab Mitte 2019
Testdurchführung Phase 1 (mit Fahrgästen, mit Begleiter): ab Herbst 2019
Testdurchführung Phase 2 (mit Fahrgästen, ohne Begleiter): offen (rechtliche und technische Realisierbarkeit in Prüfung)
Ende der Projektlaufzeit: 30.06.2020
9. Das Forschungsprojekt ist auf 3 Jahre ausgelegt, was passiert in den 3 Jahren?

Im ersten Jahr stehen die Auswahl einer geeigneten Strecke, die Auswahl des Fahrzeugs, die Umsetzung von Anforderungen an die Umgebung (z. B. Straße, Verkehrszeichen, Lichtsignalanlagen) sowie die Genehmigung des Betriebs im Vordergrund. Das zweite und dritte Jahr wird die Betriebsaufnahme in mehreren Phasen beinhalten, die sowohl ohne als auch mit Fahrgästen erfolgt.
10. Wie viele Fahrzeuge werden eingesetzt?
Aktuell wird ein Bus eingesetzt.
11. Ab wann kommt der Bus?

Der Bus wird ab Herbst 2019 den Betrieb mit Fahrgästen aufnehmen und voraussichtlich bis Juni 2020 fahren.
12. Was kostet das Projekt?
Das Projektvolumen beträgt 2,25 Mio. Euro, davon werden 1,92 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) getragen.

Fragen zum TaBuLa-Shuttle

1. Was für ein Bus wird für das Projekt TaBuLa fahren?

Es handelt sich bei dem Bus um einen hoch- oder vollautomatisierten Kleinbus. Der Bus kann nach heutigem Stand der Technik noch nicht alle Situationen eigenständig (autonom) bewältigen, er fährt deshalb auf einem angelernten Weg und wird von einem geschulten Fahrzeugbegleiter auf der Fahrt unterstützt.
2. Gibt es eine Begleitperson?

