Professor Dr.-Ing. Günther Valtinat gestorben

Am 29. September starb der ehemalige Professor der TU Hamburg Dr. – Ing. Günther Valtinat mit 85 Jahren in Grünwald, Bayern.

Valtinats beruflicher Werdegang nahm nach dem Examen 1961 an der Technischen Hochschule Fridericiana in Karlsruhe als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Stahl- und Leicht­metallbau von Prof. Dr.-Ing. Dr. sc. techn. h.c. Dr.-Ing. E.h. 0 . Steinhardt seinen Anfang. Der Titel seiner 1966 eingereichten Promotion „Die Untersuchung von Schweißverbindungen mittels der Analogie der elastisch-randgelagerten Scheibe“ zeigte bereits Valtinats Interesse an der Ver­bindungstechnik. Unzählige Forschungsarbeiten, Veröffentlichungen und Vorträge zu diesem Themengebiet sollten folgen. 1970 veröffentlichte er seine Habilitation über ein „Kriterium zur Erfassung der Spannungsversprödung von Werkstoffen“. 1973 erfolgte die Berufung als Professor an die Universität Karlsruhe und schließlich 1985 an die Technische Universität Hamburg-Harburg, wo er bis zum Jahr 2001 den Arbeitsbereich für Stahlbau und Holzbau – heute das Institut für Baustatik – leitete. ·

Die mit der Berufung zum Professor verknüpfte Lehrtätigkeit hat er stets mit Begeisterung und großem Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs erfüllt. Seine Vorlesungen wurden wegen ihrer leicht verständlichen und anschaulichen Darstellung der Themen von den Studierenden gern wahrgenommen. Neben den offiziellen Veranstaltungen , z.B. bei der Betreuung von Studien-­ und Diplomarbeiten, hatte Valtinat für die Probleme „seiner“ Studierenden immer Zeit und Aufmerksamkeit. Dieses persönliche Engagement wurde von den Studierenden mehrfach durch hochschu­linteme Auszeichungen gewürdigt.

In der Forschung wurde Valtinats jahrelanger Einsatz für die Entwicklung und Weiterentwicklung der HV-Schraube bekannt. Die GY-Verbindung ist vielen nicht nur als „gleitfest-vorgespannt“ ein Begriff. An dem in jedem Ingenieurbüro zu findenden Ringbuch „Typisierte Verbindungen im Stahlhochbau“ des Deutschen Stahlbau-Verbands war er maßgeblich beteiligt. Hinzu kamen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Betriebsfestigkeit . Beispielhaft seien hier seine Funktion als Leiter der DFG-Forschergruppe „Schadensforschung und Schadensbe­seitigung an Stahlkonstruktionen im Wasser “ und seine Beteiligung am DFG-Graduierten­kolleg „Meerestechnische Konstruktionen“ genannt. Als Gutachter wurde Professor Valtinat häufig für die Beurteilung von Schadensfällen hinzugezogen, wie zum Beispiel bei Anprallschäden an Brücken. Darüber hinaus hat Professor Valtinat in mehreren Normenausschüssen mitgewirkt. So sind Teile der DIN 18800, DIN 4113, DIN 11535 und DIN 1 9704 durch seine Mitwirkung bzw. Vorsitz entstanden. Als Beispiele für seine Mitarbeit in intemationalen Gremien seien hier nur das ECCS-TC 10 (,.Connections“) zur Vorbereitung der ENV 1993 (Eurocode 3), das ECCS-TC 2, das CEN/TC 250/SC 9 (,,Aluminium Structu­res“) zur Erstellung der ENV 1999 (Eurocode 9)  und das CENffC 284 (,,Commercial Green­houses“) zur Erstellung der EN 13031 erwähnt.

Als Prüfingenieur für Baustatik war Valtinat auch in die praktischen Belange des Bauinge­nieurberufs involviert. Das betrifft im Stahlwasserbau vor allen Dingen Schleusentore (z.B. Weserschleuse und Uelzen II) und Schütze. Doch auch die neue Lärmschutzhalle für Trieb­werkstest auf dem Hamburger Flughafen wurde von ihm geprüft.
Wenn man all diese Tätigkeiten betrachtet, von denen hier nur einige wenige exemplarisch erwähnt werden konnten, dann wird schnell klar, daß das Wort „Urlaub“ für ihn nahezu ein Fremdwort geworden ist. Der oft übervolle Terminkalender erforderte zeitweise viel Sponta­neität und Kreativität, um die drängendsten Aufgaben zu erledigen. Trotz aller Termine und externer Verpflichtungen nahm er sich immer wieder die Zeit für die Belange seiner Studierenden und Mitarbeiter.

Nicht zuletzt in den akademischen Gremien der TU Hamburg hat sich Valtinat in seiner gesamten Wirkungszeit engagiert, wirkte im Akademischen  Senat, in Forschungsschwerpunkten und im Dekanat Bauwesen. Damit hat Günther Valtinat – als Professor der TU Hamburg-Professor der ersten Generation – einen großen Beitrag zum erfolgreichen Auf- und Ausbau der geleistet und vor allem durch seine Forschungsarbeiten maßgeblich zum Ruf und Renommée der TU Hamburg als Forschungsuniversität beigetragen.  Die TU Hamburg wird Professor Dr.-Ing. Günther Valtinat ein ehrendes Gedenken bewahren. Das Mitgefühl seiner TU Hamburg gilt seiner Frau und seiner Familie.

 

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