Lauenburgs autonomer Bus ist da

LNOnline: 24.06.2019

Der Mini-Bus für das Projekt TaBuLa ist angekommen. Jetzt stehen TÜV-Check, Einmessfahrten, Änderungen an Schildern und Ampeln sowie Tests an.

Wäre der 1. April nicht schon gewesen, könnte man meinen, er stünde jetzt an: Lauenburgs erster autonomer Bus ist in der Stadt. Und er ist wirklich ohne Fahrer angekommen – auf einem Tieflader. Denn bevor der Mini-Bus, der für die Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) stehen soll tatsächlich fahren darf, ist noch viel zu tun. Schon in den nächsten Tagen geht es zum TÜV nach Hannover, ebenfalls per Tieflader. Und dann müssen Verkehrsschilder und Lichtsignalanlagen auf der geplanten Fahrtstrecken angepasst werden, in der 36. Kalenderwoche soll es eine Einweisung für die Feuerwehr geben, damit die Rettungskräfte im Notfall wissen, was für eine Technik sie vor sich haben. Irgendwann danach könnte dann der Betrieb starten. Erstmal allerdings ohne Passagiere.

Sonntagabend gegen 20 Uhr rollte der Tieflader an der Hamburger Straße vor. Der Trucker rangierte seinen Transporter mit der ungewöhnlichen Ladung rückwärts neben dem Hof der Versorgungsbetriebe in eine Einfahrt. Schaulustige und künftige Fahrer des autonomen Busses schauten zu. „Wir hatten bisher einige Stunden Theorieunterricht zu dem Projekt. Jetzt freuen wir uns, wenn wir denn auch bald richtig mit dem Fahrzeug starten können“, berichtete Arndt Basel. Der Busfahrer der VHH wird einer von drei Begleitern des autonomen Busses sein. Denn ganz ohne menschliche Aufsicht wird der Mini-Bus vorerst nicht auskommen. Der Betrieb gilt vorerst als automatisiert, noch nicht als autonom.

Mit dem autonomen Bus gilt Lauenburg als eines von wenigen innerstädtischen Testzentren. Vor allem die engen Straßen in der Altstadt und die Steigungen am Elbhang hatten den Ausschlag für Lauenburg als Testzentrum gegeben. Unter den erschwerten Bedingungen soll die Tauglichkeit des Busses ausgiebig getestet werden. „Es ist ein Test, da kann immer auch noch alles schief gehen“, sagt Martin Grote. Der Diplom Ingenieur ist Projektkoordiniator der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH), die beim Projekt Testzentrum automatisierte Busse im Kreis Herzogtum-Lauenburg (TaBuLa) mit der Stadt und dem Kreis zusammenarbeitet. Die Herausforderung im Pilotprojekt umfasst drei Ausbaustufen und Streckenlängen: Die sogenannte Amtsplatzrunde zwischen ZOB und Schloss, die Fürstengartenrunde, die vom ZOB kurz auf die B 5 führt, und Phase drei über den Großen Sandberg in die Altstadt zurück zum ZOB.

Gebaut hat den Mini-Bus mit Platz für elf Fahrgäste die französische Firma Navya. Wenn der TÜV das Fahrzeug genau untersucht und für startklar befunden hat, soll es farbig mit dem TaBuLa-Logo beklebt werden. Danach beginnen ohne Passagiere zunächst die Einmessfahrten auf den Strecken. „Ich freue mich auf die ersten Fahrgäste“, sagt Basel stolz. Sorgen um seinen Job, sollten die Busse künftig ohne Fahrer auskommen, macht er sich nicht. „Das wird ja noch einige Jahre dauern“, sagt der erfahrene Busfahrer, der bald zum Testfahrer wird. Angetrieben wird der Navya durch einen Elektromotor.

Seit einem Jahr laufen bereits die Vorbereitungen des Projekts. Von Freitag bis Sonntag war ein Team der TUHH auf dem Rathausmarkt in Hamburg mit dem Bus bei der Messe „Sommer des Wissens“ zu Gast. Grote: „Das Interesse war unglaublich. Wenn alle, die es in den Gesprächen mit uns angekündigt hatten, zu den Fahrten nach Lauenburg kommen, dann wird ein Bus gar nicht reichen.“

Zum Artikel

Das TaBuLa Shuttle fährt beim „Sommer des Wissens“ vor.

Pressemitteilung vom Kreis Herzogtum Lauenburg: 17.06.2019

TaBuLa Shuttle auf dem Rathausmarkt in Hamburg

Nach einer Reihe von vorbereitenden Arbeiten wird es im Projekt „Testzentrum autonome Busse im Kreis Herzogtum-Lauenburg“ (TaBuLa) jetzt konkret. Der Bus fährt endlich vor.
Direkt aus dem Werk des französischen Herstellers NAVYA in Lyon wird der Kleinbus zum „Sommer des Wissens“ auf den Hamburger Rathausmarkt gebracht. Vom 20. bis zum 23. Juni wird damit erstmals in Hamburg auf dem Rathausmarkt ein automatisiert fahrender Bus ausgestellt. Donnerstag und Freitag kann der Kleinbus jeweils zwischen 9 und 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr besichtigt werden. Hierzu Prof. Dr. Carsten Gertz, Projektleiter des TaBuLa Projektes von der TU Hamburg: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserem TaBuLa Shuttle erstmals in Hamburg einen automatisiert fahrenden Bus präsentieren können. Dies markiert für uns zum einen das Ende der über einjährigen Vorbereitungszeit und gleichzeitig den Beginn des sichtbaren Testbetriebes in Lauenburg/Elbe.“ In dem vorgesehenen automatisierten Betrieb wird von dem Fahrzeugsystem die Beobachtung der Umgebung sowie die Quer- und Längsführung übernommen. Jederzeit wird ein Fahrzeugbegleiter als Rückfallebene zur Verfügung stehen.