Im Rahmen des Projektes ist geplant, dass in der Anfangsphase des Busbetriebs mit Fahrgästen eine geschulte Begleitperson der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) das Fahrzeug begleitet, überwacht und die Fahrgäste informiert bzw. bei Bedarf auch unterstützt. In einer späteren Phase soll auch das unbegleitete Fahren erforscht werden. Dies ist jedoch abhängig von der Gesetzeslage.
3. Wird der Bus klimatisiert sein?
Der Bus hat eine eigenständige Klimaanlage und kann den Innenraum sowohl heizen als auch abkühlen.
4. Ist der Bus barrierefrei?
Der Bus ist barrierefrei einsetzbar. Er hat keine Stufe im Fahrzeuginneren  und besitzt eine ausklappbare Rampe (belastbar bis 350 kg). Zudem werden die Haltestellen möglichst so eingerichtet, dass ein nahezu niveaugleiches Einsteigen sichergestellt wird.
5. Wie schnell fährt der Bus?
Die Busse aller in Frage kommenden Hersteller können technisch etwa
40 km/h bis 45 km/h schnell fahren. Betrieben werden sie aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage und den technischen Möglichkeiten in den bisherigen Einsatzfällen jedoch nur zwischen 10 und 25 km/h.
Der Bus in Lauenburg wird für das Projekt mit ca. 18 km/h fahren.
6. Ist der Bus laut?
Nein, der Bus fährt elektrisch und ist daher viel leiser als herkömmliche Busmodelle.
7. Wenn der Bus elektrisch fährt, hat er dann eine Photovoltaikanlage auf dem Dach?
Das Fahrzeug hat auf dem Dach keine Anlage zur Stromerzeugung. Der Platz wird bautechnisch durch die Klimaanlage und Ortungstechnik belegt.
8. Kann das Fahrzeug von anderen Personen als vom Fahrzeugbegleiter gesteuert werden?
Das Fahrzeug kann von außen nicht gesteuert werden, es besteht keine direkte Verbindung zum Lenk- und Bremssystem. Es steuert sich selbst, kann aber Befehle empfangen wie beispielsweise „Fahre zur Ladestation“. Es kann aber nicht von außen wie über eine Fernbedienung gesteuert werden. Möglich ist das manuelle Fahren aus dem Fahrzeug selbst, was mit entsprechenden Geräten durch das Begleitpersonal erfolgt. Dies ist z. B. für Fahrten erforderlich, die nicht auf dem vorbereiteten Linienweg durchgeführt werden.
9. Erkennt der Bus (alle) Straßenschilder?
Der Bus erkennt Verkehrszeichen noch nicht, da die Sensor- und Kameratechnik dafür noch nicht weit genug entwickelt ist. Bestandteil eines autonomen Verkehrssystems ist daher auch die Weiterentwicklung der straßenseitigen Einrichtungen, um für autonome Systeme erkennbar zu sein. Bei dem für das TaBuLa-Projekt vorgesehenen Bus ist der Fahrweg und damit die Regulierung durch die Beschilderung einprogrammiert. Die Reaktion auf bestimmte Zustände des Systems selbst, der Umgebung sowie von Verkehrszeichen wird jeweils in Fahrbefehlen für das Abfahren der einprogrammierten Route hinterlegt.
10. Erkennt der Bus Ampeln (LSA)?
Grundsätzlich kann der Bus mit Ampeln kommunizieren. Bei dieser Kommunikation erhalten die Fahrzeuge ein Funksignal von der Ampel und das Fahrzeug verarbeitet die Informationen, indem es an der einprogrammierten Haltelinie stehen bleibt oder die Kreuzung bei grün überquert. Die Kommunikation geschieht nicht über optische Systeme, sondern über Funkfrequenzen.
11. Kann der Bus bei allen Wetterbedingungen fahren?
Das genaue Verhalten bei unterschiedlichen Wetterbedingungen ist Teil der aktuellen Forschung zum autonomen Fahren. Die Hersteller geben an, dass die Witterungsbedingungen den Betrieb einschränken können. Das gilt für folgende Extremwitterungen:

  • Außentemperaturen unter -10°C oder über +40°C
  • Starkregen (> 5mm/h)
  • Schneefall
  • Starke Windböen (> 55km/h)
  • Eis/Glätte
  • Nebel, Rauch oder Dunst

Aufgrund der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit von Kamera-, Radar- und Lidar-Systemen ist damit zu rechnen, dass einige der genannten Situationen in den nächsten Jahren gelöst werden.

12. Aus welchen Materialien besteht der Bus?
Die Karosserie des NAVYA-Fahrzeugs besteht im Wesentlichen aus Stahl mit einer hohen Elastizitätsgrenze, es sind Beschichtungen gegen Korrosion aufgebracht. Die Außenbauteile sind aus Glasfaser und Harz-Polyester hergestellt.
Für die einzelnen technischen Bauteile bezieht der Hersteller handelsübliche und geprüfte Fahrzeugbauteile für elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Die Sensoren und Kameras sind die derzeit auf dem Markt befindlichen leistungsstärksten Systeme, um die automatisierten Fahrfunktionen auf einem ma-ximalen Sicherheitslevel und mit höchster Präzision auszuführen.
13. Sind die Bauteile des Busses geprüft?
Die einzelnen technischen Bauteile bezieht der Hersteller als handelsübliche und geprüfte Fahrzeugbauteile für elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Die Sensoren und Kameras sind die derzeit auf dem Markt befindlichen leistungsstärksten Systeme, um die automatisierten Fahrfunktionen auf einem maximalen Sicherheitslevel und mit höchster Präzision auszuführen.
14. Wie wird für die Sicherheit im Straßenverkehr gesorgt?
Alle derzeit erhältlichen autonomen Fahrzeuge verfügen über Kameras und Lidar-Sensoren. Lidar steht für „Light detection and ranging“. Das Lidar-System ist eine Art Scanner. Das Erkennen von Hindernissen in einem vorgegebenen Gefahrenbereich ist somit garantiert. Zudem fahren die Fahrzeuge passiv und reagieren bei jeder potenziellen Gefahrensituation sehr vorsichtig. Im Fahrzeug selber befindet sich in der Anfangszeit ein Fahrzeugbegleiter, der die Funktion eines Fahrzeugführers übernimmt. In einer späteren  Projektphase ohne Begleiter kann jederzeit von den Fahrgästen über entsprechende Schalter im Fahrzeug Kontakt mit einer Leitstelle aufgenommen werden.
15. Wer ist der Betreiber des Kleinbusses?
Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH werden Betreiber des automatisierten Kleinbusses sein.
16. Was passiert nach dem Projekt mit dem Bus?
Das ist vom Projektverlauf und von den gemachten Erfahrungen abhängig, deshalb kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage getroffen werden.

