Mobilitätsglossar


Modal Split:

Der Modal Split beschreibt die prozentualen Weganteile die in Personenkilometern gemessen (bzw. in Tonnenkilometer im Güterverkehr) mit verschiedenen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Zudem kann er mit der Anzahl der Wege pro Verkehrsmittel berechnet werden. Die Ergebnisse sind jeweils unterscheidlich zu bewerten. Mit dem Modal Split kann die Zusammensetzund des Verkehraufwandes beschrieben oder visualisiert werden. Beispielweise kann somit eine Änderung des Mobilitätsverhaltens innerhalb eines bestimmten Raumes aufgezeigt werden.


Parkraumbewirtschaftung:

Ein enormes, durch überkommene Mobilitätsvorstellungen entstandenes Problem ist der Ruhende Verkehr. Um überhaupt bemessen zu können, wie viele Parkplätze in einer Kommune zur Verfügung stehen, sollten diese erfasst und bewirtschaftet werden. Das bedeutet, für die Nutzung von öffentlichem Raum (durch Parken) auch zu bezahlen. Je nachdem, wie hoch der Preis dafür angesetzt wird, kann eine Lenkungsfunktion erreicht werden.


MIV:

der motorisierte Individualverkehr ist die wissenschaftlich korrekte Bezeichnung für das Autofahren mit eigenem Pkw. Individueller Verkehr ist aber auch umweltfreundlich möglich: mit dem Rad.


Umweltverbund:

Unter dem Umweltverbund verstehen wir alle Verkehrsmittel, die keine Emmissionen erzeugen bzw. kein Eigentum voraussetzen: ÖPNV, Fahrrad, Fußverkehr, Sharingangebote.


Klimaplan:

Hier folgt eine Erklärung vom Klimaplan Hamburg.


Free Floating:

Free Floating bedeutet, dass die Sharing-Fahrzeuge nicht an einer festen Station stehen, sondern überall in der Stadt abgestellt und entliehen werden können. Zum einen wird so eine höhere Flexibilität gewährleistet, zum anderen heißst das auch, dass mehr öffentlicher Raum, wie z.B. die Gehwege, zum Abstellen verwendet wird. Ob Free Floating den Verkehr so sehr zu reduzieren vermag, wie stationsbasierte Sharing-Konzepte, wird angezweifelt, da es einer größeren Stückzahl bedarf, um eine gute Erreichbarkeit für alle zu sichern.


Intermodalität:

Multimodalität beschreibt die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel innerhalb eines Zeitraumes. Nach manchen Definitionen von multimodalem Verhalten ist bei der Anzahl von zwei oder mehr Verkehrsmittel die Multimodalität schon gegeben. Die Intermodalität als Weiterführung dieser Definition, beschreibt die Nutzung unterschiedlicher Fortbewegungsmittel innerhalb eines Weges, z.B. die Nutzung von Fahrrad und Bahn auf dem Weg zur Uni. Die intermodale Verkehrsmittelwahl ist somit für den Alltag ausdifferenzierter und flexibler.


Mobilitätskultur:

Was macht unsere Mobilität aus? Von welchen Faktoren ist sie abhängig? Wichtige Aspekte sind hierbei die Mentalität und Verhaltensweisen der Verkehrsteilnehmer*innen. Der Begriff der Mobilitätskultur versucht hier mehrere „harte“ und „weiche“ Faktoren eines Gebiets zu vereinen. Also: Wie ist die Beschaffenheit der Straße? Wie viele Schienen gibt es? Aber auch: Wie hoch ist der Anreiz, das Fahrrad zu nutzen? Wie gut ist die Aufenthaltsqualität? Daraus ergeben sich Unterschiede zwischen Kommunen aber auch Handlungsempfehlungen zur Änderung des Mobilitätsverhaltens. Wichtig ist hierbei der Kulturbegriff. Er ist bezeichnend, denn Kultur ist stetig wandelbar und nicht rigide. So verhält es sich auch mit Leitbildern, die die Stadtgestaltung seit langem prägen. Jedoch sind Leitbilder träge und es bedarf eines langen Prozesses, einen Wandel langfristig durchzusetzen und somit auch die Mobilitätskultur einer Kommune zu ändern.

Quelle: Nach Götz/Deffner 2009

Ruhender Verkehr

Der ruhende Verkehr ist im Gegensatz zum fließenden Verkehr jener, der geparkt, gehalten oder nicht fahrbereit ist. Was bedeutet das eigentlich für unsere Städte, für den Raum und für Planung? Der meiste ruhende Verkehr nimmt Straßenraum ein, der dann für andere Verkehrsteilnehmer*innen nicht mehr nutzbar ist. In Berlin z. B. gehen 58% der Flächen an den motorisierten Individualverkehr, von dem 19% nur ruht, also seinen Mobilitätszweck nicht erfüllt. Hier kommen nun Alternativen ins Spiel, die die Probleme des ruhenden Verkehrs auffangen können. Eine ist beispielsweise das Car-Sharing, da ein einziges Gefährt von unterschiedlichen Menschen gefahren wird und somit weniger stillsteht. Städte wie Kopenhagen haben zudem den ruhenden Verkehr mit der Reduzierung von innerstädtischen Parkflächen längst zurückgedrängt.


Magistrale

Magistralen sind die Hauptschlagadern der Stadt. Magistrale  kommt aus dem lateinischen  „magis“ also „groß“ oder „am meisten“ und ist die Hauptverkehrslinie einer Region wie z. B. einer Stadt, eines Landes oder eines Gebiets. Zwar kann es sich hier auch um Magistralen des Schienenverkehrs handeln, jedoch sind es meist dann doch Straßen, die vor allem Autoverkehr führen. Magistralen sind meist dichte Räume, die sich durch ihre Heterogenität auszeichnen. Hier prallen unterschiedliche Realitäten aufeinander, jedoch stellen sie auch einen Begegnungs- und Transitraum dar. Magistralen definieren sich durch ihre unterschiedlichen Zentralitäten. Diese reichen von Versorgungs- zu Produktionsstrukturen. Sie verbinden, aber sie teilen auch Stadträume, da sie eine deutliche physische Zäsur darstellen. Durch ebendiese Teilung sowie Lärm und Schmutz sind sie zudem auch für städtische Segregation verantwortlich.


Last mile

Unter the first mile / last mile wird die kurze Strecke verstanden, die anfällt wenn von einem Startpunkt losgegangen wird, um zu dem Hauptverkehrsmittel zu kommen sowie auch  der letzte zu überbrückende Teil vor dem Erreichen des Zielpunktes. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Telekommunikation und beschrieb die Schwierigkeit, Endbenutzer*innen zu verbinden, da dies einen großen Aufwand für die Einrichtung einer Infrastruktur bedeutete, die schließlich nur von einem Haushalt genutzt würde. Das Konzept ist entscheidend um die Mobilitätsentscheidungen von Menschen diverser zu gestalten, da die erste oder letzte Meile häufig eine Lücke im Verkehrsnetz darstellt. Das Konzept ist sowohl für Logistikunternehmen von Bedeutung als auch für die Planung von öffentlichen Verkehrsmittelnetzen. Mögliche umwelt- und klimafreundliche Überbrückungen der ersten und letzten Meile sind zu Fuß gehen, Car oder Ride-Sharing, Fahrradfahren oder in bestimmten Fällen die Einrichtung eines Shuttles. Für Lieferungen von Unternehmen sind Strategien der Last-Mile ein wichtiges Instrument der Effizienzsteigerung.