Fragen zum Fahrbetrieb

1. Wie sind die Fahrzeiten/ Wann fährt der Bus?
Betriebstage:    Dienstag bis Samstag (nur an Werktagen; Ausnahmen nach Bedarf)
Dienstag bis Freitag von 08:00 bis 11:00 Uhr und von 14:00 bis 17:00 Uhr
Samstag: von 08:00 bis 14:00 Uhr.
2. Warum gibt es keinen Fahrplan?
Da es ein Testversuch ist, gibt es keinen Fahrplan, wie auf einer bestehenden Buslinie.
3. Woher weiß ich, wann der Bus kommt?
Es gibt bis zum Beginn des Fahrbetriebs mit Fahrgästen eine Internetseite, auf der eine Karte in Echtzeitübertragung den Fahrtverlauf darstellen wird. Dann kann man sehen, wo genau der Bus sich gerade befindet.
4. Kostet die Mitfahrt Geld?/ Was kostet eine Fahrkarte?
Weil es ein Testbetrieb ist und das Projekt gefördert wird, ist die Mitfahrt für alle Fahrgäste kostenlos.
5. Wie viele Personen/Rollstühle/Kinderwagen haben im Bus Platz?
Im Bus stehen 11 Sitzplätze zur Verfügung (ein Platz ist für den Fahrzeugbegleiter), zzgl. eines Stellplatzes für Rollstuhl oder anderes.
6. Können Fahrräder/E-Scooter mitgenommen werden?
Nein, derzeit ist aufgrund des begrenzten Platzes im Fahrzeug keine Fahrradbeförderung oder E-Scooter-Mitnahme möglich.
7. Dürfen Tiere mitfahren?/Darf Gepäck mitgenommen werden?

Haustiere und Gepäck dürfen mitgenommen werden, solange es der Platz zulässt.
8. Was passiert, wenn jemand in der Tür steht und diese sich nicht schließen kann?
Die Tür ist, wie alle Türen bei Linienbussen, gegen das Einklemmen von Personen und Gegenständen gesichert. Ist dieser Bereich nicht frei, können die Fahrzeuge nicht die Türen schließen und weiterfahren. Zunächst wird der Fahrzeugbegleiter die Situation einschätzen und Fahrgäste anleiten können. In der nächsten Phase (ohne Fahrzeugbegleiter) wird eine Leitstelle sich im Bedarfsfall über Video ein Bild der Situation machen können und entsprechend das Fahrzeug anleiten.
9. Kann der Bus vom Weg abkommen?
Nein, der Fahrweg wird vor Betriebsaufnahme im Fahrzeugrechner einprogrammiert. Dadurch wird dem Bus sowohl eine zulässige Abweichung von der einprogrammierten Ideallinie vorgegeben, aber auch, wie sich der Bus entlang des zu befahrenden Weges verhalten soll.
10. Bremst der Bus bei Hindernissen?/ Weicht der Bus Hindernissen aus?
Bei plötzlich auftretenden Hindernissen bremst das Fahrzeug automatisch. Nach derzeitigem Stand kann nur ausgewichen werden, wenn die Begleitperson das Fahrzeug manuell bedient. Es wurde von den Herstellern der Fahrzeuge angekündigt, dass die Funktion des fahrzeuggesteuerten Ausweichens technisch schon umsetzbar ist und lediglich einer Zulassung bedarf, bevor sie für die Fahrzeuge freigegeben wird.
11. Gibt es einen Nothalt-Taster und was passiert, wenn er gedrückt wird?
Ja, es gibt deutlich gekennzeichnete und gut erreichbare Nothalt-Taster im Fahrzeug. Die Nothalt-Taster lösen bei Betätigung eine Notbremsung aus und sind sowohl im manuellen als auch im Automatikbetrieb jederzeit aktiv. Die Warnblinkanlage wird beim Nothalt automatisch eingeschaltet. Nach einer Notbremsung können die Türen auf die übliche Weise zum Verlassen des Fahrzeugs verwendet werden. Bei einem Ausfall müssen die Türöffnungssysteme zur Entriegelung von Hand benutzt werden. In der begleiteten Phase wird der Fahrzeugbegleiter die Fahrt überwachen, den Nothalt-Taster in Notfällen betätigen und nach Klärung der Situation eine Weiterfahrt veranlassen.
12. Können die Fahrgäste den Bus jederzeit verlassen?
Der reguläre Ein- und Ausstieg in und aus dem Bus ist nur an den Haltestellen vorgesehen.
Liegt jedoch ein Notfall vor, ist das Verlassen des Fahrzeugs garantiert. Die Fahrgäste können die Tür über einen gut erreichbaren Schalter im Fahrzeuginneren oder auch per Hand öffnen, ebenso ist eine Öffnung von außen möglich. Bei Störungen kann auch die Leitstelle die Öffnung der Tür und damit das Verlassen des Fahrzeuges auslösen.
13. Wie handle ich als Fahrgast bei Unfällen?
Der in der ersten Phase anwesende Fahrzeugbegleiter würde im Falle eines Unfalls die Fahrgäste entsprechend des vorliegenden Handbuchs durch die Situation begleiten und in Absprache mit der Leitstelle alle weiteren Maßnahmen in die Wege leiten. In der zweiten Phase (ohne Fahrzeugbegleiter), deren Umsetzung aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage noch ungewiss ist, würde die Verbindung zur Leitstelle hergestellt werden und die Mitarbeiter in der Leitstelle würden den Fahrgast ebenfalls entsprechend durch die Situation begleiten und weitere Schritte in die Wege leiten.

Fragen zu rechtlichen Rahmenbedingungen und dem Einsatz von automatisierten Fahrzeugen

1. Wo dürfen automatisierte Fahrzeuge derzeit fahren?
Nach derzeitiger Rechtslage dürfen hochautomatisiert oder autonom fahrende Fahrzeuge ohne Begleiter nur auf Privatgelände fahren, da dort die Straßenverkehrsordnung nicht gilt. Darüber hinaus ist ein Einsatz dort möglich, wo die Straßenverkehrsbehörden den Einsatz solcher Fahrzeuge über eine Ausnahmegenehmigung regeln. Mit der heutigen Gesetzeslage wird ein Einsatz auf öffentlichen Straßen grundsätzlich nur möglich, wenn ein Fahrzeugbegleiter (Operator/ Steward) das Fahrzeug jederzeit übernehmen kann.
2. Wo fahren automatisierte Fahrzeuge schon?
Hochautomatisierte Kleinbusse werden in mehreren Dutzend Testfeldern in Europa, Asien, Australien und Amerika eingesetzt. Beispiele sind zu finden in Sion (Schweiz), auf dem Gelände des Kernkraftwerks von EDF in Civaux (Frankreich), in Helsinki, Espoo und Tampere (Finnland), den Gardens by The Bay (Singapur) oder auch auf dem Euref-Campus in Berlin und in Bad Birnbach in Bayern zu finden.
In Deutschland laufen derzeit mehrere Förderprojekte, bei denen automatisierte Minibusse zum Einsatz kommen sollen, u. a. in Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg.
Einige Beispiele können Sie folgendem Link entnehmen:
https://www.bmvi.de/DE/Themen/Digitales/AVF-Forschungsprogramm/Projekte/avf-projekte.html
3. Auf welchen rechtlichen Grundlagen basiert die Genehmigung von automatisierten Bussen?
Fahrzeugeinsatz: Für den Einsatz von automatisierten Bussen mit Fahrgästen im öffentlichen Straßenraum muss eine Zulassungserfordernis nach den Anforderungen aus Straßenverkehrsgesetz (StVG), Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO), Straßenverkehrsordnung (StVO) und Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) erfolgen, weil es sich um Kraftfahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 6 km/h handelt.
Personenbeförderung: Hinzu kommen die Anforderungen aus dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG), das die entgeltliche oder geschäftsmäßige Beförderung von Personen regelt.
4. Wer erteilt die Genehmigungen für den Einsatz des Busses in Lauenburg/Elbe?
Fahrzeugeinsatz: Die erforderliche Einzelbetriebserlaubnis gemäß §21 StVZO wird von der zuständigen Genehmigungsbehörde erteilt, welche die nach Landesrecht zuständige Stelle am Ort des Unternehmenssitzes bzw. der beteiligten Niederlassung des Halters vom Fahrzeug ist. Vorzulegen ist dafür ein Gutachten einer Technischen Prüfstelle (z. B. TÜV), die zum einen die technischen Vorschriften und zum anderen davon abweichende Ausnahmen gem. §70 StVZO und §47 FZV am konkreten Fahrzeug prüft.
Voraussetzung für die Genehmigung ist außerdem der ausschließliche Betrieb auf der im Verfahren konkret angegeben Strecke. Im Rahmen des Verfahrens werden neben der genehmigenden Behörde u. a. betroffene Straßenbaulastträger, Kreise und Stadt beteiligt.
Personenbeförderung: Für die Genehmigung des Linienverkehrs (eine zwischen bestimmten Ausgangs- und Endpunkten eingerichtete regelmäßige Verkehrsverbindung, auf der Fahrgäste an bestimmten Haltestellen ein- und aussteigen können) ist nach Personenbeförderungsgesetz (PBefG) die zuständige Genehmigungsbehörde für den Ort der Leistungserbringung zuständig. Konkret werden die Anträge hierfür vom Kreis Herzogtum Lauenburg in Ratzeburg und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in Kiel bearbeitet.
5. Ist der Bus eine Konkurrenz des öffentlichen Nahverkehrs oder eine Ergänzung?
Der Testbetrieb stellt keine Konkurrenz für das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs in Lauenburg/Elbe dar.
Die Erwartung allgemein ist, dass die bisher verfügbaren Minibusse die Aufgaben der Feinerschließung und der letzten Meile übernehmen werden und somit eine Ergänzung bzw. sogar eine Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Nahverkehrs darstellen können.
6. Welche Auswirkungen haben Projekte wie TaBuLa auf das Berufsbild des Busfahrers?
TaBuLa ist eines von mehreren Förderprojekten mit automatisierten Minibussen. Diese Projekte finden in Testanwendungen statt, wo heute meist keine öffentlichen Verkehre angeboten werden. Sie ersetzen also keine heute vorhandenen Verkehre.
Mittelfristig können die Minibusse gerade dort Verkehrsaufgaben übernehmen, wo der konventionelle Bus aufgrund seines Antriebes, seiner Größe oder einer unwirtschaftlichen Platzierung an seine Grenzen stößt. Auswirkungen auf das Berufsbild des Busfahrers sind jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erwarten.